Ingeborg Schach: Exemplarisches Beispiel für eine Abschlußarbeit der Berufsausbildung
Vorgeschichte:
Die Klientin
hat schon einige Sessions hinter sich, bei denen sich immer wieder folgende
Themen herauskristalisiert haben: ungelöstes Mutter-Thema, nicht teilnehmen
(dürfen) am Leben, sich emotional abgetrennt und isoliert von Anderen empfinden
(auch von sich selbst), Allein-Sein-müssen, sich verschlossen haben, Resignation,
Machtlosigkeit, Kraftlosigkeit, sich nicht wehren wollen, nichts fordern können,
Trotz.
Die Klientin öffnet
eine Tür mit Aufschrift: Kraft
und Lebendigkeit. Sie sieht nur aber Dunkelheit.
Th.: Sprich die Dunkelheit
mal an. - Die Klientin schweigt. - Sag ihr, daß du sie wahrnimmst, oder
du kannst sie auch fragen, ob sie eine Botschaft an dich hat.
Kl.: Ich empfinde
gerade alles als unheimlich mühsam.
Th.: Sags mal
deiner Innenwelt, wie mühsam alles ist - du deine Innenwelt empfindest.
- Die Klient seufzt und "windet" sich.
Kl.: Ich fühl
mich jetzt unheimlich schwer, fast so wie erstarrt. Es fällt mir auch schwer
zu reden. ... Jetzt sehe ich so eine Art Schwert. ... Aber ich sehe es immer
nur so für Augenblicke.
Man sieht,
wie schwer es der Klientin fällt, mit ihrer inneren Wirklickeit d.h. mit
sich Selbst einen deutlichen und klaren Bezug herzustellen.
Th.: Sags dem
Schwert direkt, wie s dir mit ihm geht.
Kl.: Ach, es fällt
mir so unheimlich schwer...
Th.: Wie ist das
für dich?
Kl.: Es ist unheimlich
anstrengend.
Th.: Und wie fühlt
sich das an, daß es so unheimlich anstrengend ist - in deiner Innenwelt?
Kl.: Ich finde es nicht gut, es ist so schwierig ... - Die Klientin atmet schwer.
Die Klientin
fühlt jetzt die "Abtrennung". Bei sich zu bleiben, bei den inneren
Bildern dranzubleiben und hinzuschauen, fällt schwer.
Th.: ...das Anstrengende,
Mühsame, das Erstarrte?
Kl.: Ja.
Th.: Guck mal, ob
sich das mal umsetzen lässt und sich konkreter zeigt in einem Bild oder
Symbol.
Kl.: Irgendwo ist
ein Lichtschein ...
Die Klientin
"entwischt" wieder in ein anderes Bild, gleichzeitig zeigt sich auf
einer inneren Symbolebene bereits die Existenz einer möglichen Lösung.
Th.: Vielleicht schaust
du doch erstmal, wie sich das Schwere, Mühsame, Erstarrte darstellt. Guck
mal hin, was da auftaucht.
Kl.: Es ist sowas
wie ein Steinblock.
Th.: Dann sprich
mal den Steinblock an, und sag ihm, wies dir mit ihm geht, und daß
du ja gerne in deiner Innenwelt was bearbeiten willst, und jetzt ist er da.
Kl.: Ja, du bist
so groß und so schwer. Und du bist mir im Weg. Ich fühl mich so schwer
und du drückst mir so auf die Seele.
Irgendetwas
"drückt" auf ihre Lebendigkeit.
Th.: Schau mal, wie
er reagiert, oder was du mit ihm machen willst ?
Kl.: Er steht ja
vor dem Licht. ... Ich sehe irgendwas Schwarzes ... Aber ich kann es nicht deutlich
sehen.
Th.: Dann geh näher
ran und schau hin.
Die Therapeutin
versucht sie noch stärker in die Konfrontation mit ihren inneren Energiebildern
zu bringen. Wirkt vermutlich wie eine Provokation, da sie ja nicht klar hinschauen
kann bzw will.
Kl.: Es ist so schwer.
... Es hat irgendwas mit Tod zu tun ... so was Ähnliches wie ein Kreuz.
Th.: Wo bist du jetzt?
Und wo ist das Schwarze? Und hat das Schwarze etwas mit dem Steinblock zu tun
?
Die Klientin
soll so konkret und real wie möglich ihre Innenwelt erleben.
Kl.: Es steht vor
mir und der Steinblock hat sich in das Schwarze gewandelt. Es steht auch vor
mir und ist groß.
Th.: Magst du das
Schwarze mal ansprechen, ob es dir was zu sagen hat?
Kl.: Es macht mir
Angst.
Th.: Sags ihm
direkt.
Direkte
Ansprache bewirkt, daß die Klientin in direkten Kontakt mit ihren Innenweltanteilen
kommt. Dadurch kann es leichter zu einer Änderung und Spannungs-Entladung
kommen.
Kl.: In diesem Schwarzen
steckt was, und ich habe Angst hinzuschauen. Es hat irgendwas mit Tod zu tun.
Th.: Trau dich mal,
das Schwarze zu fragen, was es mit Tod zu tun hat.
Die Therapeutin
versucht die Klientin zu motivieren über ihre bisherigen Grenzen zu gehen,
und die Angst zu konfrontieren.
Kl.: - Langes Schweigen.
Th.: Oder nach was
ist es dir ? Was willst du machen ?
Es werden
immer nur Vorschläge gemacht. Die Klientin hat in jedem Moment die Freiheit
nach ihren eigenen Impulsen zu handeln. Denn letztendlich kann nur ihre eigene
innere Weisheit entscheiden, was für sie richtig ist.
Kl.: Ich brauche
irgendwie Zeit. - längeres Schweigen - Das Ganze entgleitet mir jetzt.
... Ich habe verschiedene Bilder. Ich weiß nicht. ... Ich weiß nicht.
Th.: Wie ist das
jetzt für dich, daß dir die Bilder jetzt entgleiten und das du wieder
mal verschiedene Bilder hast?
Die Therapeutin
versucht ihr ihre innere Wirklickeit bewußt zu machen.
Kl.: Ja, es ist verwirrend.
Th.: Sag das mal
deiner Innenwelt direkt, daß du sie als verwirrend empfindest.
Kl.: Ja, die verschiedenen
Bilder verwirren mich. Ich weiß nicht, was wichtig ist, und wo ich bleiben
soll. Ich sehs nur halb.
Sie ist
uneindeutig in ihrem Gefühl, was für sie überhaupt wesentlich
ist. Dies könnte man als Hinweis nehmen, daß sie sich in einem für
sie traumatischen Geschehen von ihren innersten, wahren Gefühlen und Impulsen
abgetrennt hat. Sie ist nur noch "halb" dabei.
Th.: Wie fühlt
sich das an, alles nur halb zu sehen. Wie ist das ?
Kl.: Es ist anstrengend
und dann gehe ich raus.
Zeigt ihre
Problem-Lösung auf. Rausgehen von den Gefühlen und dann Resignation.
Th.: Vielleicht kann
sich der Teil, der es dir immer so schwer macht, mal zeigen, es ist ja ein Teil
deiner Innenwelt. Guck mal, wer oder was da dahinter steht.
Nach langem Schweigen kommt
zögernd eine Antwort.
Kl.: Es ist alles
dunkel um mich rum, und ich sehe einen Totenschädel.
Th.: Frag mal den
Totenschädel, ob er was damit zu tun hat, daß alles so an-strengend
ist in deiner Innenwelt, und daß du alles nur halb siehst.
Kl.: Schweigen
Th.: Hat er was damit
zu tun ? Guck mal, ob er nickt oder den Kopf schüttelt.
Kl.: - zögernd
- Ja, er nickt.
Th.: Und frag ihn
mal, warum er auftaucht, oder welche Botschaft er für dich hat?
Kl.: Ich sehe jetzt
so ein Gerippe, und es zeigt so in eine Richtung - nach rechts.
Th.: Was willst Du
jetzt machen, willst du der Richtung mal folgen? Was siehst du da?
Kl.: Im Augenblick
sehe ich nichts, es ist einfach nur dunkel.
Th.: Was macht das
mit dir ? Das Gerippe zeigt wohin, und dann siehst du dort gar nichts. Wie geht
es dir damit ?
Kl.: Es ist irgendwie
wieder verwirrend ... Ich habe das Gefühl, es will mir jetzt eine Richtung
zeigen und ich will dahin gucken und was sehen. ... Und dann sehe ich nichts.
Th.: Welche Emotion
löst das in dir aus? Du willst was sehen, und dann siehst du nichts. Was
für eine Emotion kommt da in dir hoch.
Die Therapeutin
versucht an die vermutlich verdrängten Emotionen wieder ranzukommen, die
sie wahrscheinlich in einem konkreten Geschehen von sich abgetrennt hat.
Kl.: Jetzt habe ich
das Gefühl, ich bin in einer Sackgasse.
Th.: Und welche Emotion
löst das in dir aus? Was macht das mit dir? Du willst was sehen in deiner
Innenwelt, und dann kannst du aber nichts sehen.
Kl.: Ich fühle
mich völlig leer. ... Ich spüre nichts.
Th:. Wenn du hier
jetzt eine Emotion spüren könntest, welche wäre es?
Sie soll
die Emotion wengistens erahnen können, auch wenn sie sie (noch) nicht spüren
kann.
Kl.: Ja, es wäre
Verzweiflung, vielleicht wäre ich auch wütend.
Th.: Machs
dir nochmal klar, was sich da abspielt in deiner Innenwelt. Da gibt es Figuren
und Anteile, die deuten wohin, aber du kannst es dann nicht sehen, alles wird
unklar, undeutlich und entschwindet dir wieder. Was machen denn deine Innenweltfiguren
und deine inneren Bilder mit dir? Wie gehen die denn mit dir um?
Die Therapeutin
faßt nochmal die Innenweltsituation der Klientin zusammen, um sie bewußt
zu machen und versucht dadurch Emotion in ihr auszulösen bzw. zu verstärken,
und sie eventuell sogar zu einer Handlung zu bringen.
Kl.: Die halten mich
zu Narren.
Th.: Sags ihnen
mal direkt.
Kl.: Ja, ihr haltet
mich zum Narren. Ich möchte, daß ihr euch mir deutlich zeigt. ...
Ja, ich möchte jetzt ein deutliches Bild haben.
Die Stimme
der Klientin wird schon ein bißchen lauter und bestimmter.
Th.: Genau. Befehl
das mal deiner Innenwelt. Du bist Herr deiner Innenwelt - oder solltest es zumindest
sein. - Die Klientin fängt an zu weinen.
Wirkt wie
eine Provokation und macht der Klientin ihre innere Ohnmachts-Struktur bewußt.
Das wiederum löst Emotion aus.
Kl.: Ich bin so unendlich
traurig.
Th.: Sags deiner
Innenwelt, was dich traurig macht.
Kl.: Ich weiß
es nicht.
Th.: Spür hin,
was macht dich genau traurig?
Kl.: Ich spürs
nicht.
Klingt fast
wie eine automatisierte Anweisung an sich selbst.
Th.: ... aber du
kannst ja die Traurigkeit spüren?
Kl.: ... ich fühle
mich im Stich gelassen.
- Weinen -
Sie fühlt
jetzt den Schmerz konkret, und kann ihn benennen.
Th.: Genau, deine
Innenwelt lässt dich im Stich, du läßt dich im Stich - letztendlich.
Kl.: ... ich sehe
jetzt ein kleines Mädchen, das hat einen kleinen Teddy in der Hand ...
und ist ganz traurig. - Die Klientin weint heftig.
Jetzt, wo
sie ihre Emotionen fühlen kann, sind ihre Bilder klar und deutlich. Sie
kann sich selber wieder spüren. Das kleine Mädchen ist sie selbst.
Th.: Sprich mal das
kleine Mädchen an, und frag es mal, warum es so trauig ist.
Kl.: Warum bist du
so traurig? ... Es sagt: ich bin so allein.
Th.: Frag es mal,
wer denn noch da sein soll? Oder wer es da alleine sitzengelassen hat? Oder
was passiert ist?
Kl.: Was ist mit
dir passiert?
Die Klientin
ist jetzt im konkreten Erleben drin. Sie spricht das Mädchen ganz von alleine
direkt an.
Th.: Und schau dem
Mädchen in die Au-gen dabei. Wie reagiert es?
Kl.: Du hast dich
ganz in dich zurückgezogen! Schau mich an. Schau auf.
Sie spricht
jetzt ihren eigenen Anteil an, der sich als kleines Mädchen in sich zurückgezogen
hat. Damit nimmt sie mit diesem Anteil wieder Kontakt auf und befreit ihn aus
seiner Isolation. Spannungsentladung kann nun geschehen.
Th.: Macht es das?
Kl.: Es ist schwer.
- Die Klientin weint. - Du hast nur deinen Teddy. Du kannst mich ja kaum anschauen.
Th.: Das Kind scheint
ja ganz verschüchtert zu sein. Frag mal, was es braucht, oder was du ihm
jetzt geben könntest. Du mußt jetzt vermutlich ganz behutsam mit
dem kleinen Mädchen umgehen und Kontakt mit ihr aufnehmen.
Kl.: Ich gehe direkt
auf sie zu, ich bin ihr schon ganz nah, aber ich muß ganz vorsichtig sein.
... Ich habe so ein Bild vor mir von einer Schaukel. Und ich sitze da und habe
das Mädchen so vor mir.
Th.: Guck mal, wie
es für dich ist mit der Kleinen zu schaukeln, und guck auch mal, wie es
der Kleinen damit geht.
Kl.: ... ich bin
auch unsicher ...
Th.: Sags ihr.
Kl.: Ja, ich spüre
dein Gefühl, daß du dich schon lange nach jemandem ge-sehnt hast.
Es tut mir so leid - Die Klientin weint wieder. - Ich spüre deine Sehnsucht,
und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich dich nicht auch wieder enttäusche.
Th.: Wie reagiert
sie jetzt, wenn du ihr das sagst.
Kl.: Sie ist sehr
mißtrauisch. Sie will nicht wieder enttäuscht werden.
Th.: Frag sie, was
genau sie jetzt braucht. Und wer sie so enttäuscht hat?
Kl.: - heftiges Weinen
- Sie will in den Arm genommen werden und mir ihren Teddy zeigen.
Th.: Möchtest
du das machen und ihr das geben?
Kl.: Ja. - weinend
-
Die Therapeutin
legt Klientin einen Stoffbär in den Arm, um das Halten und in den Arm-Nehmen
so real und intensiv wie möglich erleben zu lassen. Gleichzeitig wird sanfte
Musik eingspielt.
Th.: Kann sie das
annehmen? - Die Klientin bejaht. - Dann drück sie einfach und hab sie lieb.
Je realer
und mit allen Sinnen die Versöhnung erlebt wird, desto besser kann das
alte abgespeichterte Bild der Isolation (von sich selbst) verändert werden.
Kl.: - Die Klientin
schluchzt immer wieder, während sie den Stoffbär an sich drückt.
Th.: Du kannst ihr
auch was sagen.
Kl.: Ich habe einfach
das Gefühl, daß du das so, so brauchst. Ich habe einfach das Gefühl,
ich habe sie ganz lange vernachlässigt ....
Th.: Sags ihr
direkt.
Kl.: Es tut mir so
leid.
Th.: Wie reagiert
sie jetzt auf dich?
Kl.: - seufzt tief
- Sie schaut mich an und sie sagt, ich müsse jetzt immer wieder kommen.
Zeigt, daß
ihr inneres Kind als ihr Energiebild nun bereit ist für Versöhnung
und Veränderung.
Th.: Willst du ihr
das versprechen?
Kl.: Ja, ich komme
immer wieder zu dir, und nehme dich in den Arm, und bin für dich da. -
tiefes Seufzen -
Th.: Schau mal, ob
du jetzt, nachdem du ja Vertrauen zu ihr aufgebaut hast, sie mal fragen willst,
ob sie dich mal mitnimmt in eine konkrete Situation, in der sie sich so alleinegelassen
fühlt. - Sie soll dich mal an der Hand nehmen, und dich in so eine Situation
mitnehmen, daß du sehen kannst, ab wann sie sich so in sich zurückgezogen
hat. - Vielleicht getraut sie sich, wenn du dabei bist, da nochmal hinzugehen.Frag
sie mal, ob sie einverstanden ist. - Die Klientin bejaht. -
Dann nimm sie an deine Hand, und laß dich von ihr hinführen - in
eine wesentliche Situation, die die Ursache ist für sie, so mißtrauisch
und zurückgezogen zu sein. Du bist ja jetzt dabei und kannst sie beschützen.
Ein ursächliche
konkrete Situation soll gefunden werden, um diese neu zu bearbeiten bzw. neu
zu verarbeiten. Die Tat-sache der Isolation und Abtrennung von sich selbst soll
ungeschehen gemacht werden und sich in der Folge als unnötig erweisen.
Kl.: Wir sind irgendwie
in einem großen Raum mit Torbögen. Aber es ist niemand da. Meine
Eltern, mein Opa und mein Bruder sind durch die Torbögen verschwunden.
Th.: Wo ist die Kleine
jetzt.
Kl.: Ich hab sie
so an der Hand. ... Es ist wie so ein Platz und da ist eine Kirche ... und das
hat mich irgendwie ganz tief und traurig berührt. ... Das Bild ist aber
schon wieder weg ....
Sobald Emotion
hochkommt, geht sie gleich wieder von den Bildern weg. Ihr altes Muster.
Th.: Guck mal, ob
du dieses Bild, dieses Gefühl nochmal herholen kannst - die Trauer. Du
kannst auch die Kleine fragen, die weiß es auch.
Kl.: Oh,... jetzt
sehe ich die Oma, die liegt da tot im Sarg.
Jetzt kommt ein konkretes
Geschehen in ihr hoch.
Th.: Und die Kleine?
Sieht die das?
Kl.: Ja, die steht
am Sarg.
Th.: Guck mal, ob
du ganz in die Kleine reinschlüpfen kannst und aus ihren Au-gen rausblicken
kannst. Und dann spür mal, wie das jetzt für dich ist - da liegt die
Oma tot im Sarg.
Die Therapeutin
versucht sie jetzt vollständig ins Erleben als Kind zu bringen.
Kl.: - fängt
wieder an zu weinen.
Kl.: Die Oma rührt
sich nicht. ... Sie ist tot. Aber ich will das sie aufsteht. - Die Klientin
schluchzt.
Th.: Sags
ihr.
Kl.: Ich
will, daß du aufstehst und mich in Arm nimmst und mit deinem Stock klopfst.
Ich versteh nicht, was mit dir ist. Und alle stehen drumrum und lassen mich
da so stehen.
Th.: Was fühlst
du jetzt?
Kl.: - schluchzend
- Sie ist auf einmal nicht mehr da und sie ist so kalt.
Th.: Wie alt bist
du?
Kl.: So drei oder
vier.
Th.: Was machst du
jetzt, sie ist nicht mehr da und du spürst deinen Schmerz. Sags denen
direkt, die da drumrum stehen, was mit dir ist.
Kl.: ... Ihr habt
mich weggeschickt vom Bett der Oma, und mich ins Bett geschickt.
Th.: Dann sei mal
jetzt in deinem Bett. Wie geht es dir da?
Kl.: Die Oma stirbt,
und sie haben mich ins Bett geschickt.
Th.: Die Oma liegt
gerade im Sterben?
Kl.: Irgendwas ist
halt, ich weiß nicht genau, was los ist.
Th.: Wie ist das
für dich, daß sie dich ins Bett schicken?
Kl.: Ich habe Angst
... irgendwas ist, und ich weiß nicht was ... die sagen mir nicht, was
los ist.
Th.: Sagt man dir
noch irgendwas beim Ins-Bett-Schicken oder was du jetzt tun sollst.
Kl.: Ich soll mich
hinlegen.
Th.: Wie ist denn
das für dich? Willst du ins Bett gehen?
Kl.: Ich habe das
Bild: ... Ich sitze da und ich weiß, daß irgendwas Entscheidendes
passiert, aber ich weiß nicht was. Ich darf nicht dabei sein. - Die Klientin
beginnt zu weinen. -
Wird zum
tief verinnerlichten Muster im Leben der Klientin. Sie darf am "Wesent-lichen"
nicht teilnehmen. Diese Prägung zeigt sich auch an ihren Innenweltbildern.
Da weiß sie auch oft nicht, was wichtig ist und was los ist. Da sie nichts
tun darf, kommt es in der Folge zu Handlungslähmung und tiefen Resignation.
Th.: Was darfst du
nicht tun?
Kl.: Rausgehen und
nachschauen, was da passiert.
Hier entsteht
evtl. der Glaubenssatz: sie dürfe nichts tun, nicht handeln.
Th.: Du sitzt also
im Bett, willst rausgehen und darfst nicht. Spür mal hin, wie dein Körper
sich anfühlt.
Kl.: Ich kann gar
nichts spüren.
Wird zur
Muster-Problemlösung für Konflikte. Da sie ja nichts tun darf, spürt
sie den Drang dazu lieber gleich gar nicht.
Th.: Wenn du was
spüren könntest, was würdest du jetzt spüren. Ein Teil von
dir weiß es. - Die Klientin atmet schwer. - Ist es sowas, daß du
erstarrt bist und bewegungslos, weil du einem Impuls von dir nicht folgen darfst?
Die Therapeutin
hilft ihr ein wenig, wieder an sich ranzukommen. Wenn es nicht stimmen würde,
würde sie es verneinen.
Kl.: Das kann sein
... Ja.
Th.: Was würdest
du denn jetzt am liebsten tun?
Kl.: Rausrennen zur
Oma.
Th.: Dann tus
jetzt mal. Gebe deinem Drang mal nach. Renn raus. ... Jetzt.
Die Therapeutin
versucht die Klientin in ihre Handlungskompetenz zurück zu bringen. An
dieser Stelle wird diese Szene neu "geschrieben", d.h. die alte Abspeicherung
des Verbotes wird durch neues Handeln ins Chaos überführt, und kann
sich nicht mehr aufrechterhalten. Auch alle weiteren Folgen dieses Verbotes
können sich nun nicht mehr halten, und eine ganz neue innerpsychische Ordnung
kann sich jetzt per Selbstorganisation ereignen.
Kl.: Ich will bei
der Oma sein.
Th.: Genau, trau
Dich und geh raus.
An so einer
entscheidenden Stelle braucht der Klient meist die energetische Unterstützung
des Therapeuten, um sich aus so einer Begrenzung, die ja zur Pro-grammierung
geworden ist, rauszulösen.
Kl.: Die Oma stirbt,
und ich will an ihrem Bett sein. Ich will auch da sein, wenn sie stirbt.
Th.: Bist du jetzt
rausgegangen?
Kl.: Ja.
Th.: Was erwartet
dich, was siehst du dort?
Kl.: Die Oma liegt dort im Bett. ... Ich drängle mich zwischen die
Anderen... Ich bin jetzt neben dem Bett und faße sie so am Arm.
Th.: Lebt sie noch,
in dem Moment?
Kl.: Ja.
Th.: Guck hin, wie
sie reagiert.
Kl.: - weinend -
Ich will, daß sie dableibt.
Th.: Sags ihr.
Kl.: Bleib doch da.
Th.: Sag ihr, wies
dir geht, und hör mal hin, was sie sagt.
Kl.: Sie sagt, ihre
Zeit ist abgelaufen. Und sie will jetzt gehen. Sie hat lange genug gelitten.
Th.: Verstehst du
das jetzt? Frag mal die Kleine.
Kl.: Ja, jetzt schon.
Th.: Sagt sie noch
was zu dir?
Kl.: Ja, ich soll
energischer sein. Sie hat immer mit ihrem Stock die Leute tyranisiert. So auf
den Boden geschlagen, wenn sie was wollte.
Th.:
Die konnte das. - Vielleicht kann sie dir ja diese Energie, diese Fähigkeit
noch übertragen, bevor sie geht. Würde das für dich stimmen.Und
will sie das tun?
Kl.: Ja, sie gibt
mir jetzt ihren Stock.
Th.:
Dann nehm mal den Stock in die Hand, und spür mal, wie sich das anfühlt,
wenn du ihn und diese Energie jetzt hast.
- Die Therapeutin reicht
der Klientin was stockähnliches. Klientin kniet jetzt und stützt sich
mit dem Stock ab.
Die Oma
repräsentiert für die Klientin offensichtlich die Eigenschaft der
Durchsetzung und Selbstbehauptung. Da sie nun nicht mehr von der Oma ferngehalten
wird, rücken jetzt auch diese Eigenschaften näher an sie ran.
Th.: Wie ist das
denn jetzt für dich, daß die Oma gehen will?
Kl.: Ja, ich kann
sie jetzt gehen lassen.
Th.: Sags ihr
direkt.
Kl.: Ja, ich kann
dich jetzt gehen lassen. Ich spür, daß es jetzt so in Ordnung ist.
Aber mir war wichtig, daß ich dich nochmal spüre.
Th.: Und sie hat
dir ihren Stock dagelassen.
Kl.: Hm.
Th.: Jetzt schau
mal hin, was sich nun weiterhin verändert, was es mit der Klei-nen macht,
die jetzt die Oma nochmal hat spüren dürfen.
Kl.: Ich fühl
mich jetzt irgendwie verbunden ... Ich fühl mich nicht mehr so abgetrennt.
Zeigt, daß
sie die "Abtrennung" von sich selbst, von ihrem wahren Handlungsimpuls
nun geheilt ist durch ihr neues Handeln.
Th.: In welchen Situationen
zeigt sich das denn jetzt, daß du dich mehr verbunden fühlst. Geh
mal einfach auf der Zeitachse ein bißchen vorwärts.
Kl.:
Ich fühl mich mehr
in meiner Mitte.
Th.: Laß mal
eine konkrete Situation da sein und guck mal, wie die sich jetzt ge-staltet.
Kl.: Also, ich habe
jetzt das Bild, wie ich neben dem Sarg stehe und mein Vater hat mich an der
Hand genommen. Eigentlich bin ich auf ihn zugegangen und habe seine Hand genommen.
Zeigt, daß
sie das Handlungsverbot, die Handlungslähmung überwunden hat, und
jetzt ihre eigenen Impulse ernstnimmt und selbst auf den Vater zugeht.
Th.: Sag dem Vater
das ruhig auch mal, wie wichtig es für dich war, nochmal mit der Oma Kontakt
zu haben. Und daß es dir nicht gut getan hat, daß er dich ins Bett
geschickt hat. Sag ihm das mal.
Kl.: Ja, für
mich war es ganz wichtig beim Sterben dabei zu sein, und die Oma nochmal anzufassen,
auch mitzukriegen, was mit ihr passiert. Und mit ihr Kontakt zu haben. Es war
nicht so gut, mich da abzukapseln und mich auszusperren.
Th.:
Erzähl ihm von den Auswirkungen bis heute, noch Jahrzehnte später.
Kl.: Ihr habt mich
da so ausgegrenzt, habt mich da einfach so abgestellt, wie ihr mich ins Bett
geschickt habt, und mir verboten habt, mich rauszubewegen. Alles hat mir so
Angst gemacht, und ich habe mich so alleine gefühlt.
Th.: Und du hast
das Verbot ernst ge-nommen, bis heute, daß du dich nicht wegbewegen und
nicht nach eigenen Impulsen handeln sollst. Aber damit ist ja jetzt Schluß.
Du folgst jetzt deinen Gefühlen, deinem Drang - ab jetzt.
Kl.: Ja, ab jetzt
will ich teilhaben an allem, was passiert. Ich will nicht mehr ausgegrenzt werden.
Ich gehöre jetzt auch dazu!
Damit "manifestiert"
sie jetzt ihren eigentlichen Willen. Sie gibt sich selbst und ihrem Leben damit
ganz klare Anweisung.
Th.: Und schau den
Vater an, ob er das jetzt einsieht.
Kl.: Er runzelt mit
der Stirn. Und hat so einen abschätzenden Blick... Aber er sieht es ein.
Th.: Wer ist denn
noch verantwortlich dafür, das du ins Bett musstest. Die Ma-ma vielleicht?
Dann soll die auch herkommen. Die muß das genauso wissen, daß das
jetzt alles ein Ende hat.
Kl.: Ja, Mama, ich
werde jetzt auch teilhaben, wenn etwas passiert. Ich will wissen, was los ist.
Th.: Genau, du wirst
ab jetzt wieder teilhaben am Leben, denn seit damals hast du vielleicht das
Gefühl gehabt, du darfst gar nicht teilhaben am Leben.
Indem sie
nun das "Einverständnis" der inneren Eltern hat, das Verbot beiseite
legen zu dürfen, steht der Neuen Manifestion nichts mehr im Wege. Sie selbst
erlaubt sich nun das Teilnehmen am Leben.
Kl.: Ja, genau. Und
ich wurde nicht erstgenommen.
Th.: Aber damit ist
ja jetzt Schluß.
Kl.: Ja, ich werde
mich nicht mehr einsperren lassen. Ich laß mich nicht mehr abschieben.
Th.: Du wirst jetzt
voll im Leben stehen.
Wie reagiert die Mama, begreift
sie es, wie wichtig es für dich ist?
Kl.: Ja, schon. Es
war ihr nicht klar.
Th.: Guck mal hin,
wie die Kleine jetzt aussieht, wie es ihr jetzt geht. Hat sie sich verändert?
Wenn Heilung
passiert, ändern sich auch die Innenweltfiguren zum Positiven.
Kl.: Ich habe da
jetzt ein Bild: Ich stehe da vor der Mutter und dem Vater, bin zwar klein und
die müssen runtergucken, aber ich stehe da ganz offen und aufrecht da,
und die haben mich gehört.
Th.: Sags ihnen.
Kl.: Ja, ihr habt
mir jetzt mal richtig zugehört. Und ich habe das Gefühl, ihr nehmt
mich ernst ... zum ersten Mal.
Th.: Und spür
hin, wie sich das anfühlt.
Kl.: Ich habe jetzt
das Gefühl, daß ich einfach in meiner Mitte bin.
Th.: Weil du jetzt
endlich das getan hast, was du wolltest. - Sanfte Musik wird eingespielt. Die
Klientin soll dieses positive Gefühl möglichst lange genießen
und tief verankern. - Und jetzt, wo du dich in deiner Mitte fühlst, was
würdest du jetzt gerne tun, was soll jetzt sein.
Kl.: - Langes Schweigen.
Th.: Wo bist du jetzt
?
Kl.: Ich habe jetzt
Papa und Mama an der Hand. Und ich darf dabei sein. - Jetzt sehe ich wieder
den Platz mit der weißen Kirche. Dieses Bild hat mir kurz wieder so einen
Stich gegeben - aber das ging dann gleich wieder weg.
Zeigt, daß
das Bild zwar noch vorhanden ist, aber keine emotionale Ladung mehr trägt.
Th.: Laß auch
ruhig die Oma nochmal dabei sein. Sie soll sehen, wie du jetzt dastehst
Kl.: Ja, Oma, ich
habe dich liebgehabt. Und ich glaube, du hast mir lange gefehlt.
Th.: Schau nochmal,
ob sie reagiert auf dich.
Kl.: Sie winkt mir
nochmal zu, zum Abschied.
Th.: Sagt sie noch
was, oder was tut sie?
Kl.: Sie hat mir
ihren Stock gelassen, den braucht sie nicht mehr.
Th.: Vielleicht kann
sie es dir nochmal deutlich zeigen, für was der Stock steht, wofür
du ihn von nun an gebrauchen kannst. In welchen Situationen du ihn anwenden
kannst?
Kl.: Ja, es gibt
zwei Sachen. Einmal geht es um Forderungen stellen, denen Nach-druck zu verleihen.
Und der Stock hilft auch beim Sich-Wehren und Schlagen. Ich soll mich nicht
mehr klein machen, sondern mich aufrichten.
Th.: Dann mach das
doch mal, richte dich auf mit dem Stock. - Die Klientin kniet und richtet sich
an dem Stock auf und stößt immer wieder in die Matratze.
Kl.: ... ich will!!!
... und ich kann!!!
Sie gebraucht
jetzt positive und selbstbejahende Sätze. Sie macht sich das Recht auf
ihr eigenen Impulse nochmal klar.
Th.: Genau. - Und du kannst jetzt auch in eine konkrete Situation gehen im Heute und es ausprobieren. Und nehm die Oma mit. Sie soll da zugucken, wie du jetzt
Forderungen stellst, und
dich aufrichtest und dich nicht mehr klein machst.
Kl.: Ich bin jetzt
im Geschäft - aber ich habe nichts Konkretes.
Th.: Du kannst dich
einfach mal so erleben, wie du jetzt bist, mit dem Stock in der Hand und der
Oma als Unterstüt-zung. Wie sich das anfühlt, und wie die Menschen
auf dich jetzt reagieren.
Kl.: Es ist wichtig,
mich aufzurichten. Und mich nicht wieder klein machen. Stehe jetzt als Persönlichkeit
da, als gleichwertig.
Th.: Genau. - Musik,
die Selbstvertrauen ausdrückt, wird als zusätzliche Ankerung eingespielt.
Th.: Und spüre
die Oma, die bei dir ist und dich mit ihrer Energie unterstützt.
Kl.: Die steht hinter
mir.
Th.: Schau mal, was
du genau machst, und wie du genau auftrittst. Wie empfindest du dich jetzt.
Kl.: Es ist jetzt
ganz schwierig für mich, was Konkretes zu sehen.
Th.: Spür einfach
die Oma im Hinter-grund, sodaß du, wenn du in so eine Situation kommst
auf sie zurückgreifen kannst. Sie einfach rufen kannst, und sie kommt dann
in deiner Innenwelt und unterstützt dich dann. Und schau doch auch nochmal
zu dem kleinen Mädchen mit dem Teddy hin. Guck doch mal, wie es der jetzt
geht.
Kl.: Der geht es
gut.
Th.: Hat sie sich
irgendwie verändert?
Kl.: Ich habe jetzt
so das Bild, wie ich die Kleine an der Hand halte. Und sie hat den Teddy in
der anderen Hand. Wir laufen so, und ich habe den Stock in meiner anderen Hand.
Es ist hell, die Sonne scheint. ...Wir sind so auf Wanderschaft.
Es ist so, als ob ich ihr das Leben zeige ....
Die Sonne
ist neu in ihrer Innenwelt und zeigt die Heilung und den neuen, inneren Zustand
der Klientin an.
Th.: Wo zieht es
dich jetzt hin? Was zeigst du ihr?
Kl.: Mich zieht es
so in die Sonne.
Th.: Dann gehe zur
Sonne. Was ist das für eine Landschaft, wo ihr jetzt seid ?
Kl.: Ich sehe keine
Landschaft.
Th.: Aber die Sonne
kannst du spüren?
Kl.: Ja, schon. Ich
sehe jetzt auch einen Weg ... aber es ist keine reale Land-schaft ... tot sie
ist aber auch nicht ... es gibt da viel Farben.
Th.: Wie fühlst
du dich da jetzt, in der Sonne und mit den Farben ?
Kl.: Es ist warm,
und es ist sehr angenehm und fühlt sich leicht an, unbeschwert. Es fühlt
sich klar an.
Th.: Dann schau doch
mal, ob es die Schwärze und die Dunkelheit von deinem ersten Bild noch
gibt, oder, ob die sich jetzt vielleicht in die Sonne und die Farben verwandelt
haben?
Kl.: Ich habe eher
das Gefühl, es ist nicht ganz weg aber es ist zur Seite gerückt.
Zeigt, daß
es evtl. noch andere Erlebnis-se in ihr gibt, die "geheilt" werden
müssen, damit sie zu ihrer vollen Lebendigkeit und Klarheit gelangen kann.
Th.: Ist es sowas,
das darf jetzt auch sein - die Sonne?
Kl.: Ja, genau. Und
das hat auch was mit dem Licht zu tun, daß ich am Anfang gesehen habe.
Th.: Ja, da hat sich dir die Möglichkeit zum Licht, zur Sonne zu kommen, schon angedeutet. - Dann würde ich vorschlagen, laß dir doch einfach auf diesem Weg noch ein bißchen Zeit, und genieße dieses Leichte, die Farben, die Sonne noch eine Weile, sodaß du es ganz tief spüren kannst, und es dann auch in dein Leben, deinen Alltag mitnehmen kannst. - Harmonische Musik wird eingespielt. Die Klientin bleibt noch eine Weile liegen und hat so die Möglichkeit, das Innenwelt-Erlebnis nochmal durchzugehen und ganz tief zu verinnerlichen.
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