10. Sitzung: der Karpfen
Die K. steigt über eine Natursteintreppe ein. Sie ist etwa 5 Jahre alt
und das Metallgeländer geht ihr fast über den Kopf (dieses Bild verändert
an einem Punkt in der Sitzung). Sie öffnet die Tür, auf der „Heizung“
steht (dieses Wort hat später in der Sitzung weniger Bedeutung, im Session-Raum
war es sehr heiß an diesem Tag). Zunächst befindet sich die K. bei
den Großeltern. Der Großvater zieht sie zu sich auf den Schoß,
was sie ablehnt, die Großmutter ist beim Hühnerfüttern. Auf
Anregung der T. die Großmutter zu holen und zu schauen, was sie von ihr
will, tut sie dies und erfährt, daß der Anteil „Großmutter“
ihr nicht glaubt. Auf Anregung der T. in Kontakt mit ihr zu bleiben löst
sich das Bild auf und sie fühlt eine Müdigkeit. Die T. fragt die K.
nochmals nach dem Handlauf, als die K. als kleines Mädchen dort stand.
Sie fühlt sich hilflos, alles ist so groß, sie fühlt die Hilflosigkeit
in der Kehle. Die T. zeigt der K. auf, daß sie diese Hilflosigkeit in
anderen Sitzungen auch wahrgenommen hat und fragt, ob sie nochmals in das Bild
mit der Großmutter gehen kann, die sagte "„stell dich nicht
so an“. Auf Anregung der K. die Erwachsene unterstützend mit in das
Bild zu nehmen, fühlt die K. einen Kloß im Hals und hat das Gefühl
übergangen und nicht wahrgenommen, in ihrer Persönlichkeit beschnitten
zu werden. Das innere Kind wendet sich an den erwachsenen Anteil. Nachdem sich
der erwachsene Anteil für die Kleine eingesetzt hat, fühlt sie sich
besser. Der Großvater aber sagt „Kinder haben zu gehorchen“.
Auf die Frage der T. woher sie das noch kennt, erscheint der Vater der K. Daraufhin
verschwimmen die Bilder der K. Die T. wiederholt das gerade geschehene „“der
Großvater sagt: Kinder haben zu gehorchen“. Daraufhin steigt die
K. wieder ein und sagt: „Das will ich so nicht haben. Das geht nicht.
Auch wenn ich noch so klein bin. Ich hab nicht nur zu gehorchen. Ich hab auch
Rechte. Das sollen sie sehen. Das sollen sie erkennen“. T: „Guck
mal wie du es ihnen klar machen willst“. K: „Ich hab auch Rechte,
auch wenn ich so klein bin! Ich hab nicht nur zu gehorchen. Ich gehöre
Euch nicht (Pause). T: „Bleibe in Kontakt mit ihnen“. K: „Mein
Vater sagt, das ist richtig, ich muß nicht nur gehorchen Ich kann den
Opa das ruhig sagen und das ist richtig daß ich das dem Opa sage. Er mußte
nämlich früher auch immer gehorchen. Das hat ihm nämlich auch
gestunken“. T: „Das kann er seinen Vater auch mal ruhig sagen, wenn
er will“. K: „Er sagt: Das hat mir früher auch immer gestunken,
das ich immer gehorchen mußte. Das war auch so ein Grund warum ich abgehauen
bin“. T: „Ja. Jetzt schau mal wie der Großvater reagiert“.
K: „Der ist so empört, daß ihm irgend jemand widerspricht“.
T: „Was macht das mit dir?“ K: „Ich freue mich, daß
der Papa dem auch widerspricht. Ich gehe zu so einer Treppe und guck mir das
aus der Entfernung an, damit ich mich vor dem verstecken kann“. T: „Was
befürchtest du?“ K: „Der könnte mich wieder packen“.
T: „Schau mal wer dir da helfen kann?“ K: „Wer mir da helfen
kann? Mein Papa“. T: „Guck mal, ob du es ihm direkt sagen kannst
oder bitten willst“. K: „Hilfst du mir, daß der mich nicht
packt, der Opa. Er sagt ja, ich passe auf, daß er dich nicht packt. Dann
geh ich wieder näher an ihn ran“. T: „Ja. Schau mal was passiert
wenn du so reagierst“.
K: „Der packt mich an den Schultern. Mein Vater kommt und reißt
dem seine Arme von meinen Schultern weg und beschützt mich vor dem. Was
soll das, wieso machst du das?“ Wieder sagt der Opa „Kinder haben
zu gehorchen“. Der erwachsene Anteil wird wütend, schubst und schlägt
ihn ins Gesicht und verbittet sich das Vorgehen. Daraufhin geht der Großvater
verschreckt weg. Im weiteren Verlauf fragt die T: Diese Grenzübertretung,
woher kennst du die noch?..... Schau mal, woher du das noch kennst, daß
jemand deine Rechte übertritt“. K: „Ja. Da sind wir auch da
bei so einer Pseudooma. Und da gibt es Mittagessen. Und die hat so einen Karpfen
gekocht und Rotkraut und Kartoffeln und sie nimmt meinen Teller und gibt mir
so fünf Kartoffeln, packt die mir da drauf und ganz viel Rotkraut und noch
was von diesem ekligen Fisch. Und ich sag nein, ich will nicht so viel. All
das mag ich gar nicht essen. Ich will weniger. Und sie meint: Das wird alles
aufgegessen. Du mußt doch was werden. Das wird alles aufgegessen. Eher
stehst du nicht vom Tisch auf“: T: „Wie geht’s dir damit?“
K: „Ich hab voll den Kloß im Hals und will am liebsten gleich losheulen.
Und ich merke es hilft mir niemand und ich hab es doch schon gesagt und jetzt
muß ich das machen. Und jetzt muß ich das alles essen“. T:
„Und spüre mal was sie mit dir macht, diese Hilflosigkeit. Wie nimmst
du sie wahr?“ K: „In der Kehle“. T: „Ja. Laß das
mal da sein, spüre mal.“ K: „Das macht mich so mundtot“.
T: „Ja. Guck mal wie du daliegst, mit den Händen in den Hosentaschen“
(T. die Körperhaltung der K. reflektierend). K: „Ich probier was
zu essen und es schmeckt gar nicht gut“. T: „Fühle mal wie
es sich anfühlt?“ K: „Da ist niemand da der mir hilft und ich
kann mir nicht selbst helfen“. T: „Was könnte passieren?“
K: „Ich muß das alles aufessen sonst darf ich nicht aufstehen. Das
kann passieren“. T: (unterstützend) „Jetzt in deiner Innenwelt,
schau mal was du jetzt tun kannst“. K: „Ich kann einfach sagen:
Nein. Das esse ich nicht, ihr könnt mich nicht dazu zwingen“. T:
„Möchtest du es mal ausprobieren?“ K:“ Ja. Ich esse das
nicht. Ihr könnt mich nicht dazu zwingen das aufzuessen. Die Oma stellt
sich vor mich und lacht und sagt: Hahaha, das war ja auch nur ein Witz. Du mußt
das auch gar nicht essen. Wenn du das nicht essen willst ißt du das halt
nicht“. T: „Wie ist das für dich?“ K: „Ich find
das gar nicht witzig. „Ich find das gar nicht witzig“. Wieso machst
du mir erst soviel auf den Teller wenn ich es nicht essen muß? Das ist
doch widersprüchlich. Gib mir doch gleich weniger auf den Teller“.
T: „Wie reagiert sie?“ K: „Sie sagt irgendwas wie "dann
hat sie keine Macht". T: „Was macht das mit dir?“ K: „Dann
machst du das nur um mich zu quälen? Sie sagt mit dem Essen hat sie Macht
über mich“. T: „Wie ist das für dich "mit dem Essen
hat sie Macht über mich?“ K: „Das find ich ganz furchtbar“.
T: „Spüre mal was jetzt in dir vorgeht. Und spüre mal wie du
jetzt da liegst“ (Klientin hat beide Hände wie ein Baby neben dem
Kopf liegen). K: Wie so ein kleines Kind liege ich da“. T: „Woher
kennst du das noch? Ist das so passiert?“ K: „Ja“. T: „Wie
alt warst du da?“ K: „4 oder 5“. T: „Und deine Eltern
wo waren die?“ K: „Die waren nicht da“. T: „Und schau
mal jetzt in der Situation. Wer könnte Dir da helfen?“ K: „Die
große H. Sie nimmt den Teller, geht zu den Töpfen, macht die auf
und macht zwei Kartoffeln zurück und fragt die kleine H. was sie essen
will. Die kleine sagt Rotkraut und Kartoffeln. Der Fisch wandert auch in den
Topf zurück und auch noch etwas Rotkraut. Und diese Pseudooma steht da
mit offener Kinnlade“. T: „Und spüre mal jetzt, wie sich das
jetzt anfühlt“. K: „Leicht, erleichtert und die Kehle fühlt
sich nicht zu an“. T: „Ja. Sie konnte sich frei entscheiden. Ist
das so was?“ K: „Ja“. T: „Und spüre mal, vorhin
wie du dagelegen hast. Du hast auf deinen Händen gesessen, als sie Macht
über dich hatte“ (T. reflektiert immer wieder die Körperhaltung
der K.). K: Da hab ich auf meinen Händen gesessen?“ T: „Ja.
Und jetzt ist sie perplex? Ja. Dann schau mal ob du ihr noch was sagen möchtest
oder ob du noch einen Impuls hast?“ K: „Ja. Ich möchte ihren
stinkenden Karpfen in die Mülltonne schmeißen. Ja. Ich geh zu dem
Topf, nehme den Karpfen (Klientin lacht) und halte den unter kaltes Wasser und
ruf den Flocki, das ist nämlich der Hund und ich gebe dem einfach den Karpfen
zu fressen und der freut sich“. Es ist der Hund der Pseudooma (Mutter
des Ehemannes ihrer Tante). Ihre Tante kommt herein und lacht darüber,
daß die K. dem Hund den Karpfen gegeben hat. Die Pseudooma reagiert empört.
Die K. findet das in Ordnung, muß aber dennoch darüber grinsen und
sagt ihr auch, daß er Fisch immer tranig schmeckt. Die Pseudooma ist empört
darüber, daß die K. den Fisch wegwirft, aber dennoch muß sie
grinsen.
Die T. spiegelt der K. nochmals „mit dem Essen hat sie Macht über
dich, schau mal, was jetzt ist“. K: „Jetzt hat sie sie nicht mehr,
jetzt kann sie die Kleine selbst entscheiden, wieviel sie essen will“.
T. testet dies: „Schau mal, wenn jetzt alle da sind und du hast die Entscheidung
getroffen, die Kleine hat gesagt „das will ich essen und das nicht mehr“.......
Es sollen mal alle gehen, die hinter der Kleinen stehen. Ist da noch jemand
übrig?“ K: „Die Pseudooma“. T: „Okay, wie ist das
jetzt für dich? Erst lächelt sie und sagt, sie findet das nicht so
in Ordnung und dann macht sie es doch wieder?“ K: „Das find ich
nicht gut“. T: „Und guck mal, ist das nicht die gleiche Qualität
auch, wie mit dem Opa vorhin, der grinste doch auch?“ K: „Ja, der
hat auch erst gegrinst und mich dann wieder gepackt“. T: „Guck mal
was macht das mit dir?“ K: „Das gibt mir überhaupt keine Klarheit“.
T: „Ja, genau und guck mal was du willst“. K: „Ich möchte
alleine entscheiden was ich esse ! Und ich möchte nicht daß du Macht
über mein Essen hast! (Klientin mit entschlossener Stimme) T reflektierend:
Ja. Guck mal, du willst dich gerade wehren und du liegst wieder auf deinen Händen.
Verstehst, du, du hast keine klare Aussage“. K: „Aber ich hab ihr
das doch eben klar gesagt“. T: „Spüre mal wie deine Körperhaltung
ist. Sie ist ganz anders. Kannst du das so wahrnehmen?“ K: „Ja“.
T: „Wo fühlst du das, wenn du das nicht willst, dieses Essen. Spüre
mal in deinem Körper, was sich da wehrt“ (auf der Körperebene
bewußt machen, was wirkt). K: „Wenn die mir so viel essen auflädt?“
T: „Ja. Spüre mal wie sich das anfühlt“. K: „Das
engt so ein, das schnürt meine Kehle zusammen“. T: „Was ist
dein Impuls?“ K: „Den Teller aus der Hand zu reißen und mir
selbst aufzufüllen und zu sagen: STOP. "Stop, ich fülle mir selbst
auf“. T: „Kannst du ihr das mal sagen?“ K: O.k. Sie ist dabei
mir was draufzutun. Ich sag „STOP“ und reiß ihr den Teller
aus der Hand. Sie guckt mich entgeistert an und ich sag ich fülle mir selbst
auf. Ich möchte soviel essen wie ich will. Sie sagt, sie ist so verdattert
und sagt: Aber du kommst doch kaum an den Herd ran....“ T: „Wie
ist das für dich?“ K: „Ich überlege.......stimmt, daß
ich kaum an den Herd dran komme. Aber ich kann mir einen Stuhl holen“.
T: „Guck mal, sie versucht dich schon wieder zu kriegen“. K: „Ich
merk es. Ich geh flugs zu so einem Hocker, schieb den Hocker vor den Herd und
steig da drauf. Und jetzt bin ich sogar größer als sie“. T:
„Wie reagiert sie?“ K :“Sie sagt: gut, fülle dir auf.
Und sie lacht auch so verschmitzt, nach dem Motto. 1:0 für die kleine H.
Ich nehme ihr den Teller nicht ab und fülle ihr weiter auf“. T: „Guck
mal wie es sich jetzt anfühlt, wenn du alleine entscheidest was du dir
auffüllst“. K: „Frei, fühlt sich das an. Meine Schultern
werden größer. Ich wird auch in meiner Länge größer“
T: „Spüre mal in deine Kehle rein, wie es sich da anfühlt“.
K: „Die fühlt sich frei an“. T (reflektierend): „Sie
mal an, wenn du ganz klar bist und das äußerst, auch deine Körperhaltung
ist anders, merkst du das?“ K: „Ja. Es fühlt sich kräftiger
an, ausgedehnter, ausgebreiteter“. T: „Ja. Guck mal was du jetzt
fühlst, was da jetzt passiert“. K: „Ich fühle daß
sie keine Macht mehr über mich hat“: T: „Ja. Schau mal ob du
vielleicht Lust hast was auszuprobieren. Ich hab da so eine Idee..... vielleicht
hast du ja eine andere Idee, schau mal ob du ihr ein Essen von ihr wünschst.
Vielleicht hast du auch eine andere Idee, was du gerne von ihr möchtest“
(Klientin ermutigen, ihre Wünsche zu entwickeln und zu äußern).
K: „Kochst du mir ein Essen, das ich mir von dir wünsche? Sie sagt,
ja, was wünschst du dir denn? Ich sage Spaghetti mit Ketchup. Sie lacht
und sagt "das mögen ja wohl alle Kinder". T: „Ist das ein
Ja?“ K: „Sie kocht es. Sie will erst einen riesigen Topf aus dem
Schrank holen (Klientin lacht)....sie überdenkt das dann und holt einen
kleinen Topf. Sie macht eine kleine Portion. Nicht so eine riesengroße“.
T: „Spüre mal ob du möchtest, daß sie dir das essen auftut“.
K: „Ich möchte das selber machen“. T: „Geht sie darauf
ein?“ K: „Ja. Sie hat den Teller in der Hand. Ich nehme ihr den
Teller ab, hol mir den Hocker, sie rückt ihn mir noch ein bißchen
zurecht, daß ich besser drankomme, das find ich sehr nett und nehme mir
mit zwei Gabeln die Spaghetti“. T: „Super. Geht das leicht, oder
ist das was anstrengendes?“ K: „Das geht leicht“: T: „Ja,
was nimmst du wahr?“ K: „Das wir uns zusammen an den Tisch setzten.
Sie nimmt sich auch Spaghetti. Wir gucken uns an und lächeln. Es fühlt
sich ehrlich an“. T: „Wo fühlst du das?“ K: „In
den Augen“. (Musik wird zum Ankern eingespielt). T: „Spüre
mal wie du dich jetzt fühlst, nach dieser Entscheidung“. K: „Ich
spüre daß ich ganz schnell satt bin nach den Spaghetti. Ich brauche
gar nicht viel essen. Ich höre so auf meinen Körper“. T: „Ja.
Nimm das mal wahr.
Und spüre mal wie sie darauf reagiert, wenn du so schnell satt bist. Dann
bleibt da doch auch sicherlich ein Teller übrig“. K: „Sie fragt
ob ich das nicht aufessen will. Ich sag nee, ich bin satt. Sie sagt in Ordnung,
dann machen wir daraus Hühner- oder Schweinefutter“ (hier ist sichtbar,
daß die Qualität auf dieser Ebene geankert ist) T: „Schau mal
ob du die Situation so stehen lassen kannst. Und schau mal ob du noch mal zurückgehen
kannst zu deinem Opa, wenn du da zu Besuch kommst. Was ist da jetzt?“
K: „Er kommt so auf mich zu, gibt mir die Hand, sagt guten Tag und übertritt
da keine Grenzen. Er zieht sich nicht an mich. Ich könnte das machen, aber
ich mach es nicht. Ich gebe ihm erst mal die Hand“. T: „Wie ist
es für dich?“ K: „Es gibt mir so ein Gefühl von Freiheit
und so ein Selbstachtungsgefühl. Das ich respektiert werde, obwohl ich
kleiner bin als die anderen“. T: „O.k. Dieses Gefühl, das du
vorhin wahrgenommen hast, mit der Freiheit, mit dem Aufrechtsein, den breiten
Schultern, guck mal ob es eine Alltagssituation gibt, wo du diese Qualität
gut gebrauchen kannst, wo du das Gefühl hattest, da hat auch jemand deine
Grenze übertreten. Gibt es da so was?“ (Test, ob diese Qualität
auch in anderen Situation hält). Die K. befindet sich im Proberaum und
üben ein Stück ein. Es ist verabredet, daß die eine spielt und
die K. sie ablöst. Statt dessen spielt ihre Freundin einfach weiter. Hier
reflektiert die T. „Diese Grenzübertretungen.... guck mal, was du
jetzt willst?“ K: „Ich will daß das so gemacht wird, wie wir
das verabredet haben. Und ich sag stop, stop stop, ich möchte das so probieren,
wie wir das verabredet haben. Wir spielen es noch mal und die I. schaut, wenn
ich meine Finger auf die Tastatur lege und hört auf in dem Moment zu spielen
in dem ich anfange“. T: „Was macht das mit dir?“ K: „Es
macht mich größer“. T: „Schau sie mal an, wie sie aussieht“.
K: „Nachdem ich ihr es gesagt habe?“ T: „Ja.“ K: „Die
nickt so. Für mich ist es so als ob sie da eben was geschnallt hat. Sie
hat gemerkt, daß sie nicht ständig meine Grenzen übertreten
kann. Ich hab mir Respekt verschafft“. T (reflektierend): „Wenn
du es aussprichst und ganz klar bist, scheint sich das ja alles so zu fügen,
wie du es brauchst“. K: „Ja“. T: „Guck mal diese Situation,
in der du sagst, da findest du die Stop-Taste beim Essen nicht, gibt es da so
eine Situation?“ (Überprüfung, in welcher Situation die Grenzübertretung
mit dem Essen geankert ist). K: „Ja, da komm ich nach Hause und es gibt
100.000 Sachen, die ich noch machen will. Da ist eine kleine Situation: Ich
gehe an Briefkasten und hole einen Brief raus, der mir ganz wichtig ist, von
der KSK und die wollen immer noch Unterlagen haben. D.h. die wollen daß
ich denen noch einen Gesellschaftsvertrag zuschicke. Und ich merke so, daß
ich noch mehr machen muß, als ich mir sowieso schon vorgenommen habe und
ich geh erst mal in den Supermarkt und hol mir ein Schokocroissant und noch
eine Tafel Schokolade und esse die hintereinander weg“. T: „Was
ist das für ein Gefühl? In dem Moment, wo spürst du das? Ist
das Überforderung?“ K: „Ja, Überforderung und es ist als
ob ich nur bis hier in die Brust atme. So ein Abgehetztsein“. T: „Ein
Abgehetztsein.....“ K: „Keine Pausen machen zu dürfen...“
T: „Woher kennst du das "keine Pause machen, ich darf keine Pause
machen?“ (Zurück auf die Prägungsebene) K: „Ich kenne
das von: Es muß alles schön und perfekt sein und dann werde ich auch
gemocht. Von meinen Eltern kenne ich das“. T: „Laß die mal
hier sein und sag ihnen das“. K: „Ich werde von euch immer nur gemocht,
wenn ich leiste, wenn ich tu, wenn ich was mach. Aber nicht wenn ich einfach
nur bin, oder faul bin oder nichts mache“. T: „Schau mal was das
mit denen macht, wenn du das sagst“. K: „Das macht die ganz betreten.
Und die sagen, daß sie das auch nicht anders kennen. Sie sagen ich hab
recht. Sie wissen nicht warum sie mir dieses Gefühl gegeben haben“.
T: „Schau mal was du jetzt brauchst?“ K: „Daß ich einfach
sein darf, daß ich im Liegestuhl liege, meine Eltern arbeiten und daß
das trotzdem in Ordnung ist, daß ich da liege und werde trotzdem gemocht“.
T: „Laß mal diese Situation auftauchen. Wie fühlt sich das
an?“ K: „In der Brust, im Herz, da geht der Atem auch tiefer. Im
Herz“ T: „Ist es das Gefühl "du darfst jetzt einfach sein?“
K: „Ja“. T: „Nimm das mal wahr (Musik wird zum Ankern eingespielt).
T: „Wie geht es dir?“ (Kontakt zur K. herstellen). K: “Es
ist so ein Gefühl des nicht angespannt sein. Einfach gemocht zu werden“.
T: „Du mußt nichts tun?“ K: „Ja“. (Pause) T: „Wie
geht's da jetzt weiter?“ K: „Meine Eltern machen weiter ihre Arbeit.
Meine Mutter pfeift ein Lied. Ich hab das Gefühl ich kann die Arbeit gehen
lassen. Es sieht alles sehr entspannt aus“. T: „Jetzt geh noch mal
zurück, als du diesen Brief bekommst“.
Die K. holt den Brief aus dem Briefkasten, setzt sich erst mal hin und überlegt,
ob sie etwas anderes streicht. Sie macht eine lange Pause und arbeitet später
weiter und verschiebt ihren Zeitplan. Der Brief regt sie nicht mehr so auf,
sie atmet nicht mehr so flach und sie verspürt keine Panik, die Dinge nicht
zu schaffen. Sie geht nicht mehr zum Supermarkt, um sich Schokolade zu kaufen,
sie macht eine Pause, teilt die Arbeit anders ein und lächelt über
diese Entscheidung. Zurück im Eingangsbild findet sie den Handlauf in „Kinderhandhöhe“
vor. Im Abschlußbild sieht sie sich im Liegestuhl liegen, während
ihre Eltern im Garten am Arbeiten sind (hier ist sichtbar, daß sie das
Thema „Arbeiten müssen“ noch nicht vollständig bearbeitet
hat, da die Eltern fortwährend am Arbeiten, der Vater ist der Hauptschauplatz,
wie in der folgenden Sitzung sichtbar wird).