11. Sitzung: die Holzwerkstatt
Die Klientin steigt über eine wacklige Holzleiter hinab in ihre Innenwelt.
Sie öffnet eine Tür aus Gras und Erde, der Türgriff ist eine Wurzel.
Wieder begegnet sie einer ganz alten Frau, die nur einen Zahn hat. Sie findet
ihren Vater als kleinen Jungen vor, sie schrumpft auf das Alter des Vaters. Sie
fühlt sich dort stark. Der Vater spielt zunächst im Käfig und nimmt
nicht wahr, eingesperrt zu sein. Er knüpft irgendwelche Bänder und bindet
der K. eines um ihr Handgelenk. Der Vater kann den Käfig verlassen erklärt
die K. auf die Frage der T. Auf die Frage der T. wie er in den Käfig hineingekommen
sei antwortet die K: „K: Wie bist du da reingekommen, in den Käfig
? Er sagt diese innere Frau von mir, die hat ihn da eingesperrt, nein, da reingeführt“.
T: „Sie wollte dir da dort auch was zeigen?“ K: „Ja. Ich will
die noch mal holen und fragen, warum die mir meinen Vater zeigt, der so klein
ist. Ich hol sie und frage :“Warum zeigst du mir meinen Vater, der drei
Jahre ist und warum bin ich jetzt auch drei Jahre alt? Sie sagt daß ich
hier mit meinem Vater meine Durchsetzungskraft trainieren kann. (Die Durchsetzungskraft
wurde bereits in der 8. Sitzung mit dem inneren Löwen trainiert. Der Vater
hatte in dieser Sitzung keinen Respekt vor der K. In der 8. Sitzung nahm die K.
in einer Situation eine Mißbrauchsituation wahr, die sie nicht weiterverfolgen
wollte). Sie sagt wenn ich jetzt mit meinem Vater kämpfe und wenn ich den
jetzt nicht über meine Grenzen lasse, wird er das später auch nicht
machen. Deshalb ist es gut, wenn wir beide ganz klein sind. Wir gehen jetzt aus
dieser Art von Käfig raus und gehen in eine Art Turnraum. Da ist so eine
große Matte. Wir machen uns bereit für einen Kampf, mein Vater und
ich. Wir stehen jetzt so auf der Matte, stehen uns gegenüber und ringen miteinander.
Ich schubse meinen Vater nach hinten, er schubst mich auch. Ich nehme ihn in den
Schwitzkasten, stelle ihm ein Bein. Er fällt auf den Boden“. T: „Spüre
mal...... guck ihm mal in die Augen jetzt, wenn das geht“. K: „Ich
lasse ihn endlich los. Er atmet flach und strampelt mit den Beinen“. T:
„Guck mal was du von ihm willst“. K: „Ich will den Kampf gewinnen....“T:
.....“weil?“ K: „.....weil er mich dann nicht mehr unterbuttern
kann, um mir Respekt zu verschaffen. Die alte Frau zählt. Sie zählt
bis zehn und sagt die Runde geht an mich“. T: „Guck mal wie er reagiert?“
K: „Er steht auf, macht eine Kopfbewegung nach unten, verbeugt sich, wie
bei einem sportlichen Kampf. Es ist wie so eine Art Judo“ T: „Wie
alt seid ihr da?“ K: „Wir sind ein bißchen älter geworden,
5 oder 6“. Die Szene wiederholt sich und die Klientin fühlt sich bei
diesem Kampf fair behandelt, nimmt es als vertraut und nah an. Sie nimmt dies
wieder in der Kehle wahr. Auf die Frage der T. wo ihr diese Qualität im Leben
gefehlt hat, befindet sie sich zu Hause, wo sie aufwuchs. K: 6 oder 7. Ich stelle
meine Schuhe einfach in den Flur und nicht in den Schuhschrank. Mein Vater kommt
abends nach Hause und meckert mich voll an, weil die Schuhe in den Schuhschrank
sollen.“ T: „Macht er das jetzt auch?“ K: „Ja. Und er
selbst stellt seine Schuhe auch nicht in den Schuhschrank, sondern woanders hin.
Er hat also Sonderprivilegien“. T: „Das meintest du mit fair oder
nicht fair?“ K: „Ja“. T: „Sag's ihm ruhig, wenn du das
wahrnimmst, wenn du magst“. K: „Du räumst dir hier Sonderprivilegien
ein. Du stellst deine Schuhe auch nicht in den Schrank. Er ist ein bißchen
verdattert und sagt: Ja, er macht das, weil er hier der King der Familie ist“.
T: „Was macht das mit dir?“ K: „Ich bin empört und ich
sage ihm das. Ich sage ihm, daß das total ungerecht ist, weil das gar kein
Vorbild ist, was er abgibt.
Das ist total dekadent was er da macht und das werde ich auch nicht akzeptieren
oder tolerieren“ T: „Guck mal was er jetzt macht oder was geschieht?“
K: „Er sagt, er könnte das schon in den Schuhschrank machen, aber dann
wäre er ja auf der gleiche Stufe wie wir. Ich sage das soll er auch machen,
daß er genauso ist wie die anderen Familienmitglieder. Daß er nicht
immer dieser Haustyrann ist, wo immer alles nach seiner Pfeife geht“. T:
„Schau mal wo das bei ihm entstanden ist, daß er diese Privilegien
braucht um sich besser zu fühlen“. K: „Wo das bei ihm entstanden
ist?“ T: „Ja. Du kannst ihn auch fragen oder du kannst die alte Frau
fragen. Schau mal was für dich richtig ist“. K: „Warum brauchst
du das, daß du dich über uns stellst, warum ist dir das wichtig? Er
ist jetzt gerade in dem Haus wo er aufgewachsen ist. Er ist da in einer Holzwerkstatt
bei seinem Vater. Sein Vater ist in dieser Holzwerkstatt und schneidet Holz zurecht“.
T: „Wie alt ist er da?“ K: „Der Vater meines Vaters?“
T: „Dein Vater“. K: „So alt wie ich vorhin, also 6 oder 7. Der
Vater schneidet Holz zurecht. Es ist kalt draußen. Mein Vater geht in diese
Holzwerkstatt. Der zieht seine Schuhe aus, weil er so eiskalte Füße
hat. Läßt sie einfach auf den Boden fallen. Geht zu dem Kamin weil
es da warm ist. Mein Opa will das Holz wegbringen und fällt über die
Schuhe. Er schimpft ihn total aus, daß die Schuhe da nicht hingehören,
daß sie in den Schrank gehören. Er geht zu meinem Vater und versohlt
ihm den Hintern. Mein Vater weint“. T: „Guck mal was das mit dir macht“.
K: „Es tut mir leid für den kleinen Knirps“. T: „Wenn du
mit der großen H. da hingehst, hast du da einen Impuls? K: „Ich geh
zu dem Opa, packe sein Handgelenk und schreie ihn an er soll den H. (Vater der
Klientin) in Ruhe lassen. Weil als kleines Kind ist man noch nicht so geordnet,
nehme ihn in Schutz. Sag er soll das sofort lassen, ihn zu schlagen. Der sagt
er hat so einen Schreck bekommen, er hat sich auch verletzt, das hat auch weh
getan. Die große H. sagt: du mußt die Sicherheitsvorkehrungen treffen.
Du bist der Erwachsene. Du kannst nicht einfach die Kinder hier reinlassen. Mußt
halt sehen daß die Kinder nicht reinkommen. Oder wenn du Pausen hast. Aber
das geht nicht. Du hast die Verantwortung dafür. Er guckt nach unten, ist
ein bißchen betreten, sagt: Ja, stimmt ja. Geht zum Papa, zum H. seinem
Sohn. Setzt sich auf so einen Stuhl und streckt seine Hand nach dem aus. Mein
Vater geht zu ihm hin, ein bißchen höher als seine Knie. Mein Opa entschuldigt
sich bei meinem Vater und sagt es tut ihm leid daß er ihn geschlagen hat.
Streichelt ihn so über den Kopf. Er sagt ihm das nächste Mal wird er
besser aufpassen. Er wird die Tür abschließen. In den Pausen darf er
kommen. Aber nicht wenn er am Arbeiten ist“. T: „Guck mal ob dein
Vater damit einverstanden ist“. K: „Er guckt so hoch zu ihm und sagt:
wenn abgeschlossen ist wird er dann ganz laut klopfen und dann kann der Opa ja
eine Pause machen. Der Opa sagt ja, das wird er machen“. T: „Guck
mal wie es dem kleinen H. (Vater der Klientin) jetzt geht“. K: „Dem
geht’s gut. Er fühlt sich geachtet und respektiert und auch beschützt“.
T: „Schau mal ob du noch mal eine Woche weitergehen willst und schauen magst
was da jetzt passiert ist zwischen den beiden“ (Test, ob diese Qualität
bestehen bleibt). K: „Ja. Mein Vater ist draußen am Spielen, es ist
ein ganz kalter Wintertag. Mein Opa ist am arbeiten in der Werkstatt. Mein Vater
möchte sich seine kalten Füße an der Heizung wärmen. Er rennt
an die Tür, will die aufmachen, aber sie ist abgeschlossen. Mein Vater klopft
an die Tür. Er hört Sägegeräusche. Der Opa hört das Klopfen
nicht. Weil das zu laut ist. Mein Vater hat kalte Füße. Die Sägegeräusche
hören auf. Mein Vater schreit und klopft noch mal ganz laut an die Tür.
Mein Opa hört das. Er ruft raus: mein Sohn, ich komme gleich. Ich muß
noch einige Bretter sägen dann komm ich. Mein Vater ruft beeile dich, beeile
dich, ich hab ganz kalte Füße. Mein Opa sägt noch zwei Bretter
und geht dann zur Tür und macht sie auf. Mein Vater geht in die Holzwerkstatt,
rennt zum Ofen, setzt sich auf einen Stuhl. Mein Opa zieht ihm die Stiefel aus
und stellt meinen Vater auf den Kachelofen und macht eine kurze Pause, setzt sich
mit hin“. T: „Spüre mal wie das jetzt für dich ist, daß
der Großvater dem kleinen die Tür aufmacht, wenn er seine Bretter fertig
gesägt hat. Ist das so gewesen?“ K: „Ja“. T: „Guck
mal ob das für den Kleinen so in Ordnung war“ (T. reflektiert, daß
der Anteil „Großvater“ die Bedürfnisse des Kleinen nicht
„hört“ und auch seine Bedürfnisse Priorität haben.
Hier wird wieder die Grenzübertretung und Mangel an Respekt deutlich). K:
„Der hätte schon gewollt, daß er gleich aufmacht“.
T: „Was hindert ihn daran daß er ihn nicht gefragt hat, den Papa?
Du kannst ihn ja mal fragen“ (schauen, welche Qualität fehlt). K: „Er
sagt das hat er sich nicht getraut“. T: „Was könnte passieren?“
K: „Daß der Opa wütend wird, weil der Kleine zuviel verlangt“
(Projektionsebene, in der deutlich wird, daß die K. sich niemandem zumuten
kann). T: „Wie ist das jetzt für dich wenn du das wahrnimmst, kennst
du das auch?“ K: „Das kenne ich voll“. T: „Schau mal ob
du das dem Großvater sagen kannst, ihm das begreiflich machen kannst, das
Programm läuft heute noch“. K: „Wart mal, also ich soll dem Großvater
begreiflich machen, daß er sofort an die Tür gehen soll?“ T:
„Schau mal, was macht das mit dir?“ K: „Das macht mit mir, daß
ich denk, daß ich zuviel verlange, von jemandem“. T: „Woher
kennst du das?“ K: „Von mir selbst.“ T: „Woher noch?“
K: „Von meiner Familie“. T: „Wer kommt da?“ K: „Meine
Mutter und mein Vater“. T: „Schau mal, dein Vater hat das gleiche
mit deinem Großvater gehabt. Da hat es angefangen. Und für dich ist
das heute noch so. Frag mal oder hol mal die alte Frau dazu, mal sehen was die
dazu sagt“ (schauen, ob es mit der weisen Instanz weiterführt oder
ob dies auf der Prägungsebene zu suchen ist). K: „Die sagt Kinder haben
den absoluten Vorrang. Er soll gefälligst aufhören seine blöden
Bretter zu sägen und die Tür sofort aufmachen. Es ist kalt draußen
und Winter. Genau! Es ist kalt draußen und Winter, mach die Tür gleich
auf“. T: „Schau mal wie er reagiert“. K: Der lacht einfach und
sagt ich kann ihm viel erzählen wenn der Tag lang ist (hier Ebenenwechsel
mit Löwen einleiten, um Durchsetzungskraft zu trainieren). T: „Schau
mal, das kennst du auch. Kannst du mal deinen inneren Löwen auftauchen lassen?
(Pause)......... T: „Was ist jetzt, wo bist du?“ K: „Ich hole
den gerade. Er ist jetzt da, er geht auf meinen Großvater zu“ (Löwengebrüll
wird eingespielt, um das Erleben zu verstärken). K: “Er weicht zurück,
sagt: "was soll das, was soll das jetzt?" Ich sage: "du machst
beim ersten Mal Klopfen die Tür auf. Es ist Winter und es ist kalt. Kinder
haben den absoluten Vorrang vor deinen Brettern". T: „Bleibe in Kontakt
mit ihm“ (K. unterstützen, da sie lieber ausweicht, anstatt sich zuzumuten).
K: „Er weicht ein Stück zurück. Der Löwe geht noch ein Stück
auf ihn zu“ (Löwengebrüll wird wieder eingespielt). K: „Er
weicht zurück und drängt sich so an die Wand. Und sagt: "o.k.,
o.k., o.k. Ich werde sie beim ersten Mal aufmachen" (hier wird dieser Anteil
kooperativer, der Löwe wirkt respekteinflößend auf diesen Anteil).
T: „Schau mal. Vielleicht gibt es auch noch ein Fenster, wo er sich bemerkbar
machen kann. Schau mal wie es für dich richtig ist, was der kleine Papa will“
(K. ermutigen, in der Innenwelt aktiv zu werden, um ihre Bedürfnisse anzumelden
und nicht passiv auf andere zu warten). K: „Daß die Tür nicht
verschlossen ist und daß der Opa so ein Vertrauen in ihn hat, daß
er keine Dummheiten mehr macht. Daß er z.B. seine Schuhe durch die Gegend
pfeffert und dadurch eine Unfallgefahr schafft, sondern daß er reinkommen
darf“. T: „Schau mal daß auf beiden Seiten Respekt da ist, wenn
das geht“. K: „Daß er z.B. da stehenbleibt im Eingangsbereich,
bis der Opa ihn bemerkt. Aber daß er nicht warten muß, bis er die
Tür aufschließt. Der Opa, der geht zu meinem Vater sagt, er läßt
die Tür auf und sagt, wenn er reinkommt, soll er im Flur warten. Dann kann
er sich noch mal bemerkbar machen, wenn der Opa am Sägen ist. Sie werden
sich bemerkbar machen und dann erst kann er durch die Werkstatt laufen. Aber der
Opa will erst mal registrieren, daß er da ist“: T: „Das scheint
ihm ja auch wichtig zu sein, sein Reich, daß das geachtet wird“. K:
„Ja. Dann ist es noch mal eine Woche später. Es ist ganz kalt. Mein
Vater ist draußen am Spielen. Ihm frieren gleich die Füße ein.
Er geht zur Werkstattür, macht sie auf. Sie geht auch auf. Macht die Tür
zu. Er steht im Eingangsbereich. Mein Opa sieht ihn auch gerade, als er am Arbeiten
ist. Sie lächeln sich so zu. Mein Opa sagt, hallo mein Junge, da bist du
ja, komm rein, du hast bestimmt kalte Füße. Mein Vater freut sich total.
Der strahlt richtig. Er sagt ja, ich hab ganz kalte Füße. Der Opa nimmt
ihn so hoch. Stellt ihn auf einen Sims. Zieht ihm die Schuhe aus. Stellt ihn mit
den dicken Socken auf die Kacheln und reibt die noch mal mit den Händen Mein
Vater umarmt ihn so“. T: „Bleibe mal in diesem Gefühl“
(Musik wird zum Ankern eingespielt). T: „Ja, was geschieht gerade?“
K: „Die beiden machen immer noch Pause. Trinken noch einen Tee. Mein Vater
will jetzt wieder rausgehen, weil seine Füße wieder warm sind. Er schnappt
sich seine Stiefel, geht wieder raus und verabschiedet sich vom Opa.
Der setzt sich seinen Kopfhörer auf, macht die Maschinen an und arbeitet
weiter“. (hier hat die K. in der Innenwelt Bedürfnisse anmelden gelernt
und sich dem Thema Respekt genähert ohne dies gewaltvoll erreichen zu wollen)
T: „Schau mal, wenn du so zwei Monate weitergehst“ (Test, ob diese
Qualität sich weiter vertieft) K: „Es ist Frühjahr geworden. Der
Schnee ist fast weg, vereinzelt liegt da noch was. Mein Vater hat keine kalten
Füße. Er will einfach den Opa in der Werkstatt besuchen. Böllert
gegen die Tür. Macht die Tür auf und zu, bleibt im Eingangsbereich stehen.
Mein Opa hat die Kopfhörer auf. Ist am Sägen von so einem Brett. Er
hat das Brett durchgesägt, sieht meinen Vater und freut sich, macht die Maschinen
aus und sagt, hallo meine Junge, komm wir machen eine kleine Pause. Sie laufen
an den Ofen, an den Tisch. Mein Vater setzt sich hin, mein Opa gibt ihm was zu
trinken. Limonade. Er setzt sich auch hin“. T: „Schau mal wie der
Kleine sich verhält“. K: „Der erzählt meinem Opa ganz viel,
was er gemacht hat und was er entdeckt hat. Mein Opa hört zu und stellt Fragen.
Mein Vater fragt meinen Opa ob er sich eine Ecke in der Werkstatt einrichten darf,
wo er auch was mit Holz macht. Mein Opa sagt, ja, er würde ihm auch immer
mal was zeigen. Das können sie machen, daß er eine Werkbank bekommt,
seinem Alter nach angemessen, wegen des Werkzeugs. Da müßten sie mal
gucken“. T: „Ja, schau mal wie sie's machen“. K: „Sie
machen meinem Vater eine Werkbank. Mein Opa sagt, den Hammer und die Zange kann
er benutzen und die Säge darf er noch nicht unbeaufsichtigt benutzen. Das
will mein Opa ihm erst mal zeigen, wie man die benutzt“. (hier wächst
Anerkennung) T: „Ja. Ist der Keine damit einverstanden?“ K: „mhm“.
Er will ein Vogelhaus bauen für die Vögel für das Frühjahr.
Die machen das so gemeinsam. Mein Opa zeigt ihm auch wie man sägt, wie er
die Säge hält, spannen dann den Ast in den Schraubstock. Mein Vater
sägt so mit beiden Händen. Das geht gut. Mein Opa beschließt daß
er nach dem 2. Mal unbeaufsichtigt sägen kann“. (hier wächst Vertrauen)
T: „Wow. Guck mal wie es dem Kleinen damit geht“. K: „Er ist
super stolz, daß er das alleine machen darf“. T: „Schau mal
ob du jetzt ins Frühjahr reingehen kannst, wenn das Vogelhäuschen fertig
ist (Musik wird zum Ankern eingespielt). K: „Das Vogelhäuschen ist
an einen Baum genagelt. Es sind Vögel drin. Mein Opa und mein Vater stehen
vor dem Baum und begucken das und freuen sich einfach daß das da hängt.
Mein Opa sagt zu meinen Vater, daß die Zeit gekommen ist, daß er auch
alleine in die Werkstatt gehen kann, also daß er allein zu seiner Werkbank
gehen darf ohne sich vorher bemerkbar zu machen“. (hier kippt das Bild auf
der Ebene des Großvaters versus Vater) T: „Wow. Was macht das mit
dir?“ K: „Das gibt so Vertrauen“. T: „Kannst du das irgendwo
fühlen? Spüre mal“. K: „Das läßt mein Herz so
weich werden“. T: „Ja. Laß sich das mal ausbreiten und genieße
es einen Moment (Musik wird wieder eingespielt). T: „Ja. Und spüre
mal jetzt, wenn du so drei Jahre weitergehst... was passiert?“ K: „Mein
Vater ist langsam ein Teenager geworden und hat immer noch Lust bei meinem Opa
in der Werkstatt zu werkeln, weil er das Material Holz so toll findet. Und die
Nachbarn aus der Gegend wollen alle Vogelhäuschen von ihm gebaut bekommen,
weil die so hübsch sind. Die macht er für sie. Das macht meinen Opa
auch ganz stolz, weil die überall hängen in der Nachbarschaft, die Vogelhäuschen
von seinem Sohn. Da ist noch mehr passiert. Mein Opa hat meinem Vater gesagt,
er darf jetzt auch elektrisch sägen, hat ihm die Maschinen erklärt.
Er kann auch teilweise bei meinem Opa mit an die Werktische gehen. Das Vertrauen
wächst immer mehr“. T: „Ja, guck mal ob du noch 5 Jahre weitergehen
kannst“. K: „Mein Vater ist jetzt so 16, 18, möchte nicht weiter
zur Schule gehen. Er möchte Schreiner lernen. Mein Opa findet das total klasse.
Mein Vater will auch gar nicht mehr da weg, will gar nicht mehr in den Westen
flüchten, will den Beruf lernen“. (der Vater wurde auch in vergangenen
Sitzungen durch die Flucht aus dem Osten als ein Anteil wahrgenommen, der sich
minderwertig fühlt. Dies scheint sich hier gerade zu verändern) T: „Die
beiden scheinen sich ja jetzt gut zu verstehen“. K: „Ja“. Die
T. bittet die K. noch mal zurück in das Bild mit den Schuhen in der Wohnung
zu gehen, um zu schauen, ob die neu gewonnene Struktur stabil ist. Sie nimmt wahr,
daß alle Schuhe im Schuhschrank sind. Sie sieht ihren Vater im Wohnzimmer
Zeitung lesen und sie macht den Fernseher an ohne zu fragen. Sie nimmt wahr, daß
das kein Problem ist.
Auf Nachfrage der T. ob es in Ordnung ist, daß der Vater weiterliest, sagt
sie, daß sie lieber hätte, daß er sich mit ihr beschäftigt.
Sie möchte mit ihm Karten spielen und holt sie. Im Dialog mit dem Vater spürt
sie, daß er gar keine Lust hat. Er möchte zunächst die Zeitung
fertig lesen und dann gemeinsam mit ihr und der Mutter spielen (hier zeigt sich,
daß den einzelnen Anteilen Respekt widerfährt und keine Grenzen übertreten
werden, siehe Großvater vis-à-vis Vater). Sie kann das so stehen
lassen und nimmt dies in der Kehle wahr, in der sie keinen Druck mehr spürt.
Sie spielen zusammen Karten und nach einer Weile möchte die K. damit aufhören
und kann dies auch deutlich sagen und ihre Eltern akzeptieren dies. Daraufhin
ist sie überrascht. Auf die Frage der T., ob dies für sie neu sei, sagt
sie: „K: Ja. Und weil ich noch mal meine Redewendung geändert habe,
als ich nicht mehr gehadert habe, und klar gesagt habe, ich will keine weitere
Runde mehr spielen, da hat er ja gesagt, da konnte er gar nicht anders als ja
zu sagen“. T: „Und kannst du den Respekt fühlen durch diesen
neuen Umgang?“ K: „Ja“. T: „Wie ist das für dich?“
K: „Das ist super klasse“. T: „Wenn du willst kannst du es ihnen
sagen“. K: „Das ist super klasse, daß ihr das so akzeptiert.
Ja. Und die freuen sich auch jetzt“. T: „Wie fühlt sich deine
Kehle an?“ K: „Frei und kommunikativ. Es fühlt sich alles ganz
klar an. Es ist alles am richtigen Platz und richtigen Ort. Mein Magen fühlt
sich auch nicht hart an. Keinerlei harte Knoten“. T: „Schau mal ob
es zwischen euch noch was zu sagen oder zu tun gibt, oder ob du das Bild so stehen
lassen kannst“. K: „Ich kann es so stehen lassen“. T: „Gut,
dann guck doch noch mal, als ihr in dem Turnraum gewesen seid, mit den Matten...“
K: „Ich geh da rein, ich sehe meinen Vater, er sieht mich, wir freuen und
ganz doll. Er macht einen Flickflack, ich mach auch einen und wir wollen weiterhin
Judo zusammen machen. Wir verbeugen uns voreinander machen einen weiteren Kampf“.
T: „Welche Qualität hat dieser Kampf für euch?“ K: „Daß
wir was zusammen machen, daß wir zusammen eine Sportart machen und in Bewegung
sind und das wir uns weiterhin achten und respektieren....Ja, daß das so
eine Gleichberechtigung ist“. T: „Du hast eben so schön gesagt
‚ihr seid in Bewegung‘ und vorhin: ‚wenn ihr euch austauscht
und in Kommunikation bleibt, dann scheint da mehr Respekt zu sein‘, auch
im Ausdruck“. K: „Ja“. T: „Schau mal ob es die alte Frau
noch gibt, und wie sie jetzt ausschaut“. K: „Die ist jünger geworden.
Hat aber immer noch so eine weise Präsenz. Auch so eine Kraft. Hat alle Zähne.
Vorhin hat sie ja nur einen Zahn gehabt“. T: „Ja, wenn du willst kannst
du sie ja fragen, sie wollte euch ja vorhin was zeigen, oder ob ihr eure Aufgabe
bestanden habt, oder ob noch was ist...“ K: „Sie gibt uns beiden eine
Medaille für faires Spiel. Für ein faires Judospiel. Und das freut uns
sehr“. T: „Ja. Das kann ich mir vorstellen. Wenn du magst kannst du
noch mal zurückgehen in das Eingangsbild“. K: „Ich geh zur Tür
raus und an der Grastür wachsen so kleine lila Blumen, vielleicht Veilchen......ah,
nein, es wachen Iris auf der Tür. Und die Treppe die es da gibt, da ist jetzt
ein Geländer aus Hanfseil. Die Treppe ist auch stabiler geworden. Die war
vorhin ja ein bißchen wackelig. Ich kann mich gut an dem Geländer festhalten.
Die Disteln die ich vorhin gesehen habe, sind flauschig geworden. Also die blühen
auch so lila und die Blüten sind flauschig und eingebettet in diese hellgrünen
Knospen, oder wie das heißt. Und diese hellgrünen Dinger sind ganz
stachelig. Und die Blüte ganz zart. Ich bin jetzt oben“: T: „Schön
daß die Distel wieder so schön geworden ist. Schau mal ob du dir noch
einen Platz aussuchen willst zum Abschluß“. K: „Ich möchte
meinen Löwen noch mal mitnehmen. Das fand ich so toll, wie der den Opa zur
Räson gerufen hat“. T: „Willst du dich noch mal mit ihm verbinden?“
K: „Ja. Ich will auf dem reiten“. T: „Mal schauen, ob ich da
die richtige Musik zu finde“..... (Musik wird zum Ankern eingespielt).