3. Sitzung: der verfroschte Prinz
Im Eingangsbild sieht die K. einen Hund, einen Zwerg, ein blondes Mädchen
und einen Frosch an einem Teich. Sie nimmt die Innenweltgestalten analog dem
Märchen wahr und sagt, daß der Frosch auf die Schulter des Mädchens
springt. Auf die Frage der T., was der Frosch da mache, sagt sie lachend „weiß
ich nicht. Was macht der Frosch da? Sie sagt, der Frosch ist der Prinz, den
sie nicht küssen will“. Auf die Frage der T., was passieren könne
antwortet sie: „der könnte sich verwandeln in einen Prinzen und sie
dann einsperren, auf seiner Burg“ (auf einer anderen Ebene als inneres
Kind in einer anderen Sitzung hatte sich die K. dem Gefühl der Unfreiheit
bereits genähert). Bei Kontaktaufnahme mit dem Frosch äußert
sich die K. wie folgt: „Möchtest du verzaubert bleiben? Ja, er möchte
erst mal verzaubert bleiben. Denn da ist er dem Mädchen nah. Und wenn er
nicht mehr verzaubert ist, dann weiß er nicht, ob es dann wieder nicht
mehr so ist. Weil so kann er wenigstens auf ihrer Schulter sitzen“. (Hier
kündigt sich wieder das Muster zwischen Vater und Mutter der K. an). Die
T. fragt, wie das für die K. ist. Sie nimmt es als falschen Kompromiß
wahr, daß der Frosch Angst hat etwas zu riskieren. Sie wird aufgefordert,
den Frosch direkt anzusprechen. K.: „Traust du dich nicht, was zu riskieren...?
Also, wenn du nicht mehr Frosch bist und auf der Schulter sitzt, und dich trauen
würdest, sie zu küssen, und du dadurch vielleicht auch ein Prinz wirst,
vielleicht will sie dich ja dann immer noch und dann müßtest du nicht
mehr nur auf der Schulter sitzen. Er sagt ja, aber er hat halt Angst, daß
es nicht so ist und dann ist alles zerplatzt. Wenn er sie jetzt küssen
würde und dann Prinz wird und sie ihn dann nicht will, dann hätte
er noch nicht mal mehr die Schulter“. Der Zwerg wird auch als Unterstützung
hinzugezogen. K.: „Zwerg, was sagst du denn zu dieser Situation? Der findet,
die sollten sich alle mehr trauen und sich auf Sachen einlassen, was riskieren,
auch wenn’s schief geht, Hauptsache sich was getraut zu haben. Das findet
er“. Die T. fragt nach der Reaktion der beiden (Frosch und blondes Mädchen
bzw. Prinzessin). K.: „Die gucken sich verschwörerisch und verschmitzt
an, der Frosch und das Mädchen. Sie fühlen sich auch beide angesprochen“
T.: „Sie haben irgendwie beide das gleiche Schicksal“ (gemeinsamen
Nenner der beiden ansprechen, um eine Verbindung herzustellen). K: “Ja“.
T. zeigt noch mal auf, was momentan wirkt: „Das Mädchen hat ja vorhin
auch gesagt, sie hat Angst, dann eingesperrt zu sein und der Prinz hat Angst
abgelehnt zu werden. Wie wirkt das jetzt auf dich H., wenn du das so siehst?“
K.: Das ist so eine Situation, wo beide das gleiche wollen, aber das nicht in
die Tat umsetzen, weil sie zuviel Angst haben und dadurch so Gelegenheiten verpassen,
schöne Momente, die sich ergeben könnten weil sich beide nicht trauen
auf ihre Art“. (Hier Einstieg auf die Prägungsebene herstellen) T.:
„Kennst du das aus deinem Leben? K.: „Ja“. T.: „Was
kommt da?“ K.: „Daß ich mich nicht traue, mich auf eine Beziehung
einzulassen“. T.: „Hast du das schon einmal erlebt, daß du
dich nicht getraut hast und möglicherweise die Angst hattest eingesperrt
zu sein?“ K.: „Beide Sachen, ja. So daß ich mich nicht getraut
habe und dann doch getraut habe und die dann weggelaufen sind, also wie bei
dem Frosch“. Auf die Aufforderung der T. in eine solche Situation zu gehen,
taucht ein Mann auf, bei dem sie sich traute, der sie aber nicht wollte, da
sie ihm zuviel an Präsenz gewesen sei. Die K. fühlt sich zurückgesetzt
und verletzt. Die T. unterstützt die K.: „Wo spürst du das?
Atme mal tiefer (K. weint)....laß es da sein.... drücke es nicht
weg. Wo fühlst du den Schmerz?“ K.: „Im Herz spüre ich
es“. Die T. unterstützt die K., ihren Schmerz in direktem Dialog
mit dem Mann auszudrücken: „Es tut so weh und mein Herz wird so schwer.
Wieso bin ich dir zuviel?...Auch noch zuviel!!! Wo ich mich sowieso zuviel finde,
an körperlicher Präsenz. Aber er sagt, ich sei ihm zuviel an Leben“.
T.: „Verstehst du das?“ K.: „Nein. Was meinst du damit? Er
sagt ich war ihm zuviel an Lebenserfahrung. Irgendwie glaub ich ihm nicht oder
ich kann's nicht nachvollziehen. Was soll denn das bedeuten? Ich weiß
nicht weiter“. T.: „Ist es so was wie eine Angst, die er vor dir
hat?“ Im Dialog mit dem Mann stellt sich heraus, daß der Mann Angst
vor der Überlegenheit der K. hat. K.: „Ich find, U., daß du
dich da selbst klein machst. Du spielst so toll Geige, daß ist mir so
ans Herz gegangen. Und du kannst so tolle Sachen. Du hättest gar nicht
in irgendeinem Schatten von mir stehen brauchen sollen, von mir. Weil, du hättest
dein Licht und deinen Schatten gehabt und ich auch. Und zusammen hätten
die sich abwechseln können oder umeinander tanzen oder so“. (Hier
zeigt sich wieder das Muster der Eltern). Die T. bringt die K. zum Ursprung,
indem sie fragt, woher sie das aus ihrem Leben kennt. Der Vater taucht auf.
Sie geht in eine Situation, in der der Vater so dominant war und der K. als
13-, 14-Jährige nichts glaubt hat und alles besser weiß. K.: „Der
verschränkt die Arme vor der Brust, also völlige Abwehrhaltung und
sagt "du mußt dich halt besser informieren, über das, was du
erzählst“. Das stimmt was ich dir gesagt habe. Ich glaub eher, daß
du das nicht weißt und das vertuschen willst. Daß du dir das nicht
eingestehen kannst, daß du nicht immer alles weißt. Daß du
immer vor der Mama den starken Max machen willst“. T. fragt, wie er reagiert.
K.: „Er ist verdutzt. Jetzt nimm das mal in dich auf und wehre da nicht
gleich ab. Ich glaub irgendwas passiert gerade mit dem“. Der Vater reagiert
verdutzt, auch die K. ist erstaunt. Daraufhin bittet die T. die K., die Mutter
mit ins Bild zu nehmen. K.: „Erstmal ist sie auch so ein bißchen
verdutzt, weil sie überhaupt nicht damit gerechnet hat, daß er das
zugibt. Und sie wehrt erst mal ab. Sagt: Was ein Blödsinn, du brauchst
mir doch gar nicht zu imponieren. Mein Vater sagt zu ihr: Doch ich wollte dir
aber imponieren, weil ich doch aus dem Osten immigriert bin und ich hatte doch
gar nichts und ich wollte dir zeigen, daß ich die ganze Familie ernähren
kann, daß ich das schaffe, und ich war mir nicht sicher, ob ich das schaffen
werde und deswegen wollt ich dir halt so doll imponieren und will das immer
noch. T. unterstützend: „Hat so sehr gekämpft?“ K.: „Ja“.
T.: „Schau mal deinen Vater an, wie er jetzt aussieht“. K.: „Viel
weicher“. Verbindung zur K. schaffen: „Wie ist es für dich
wenn du das so siehst?“ K.: „Ich werde auch gefühliger für
den“. T.: „Ja, sag's ihm“. K.: „Ich werde weicher, wenn
ich das höre, wenn du das sagst, ich kann mehr nachvollziehen“. In
der folgenden Sequenz setzt sich die K. mit ihren Eltern auseinander, wobei
ihre Mutter zunächst den Vater angreift, wieso er so lange nicht über
seine Gefühle gesprochen hat. Der Vater sagt, daß er sich jetzt mal
traut, etwas zu sagen und wird dafür nicht anerkannt. Als die K. sich darüber
bewußt wird, entschuldigt sich die Mutter für ihr Verhalten. Da der
Vater die Entschuldigung noch nicht von Herzen annehmen kann, fragt die T. die
K.: „Schau mal du als H., ob's das ist, daß er sich nicht gewertschätzt
fühlt. Ist das so was? Ob er – weil er vorhin sagte, er ist nicht
genug - ...
K.: „Ja, das könnte passen“. T.: Du kannst ja mal fragen ob
das so stimmt, wenn du willst. Vielleicht hast du ja auch noch eine andere Idee....“
K.: „Er fragt meine Mutter, ob sie ihn eigentlich wertschätzt. Und
jetzt kommt von meiner Mutters Seite raus, daß sie immer gedacht hat,
er sei so stark, daß er gar nicht solche Gefühle hat. Sie hat halt
immer gedacht...“Ich hab halt immer gedacht, du bist so super stark und
dir kann überhaupt nichts was ausmachen. Ich hab nicht gesehen, daß
du auch so einen ganz empfindlichen Kern hast. Den hab ich nie gesehen. Das
sagt sie zu ihm. Und wertschätzen, äußerlich und materiell schätzt
sie ihn wert. Gefühlsmäßig dagegen nicht. Weil er seine Gefühle
nicht zeigt. Deswegen kann sie ihn darin auch nicht wertschätzen. Weil
sie da gar keine Werte sieht. Oder ganz wenig“. T.: (Verbindung zwischen
Tochter und Vater herstellen) Guck mal ob sie den empfindlichen Kern, den dein
Vater jetzt hat, den auch du wahrgenommen hast, schau mal ob sie ihn wertschätzen
kann, daß er sich ihr so zeigt. Daß er sich so öffnet vor ihr“.
K.: „Ja. Das kann sie. Mit einer wachsenden.......so was wie mit einer
Ehrfurcht. So als ob es eine ganz kleine Blume ist, die ganz zart ist und auf
den Blättern noch Flaum hat. Die sie so bedächtig betrachtet. Mit
so einer neu entdeckten Wärme (hier kündigt sich wieder eine Wende
an). T.: „Schau mal ob sie's ihm vielleicht auch zeigen kann“. K.:
„Sie streicht ihn mit der Hand...also sie geht ganz nah zu ihm, so daß
sich ihre Nasen berühren und legt ihre Hand auf seine Wange und streichelt
die so“. T.: „Ist das so was wie: Sie wird berührbar?“
K.: „Ja.“. T.: „Wie ist das für ihn?“ K.: „Ganz
schön. Ein ganz tolles Gefühl ist das für ihn“ T.: „Nimm
das mal wahr“. (Musik wird zum Ankern eingespielt). Anschließend
sagt die K.: Sie umarmen sich und sehen so ganz geborgen aus. Flirten so herum
und sehen irgendwie so erleichtert aus, als wenn sie sich was gesagt hätten,
was sie sich noch nie erzählt haben. Ich finde das so schön, dieses
Bild, euch beide so innig zu sehen“. T.: Schau mal ob die beiden sich
oder dir noch was sagen wollen.“ K.: Wollt ihr euch noch was sagen, Papa,
oder Mama? Sie möchten sich noch was sagen. Sie möchten sich sagen,
daß sie den anderen mehr sehen. Daß sie einander mehr sehen und
mehr Respekt haben vor den Gefühlen des anderen und damit achtsamer umgehen.
Wie mit der kleinen Pflanze, die da heranwächst. Und daß sie da nicht
drauftrampeln werden. Daß sie die Grenzen des anderen erkennen werden.
Daß sie das probieren. Und einander begegnen möchten, ihren Gefühlen,
so wie der kleinen Pflanze, die auch schutzbedürftig ist. Damit die wachsen
kann.“ Die Struktur ist gekippt und der Vater ist nun auch der K. gegenüber
viel interessierter und nicht mehr voreingenommen. K.: „Das fühlt
sich schön an, daß ich nicht runtergeputzt werde. Das fühlt
sich an, daß ich eine Person bin, der Beachtung geschenkt wird und die
nicht einfach so unwirsch beiseite gefegt wird. Der Respekt entgegen gebracht
wird, auch wenn sie noch eine kleine Person ist.........Er gibt mir einen Kuß
auf die Stirn und sagt, daß das auch viel schöner ist für ihn,
das Gefühl. Dadurch bekommt er auch Achtung zurück. Auch wenn es nur
von einer kleinen Person ist.“ Um zu testen, ob die Struktur sich manifestiert
hat, schlägt die T. der K. vor, nochmals in das Bild mit dem U. zu gehen.
Hier spürt sie, daß sie ihn loslassen kann, fühlt sich dadurch
befreit und spürt dies in den Schultern. Direkt sagt sie zu ihm: „Ich
kann dich jetzt einfach gehen lassen. Ich kann das, was du sagst respektieren.
Ich kann deine Entscheidung akzeptieren“. Daraufhin schließt er
sie in die Arme (Musik wurde zum Ankern eingespielt). Nochmals im Dialog mit
ihm sagt die K.: „Hat sich für dich was verändert, in Bezug
darauf, daß du vorhin gesagt hast ich bin so unberechenbar und ich bin
zuviel für dich? Er sagt, dadurch daß ich losgelassen habe, enge
ich ihn nicht mehr so sehr ein. Und das meinte er mit „zuviel“.
Daß ich zuviel gezogen habe. Daß ich zuviel von ihm wollte, daß
er nicht bereit war zu geben. Und das hat sich jetzt, dadurch, daß ich
losgelassen habe, neutralisiert. Dadurch kann wieder was entstehen. Eine Freundschaft,
ein Neubeginn. Es ist wieder alles offen jetzt.“ Etwas später sagt
die K.: Der Zwerg sagt ganz klar, wenn ich keine Angst hab, was zu verlieren,
dann brauche ich das auch nicht. Wenn das aus mir heraus kommt. Wenn ich genug
Liebe in mir habe, wie diese kleine Pflanze, die auch in mir ist, wenn ich die
auch hege und pflege und da nicht drüber trample und auch niemand drüber
trampeln lasse, daß dann diese Stärke in mir wächst. Dann werde
ich das nicht als Verlust empfinden, weil ich das dann aus mir selbst heraus
habe“. Später schlägt die T. der K. vor, in das Bild mit dem
Frosch und der Prinzessin zu gehen.
Nun können sich der verfroschte Prinz und die Prinzessin küssen. Hier
ist die Struktur noch nicht stabil genug, die K. kann es jedoch loslassen und
ist erleichtert darüber. Die T. spricht nochmals die Blume an, um zu schauen,
inwieweit die Struktur gekippt ist. K.: Die ist ganz klein noch. Die hat so
zwei Blätter, die noch ganz flauschig sind. Da wo die Wurzel aufhört
und die Erde anfängt, da hat sie noch so Blätter, die so spitz zulaufen,
die sind fast waagerecht. Die sind so stärker und ein bißchen spitz.
Wie so Schutzmechanismen. Sie ist grün und hat noch keine Blüte. Sie
ist noch ganz klein“. T.: „Schau mal wenn du dich um diese Pflanze
kümmerst, was braucht sie, damit sie wachsen kann?“ K.: Sie braucht,
daß ich ganz viel mit ihr rede“. T.: „Ist es auch diese Wertschätzung
von der du vorhin gesprochen hast?“ K.:“ Ja. Und sie braucht Schutz,
damit sie wächst, weil diese Blätter an der Seite da noch nicht ausreichen.
Und dieses Licht und den Schatten, den braucht sie auch“ T.: „Guck
mal wie der Zwerg diese Pflanze sieht. Du sagst ja er ist so weise, guck mal
ob der eine Idee hat.“ K.: „Der Zwerg hat eine Idee wie die wachsen
kann. Er sagt ich muß mich ganz intensiv um sie kümmern. Ich darf
sie nicht vergessen mit der Anerkennung und dem Respekt zu gießen. Was
meinst du mit dem Licht und den Schatten? Er sagt sie braucht Licht und Schatten.
Sowas wie mit dem U. und der H. Da war auch was mit Licht und Schatten und das
ist so was, was die kleine Blume braucht. So ein Geben und Nehmen, so ein Loslassen.
T.: „Wo steht denn diese Blume?“ K.: „Die steht in meiner
Mitte“. (Die Blume taucht in Folgesitzungen wieder auf).