6. Sitzung
Die Klientin wird mit der „Reise in den Kristall“ in die Entspannung
geführt. Der Kristall strahlt viel Schönheit und Ruhe aus, aber sie
kann mit ihm nichts anfangen. Sie hat das Gefühl, der Kristall bringt sie
jetzt nicht weiter, sein Bild verschwindet nach und nach. Sie will mit der Mauer
„fertig werden“.
Kl: Du stehst schräg, so ähnlich wie damals bei dem Licht, das ist
jetzt aber nicht da. Du wirkst so kalt und sehr groß.
Th: Wie groß ist sie?
Kl: Vielleicht 3 mal so groß wie ich (tiefer Seufzer!) Ach, ich hätte
dich so gerne schon weg geschafft!
Im weiteren Verlauf der Konfrontation mit der Mauer erscheinen in roten Buchstaben
die Worte „Flexibilität“ und „Offenheit“. Die Klientin
schließt daraus, dass sie spontan sein soll. Als sie diese Qualitäten
auf sich wirken lässt, macht alles in ihr zu und sie fühlt den Satz:
„Nur nicht bewegen!“.
Die Therapeutin provoziert sie mit entsprechenden Sätzen. Dabei fühlt
die Klientin, dass ein Teil von ihr weg will von diesem Alten.
Kl: (energisch) Ich will mich befreien, ich habe die Nase voll davon!
Th: Sage das mal der Mauer!
Kl: Ich habe die Nase voll von dir und von allem, wofür du stehst und ich
werde jetzt Hilfe holen und ich werde dich endlich zerstören!
Da die Energie wieder abzuflachen droht, provoziert die Therapeutin entsprechend
mit Worten und Musik.
Kl: Du machst mich total krank! Ich kann nicht so leben wie ich will! .. Du
kontrollierst mein ganzes Leben! (Laut und energisch) Geh doch endlich weg!...
Am liebsten würde ich mitmeinen Fäusten gegen die Mauer gehen!
Th: Dann tu das! Ich unterstütze dich dabei. Ich kann nicht für dich
handeln, das musst du schon selber tun! Fühle die Mauer und was sie mit
dir macht! Fühle, was du tun willst und tu es! (Zur Förderung der
Handlungskompetenz und Selbstverantwortung)
Die Klientin setzt sich ganz aufrecht und wird im Solarplexus unterstützt.
Kl: Jetzt habe ich mehr Macht! (energisch) So, jetzt hole ich mir Hilfe!
Die Klientin lässt einen Bagger auftauchen, es sitzt niemand darin. Einerseits
spürt sie Wut auf die Mauer und andererseits Trauer, weil sie sich schon
so sehr an die Mauer gewöhnt hat. Sie wird zur direkten Ansprache aufgefordert.
(Hier muss die Klientin sich für Veränderung entscheiden, wenn sie
aus dem Muster ausbrechen will!)
Kl: Ich bin sauer auf dich! Aber wenn ich da den Bagger so sehe, dann macht
mich das auch traurig. Ich habe mich wohl schon sehr an dich gewöhnt (plötzlich
laut schreiend) Aber ich will dich nicht mehr, ich will dich zerstören!!!
Th:(drückt ihr das Dyhando in die Hand) Okay, damit kannst du den Bagger
unterstützen!
Kl.: Meine Kraft reicht nicht. Noch nicht!
Th: Wer oder was kann dir jetzt Kraft geben? Wer kann dich unterstützen?
Kl: Die Faust! Aber ich glaube, ich muss noch wütender werden.
Die Klientin bittet die Therapeutin, sie mit entsprechenden Sätzen zu provozieren.
(Hier zeigt sich Handlungskompetenz).
Th: Ja, passe dich an! Sei ein Schaf! Bleibe klein! Höre auf die Kirche!
Dein Vater hat immer Recht! Tu alles so, wie die anderen es haben wollen. Ich
bin die Mauer! Ich stehe für die Kirche, deinen Vater und dafür, dass
du dich nicht traust, so zu leben wie du es willst usw.
Kl: (schlägt und schreit immer heftiger) Ich will das nicht mehr!... Du
hast mich krank gemacht! Ich will leben! Ich will sein wie ich bin! Ihr könnt
mich alle mal!... Ich will endlich frei sein, einen freien Kopf haben (weint,
schlägt, schreit, atmet tief)
Th: Ja, trau dich! Zeige es allen!
Kl: (nach insges. 15 Minuten sehr heftigem Gefühlsausbruch ganz überrascht)
Jetzt liegt alles in Trümmern!
Th: Ja, schau die Trümmer an und fühle in deinen Körper!
Kl: Ich fühle Erleichterung, Befreiung. Brust und Hals, aber auch Arme
und Hände fühlen sich frei an.
Th: Ja, fühle das! Wenn du möchtest, kannst du dich wieder hinlegen.
Was ist jetzt da?
Kl: (legt sich wieder) Jetzt sehe ich die Mauer in Trümmern und die Sonne.
(sehr überrascht) Ich bin ja überhaupt nicht kaputt sondern fühle
viel Energie in den Beinen, Armen und Händen!
Th: Und die Sonne? Wie wirkt sie auf dich?
Kl: Sie ist warm, hell und frisch. (atmet tief durch)
Th: Diese Qualität hast du in dir befreit, sie steht dir ab jetzt zur Verfügung.
Was ist mit den Menschen?
KL: Es ist niemand da. Es sieht so aus wie auf einem Schlachtfeld und dahinter
ist es hell und schön.
Th: Was möchtest du jetzt tun?
Kl: Ich will das erstmal genießen (Entsprechende Musik wird eingespielt
und Zeit zum Ankern gegeben) Im weiteren Verlauf fühlt die Klientin Trauer.
Sie nimmt wahr, wie stark sie sich an all das gewöhnt hat, was sie eigentlich
verlassen will.
Th: Meine Idee wär, das Alte und das Neue jetzt da sein zu lassen, vielleicht
auf einer schwarzen und einer weißen Tafel. Oder hast du eine andere Idee,
was jetzt zu tun ist?
Kl: Ja, das ist gut so mit den Tafeln!
Im intensiven Kontakt mit diesen beiden Tafeln spürt sie, dass das Neue
sie anzieht und das Alte noch in ihrem Bewusstsein ist ist. Sie will aber nicht
mehr nach den alten Glaubens-sätzen leben. Das Neue ist weiß-bläulich
mit starker Ausdruckskraft und viel größer als die schwarze Tafel,
die verwischt und undeutlich ist.
Th: Bringe jetzt das Neue in dein reales Leben. Gehe in reale Situationen aus
der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft mit dieser neuen Energie. Es ist jetzt
wichtig, in deinem Gedächtnis die neuen Strukturen zu festigen. Deshalb
ist es wichtig, dass du neue Erfahrungen initierst.
Kl: Ich will spontan sein, nicht mehr alles genau planen! (Neue positive
innere Handlungsanweisung)
Im weiteren Verlauf stellt die Klientin fest, dass sie alles sehr genau plant,
ihren Kopf als Terminkalender benutzt. Deswegen ist er immer so voll und sie
kann sich nicht entspannen. Mit der neuen Energie kann sie lockerer sein, auch
mal zu spät kommen und Nein! sagen. Sie traut sich jetzt zu sagen, dass
sie nicht alles schaffen kann und ist völlig überrascht über
die verständnisvollen Reaktionen auf ihr Nein! Sie fühlt sich sehr
frei dabei und kann tief durchatmen.
Dann lässt sie eine weitere Situation mit ihrem Partner da sein, in der
sie sich sehr unflexibel verhalten hat. Durch die neue Energie kann sie spontan
und angemessen reagieren. Er ist völlig überrascht, weil er sie so
nicht kennt. Sie nimmt wahr, dass sie selbst durch ihr eigenes Handeln positive
Entwicklungen und intensivere Verbindungen erreichen kann. Durch dieses Erfolgserlebnis
fühlt sie mehr Selbstwert.
Ihre Pflichten empfindet sie nicht mehr als Belastung, Denn sie hat es jetzt
selbst in der Hand, wie sie damit umgehen will. Durch die verständnisvollen
Reaktionen ihres Umfeldes fühlt sie sich auch von ihrem schlechten Gewissen
befreit.
Kl: Es ist, als ob ich einen schweren Sack nicht mehr hinter mir herziehe, ich
bin total erleichtert
(atmet tief durch).
Th: Lasse mal alle da sein, die mit diesem schlechten Gewissen zu tun haben.
(Hier wird eine Verbindung zum gleichen Thema in der 1. Sitzung hergestellt).
Kl: Das sind hauptsächlich mein Vater und die Kirche.
Th: Okay, dann lasse deinen Vater und dein Symbol für die Kirche da sein.
Wo zieht es dich zuerst hin?
Kl: Zum Beichtstuhl.
Th: Wie wirkt der Beichtstuhl auf dich? Sage es ihm direkt!
Kl: Ich empfinde dir gegenüber kein schlechtes Gewissen mehr. Ich lasse
nicht mehr zu, dass du mich unfrei machst!
Die Klientin wird aufgefordert, u.a. im Bereich Sexualität diese neue Qualität
zu testen und zu erleben. Sie fühlt sich jetzt viel freier und Vertrauen,
Liebe und Wärme können in ihrer Beziehung wachsen. Ihren Vater testet
sie damit, dass sie sich nicht auf die Schule vorbereitet, weil sie lieber etwas
anderes macht. Sie hat kein schlechtes Gewissen, weil es ihre Entscheidung war
und sie selbst die Verantwortung übernimmt. Als sie mit der Note 6 nach
Hause kommt, reagiert der Vater ganz sachlich.
Kl: Du schaust mich ernst an und nicht verärgert, mit positiver Energie.
Ich fühle Unterstützung und Vertrauen. Ich fühle mich ernstgenommen
von dir.
Th: Wie fühlt sich das jetzt in deinem Körper an?
Kl: (atmet tief) Freier und größer!
Bei entsprechender Musik wird der Klientin Zeit gegeben, dieses neue Gefühl
zu ankern. Danach kribbelt es in ihrem ganzen Körper. Die Therapeutin schlägt
der Klientin vor, jetzt mit einer Person aus ihrem Umfeld in Kontakt zu gehen,
die ihr auf den Nerv geht, weil sie eher chaotisch und spontan ist. Sie lädt
die Tochter eines Bekannten zum Eis ein. Das junge Mädchen erzählt
ihr viel von sich und die Klientin fühlt sich dabei sehr wohl, weil sie
Vertrauen entgegengebracht bekommt. Dadurch fühlt sie sich ernstgenommen
und anerkannt.
Th: Wo fühlst du das ?
Kl: Im Kopf.
Th: Wie fühlt sich das an in deinem Körper?
Kl: (Pause) So wie ein kleines Licht.
Th: Ja, lass es da sein. Nimm Kontakt damit auf. Denke an deine Krankheit und
frage es, ob es damit etwas zu tun hat oder mit deiner Heilung.
Kl: Hast du etwas mit meiner Heilung zu tun? (Pause) Es wird größer!
Th: Ja, schau hin, was passiert.
Kl: (Pause) Im Kopf wird es heller und klarer. Das Licht wird immer größer,
nicht nur im Kopf.
Th: Ist es das gleiche Licht wie in der letzten Sitzung?
Kl: Ja! Das Licht versucht jetzt, in andere Körperteile zu gehen.
Th: Braucht es Zeit, um sich ganz auszubreiten?
Kl: Ja! (Musik wird eingespielt und Zeit gegeben)
Th: Hat das Licht genug Zeit gehabt?
Kl: Ja! Es ist jetzt überall. Ich fühle mich gut und frisch.
Da für die Klientin die Situation mit dem Licht hier ausreichend bearbeitet
ist, wird sie gebeten, noch einmal die schwarze und die weiße Tafel auftauchen
zu lassen. Die weiße Tafel hat mehr Raum eingenommen. Die Sonne scheint
stärker auf das Trümmerfeld . Die Klientin stellt fest, dass der Kristall,
die weiße Tafel und das Licht die gleiche Energie haben.