1.Sitzung:
nach der Entspannung lässt der Therapeut sie eine Treppe runter gehen.
Sie sieht eine Wendeltreppe und findet unten eine Tür am Ende des Ganges
vor.
Kl: ...es ist eine einfache Sperrholztür ...sie ist nicht einladend.
Th: Sag’s ihr mal direkt.
Bringt Klientin ins konkrete Erleben. Sie soll nicht über was sprechen
Kl: Ja, du wirkst so langweilig, funktional.
Th: Bist du bereit da rein zu gehen ?
Kl: Ja. Da ist ein Licht, das durch die Tür durchscheint. Das zieht mich
rein.
Türknarren wird eingespielt, während sie die Tür öffnet.
Th: Schau mal, was sich dir präsentiert und was du sehen kannst.
Kl: Da ist ein Fenster und ein Tisch. Es ist alles nur funktional und unkreativ.
Th: Sag’s dem Raum.
Kl: Du wirkst kalt und langweilig. Hab sofort das Bedürfnis in Kerzen und
Deckchen
Zu dekorieren.
Th: was macht das mit dir ?
Kl: Hab sofort das Gefühl ich müsste was machen, um das zu ändern.
Th: Was für ein Gefühl löst dieser Raum in dir aus bevor du auf
die Idee kommst, da was zu ändern ?
Kl: Ich habe das Gefühl, es komprimiert mich und ich kann nicht mehr frei
atmen. Es beengt mich. Es fühlt sich an wie Stagnation. Ich habe das Gefühl,
ich müsste abhauen oder sterben.
( auf der Bildebene zeigt sich hier ihr Grundthema: nicht frei sein / leben
zu dürfen )
Th: Spür mal, wie sich das im Körper anfühlt – diese Stagnation,
dieses nicht mehr atmen können.
( sie soll wahrnehmen, wie sich ihr Kernthema körperlich ausdrückt
)
Kl: In den Schultern, die würde ich am liebsten zusammenquetschen –
will am liebsten gleich wieder raus da. Fühl mich beengt.
Th: Kennst du das – dieses Gefühl - aus deinem Leben ?
Kl: Gut kenne ich das.
Th: Jetzt, wo du das so deutlich spüren kannst, lass dich doch von diesem
Gefühl des Eingeengt-Seins auf der Zeitachse zurücktragen in eine
wesentliche Situation, vielleicht früher als du klein warst, wo du dieses
Gefühl schon mal erlebt hast bzw. wo es evtl. entstanden ist.
Kl: Liege im Bett und es ist sehr dunkel.
Th: Laß es mal da sein dieses Gefühl des Beengt-Seins.
Kl: Es drückt was auf den Solarplexus. Ich sehe zwei Szenen vor mir.
Klientin sieht sich in einer Szene, wo sie mit 8 Jahren in einer fremden Groß-Familie
lebte –wegen der Schule - eine Familie mit vielen Kindern. Sie durfte
dort nachts nicht aufstehen und zur Toilette gehen, um die Pflegemutter beim
Schlafen nicht zu stören. Sie musste aber jede Nacht zur Toilette und musste
dann in einen Topf machen, den sie am nächsten Tag selbst leeren musste.
„Weil es verboten war, habe ich dagegen gekämpft, habe mich sehr
eingeengt gefühlt.“
( Ihr Grundfraktal gehorsam sein zu müssen und die Auflehnung dagegen )
In der anderen Szene, zu der es sie mehr hinzieht, liegt sie nachts allein zuhause
in ihrem Elternhaus. Lieber Allein-Sein und Angst haben als eingeengt und unfrei.
Th: nimm mal Kontakt auf mit der Kleinen und frag sie mal wie es ihr geht und
wovor sie genau Angst hat.
( Therapeut will sie ins konkrete Erleben bringen, da sie sehr viel erzählt
und darüber redet. )
Kl. Sie trägt zwei Zöpfe. Sie hat vor ihrem Vater Angst, der nie auf
die Idee kommt, sie zu fragen, was sie fühlt oder denkt, alles kontrollieren
will und tausend Vorschriften hat. Sie versteckt sich unter der Decke. Sie sagt
mir, daß jederzeit der Vater reingucken könnte.
Th: Was könnte der sehen oder was könnte passieren ?
Kl: Der könnte sehen, dass ich z.B. noch lese, wo doch das Licht hätte
aus sein sollen.
Th: Also, dass du was Verbotenes tust.
Kl: Sie kämpft darum zu machen, was sie für richtig hält, sie
fühlt sich unfrei und nicht unterstützt. Sie kriegt nicht den Freiraum,
den sie eigentlich braucht. Sie hat immer das Gefühl gegen Mauern zu kämpfen.
Th: wie ist das für dich, wenn du das so siehst, was löst das in dir
aus ?
Kl: Ich habe das Gefühl, ich müsste ihr da raushelfen, aber ich spür
auch immer noch die Übermacht von diesem Vater, wo auch die Mutter keine
eigene Rolle spielt.
Th: Geh doch mal mit der Kleinen in eine Situation, wo der Vater so übermächtig
ist, wo das
deutlich zu spüren ist. ?
Kl: Er war ja auch nur Werkzeug von diesem Gedankengebäude der Sekte. Ich
hab mich als kleines Mädchen eingeengt gefühlt, weil ich immer Röcke
tragen musste und meine Fingernägel nicht lackieren durfte, mich nicht
schminken durfte...
( Sie erzählt wieder eher distanziert darüber als gefühlsmässig
reinzugehen )
Th: Ruf den Vater mal her, lass ihn vor dir stehen und sag ihm das alles mal
ins Gesicht, wie das für dich ist. Schau mal, ob das geht ? Ist er da ?
Kl: Also, ich fühl mich eingeengt, und ich darf gar nicht ich selbst sein,
sondern ich muss immer irgendwelchen Regeln entsprechen und ich muss einem unsichtbaren,
eifersüchtigen Gott gefallen...
Th: Sag ihm mal, wie du dein Leben leben willst...
Kl: Ich möchte, dass du mich wie deine Tochter liebst, so wie ich bin und
mich unterstützt und mich trotzdem die Dinge machen lässt, die ich
will. Und mir nicht immer Steine in Weg legst.
Th: Schau ihn mal an, wie reagiert er den auf deine Worte ?
Kl: Er empfindet gar nicht, dass er mir Steine in den Weg legt – er will
ja nur das Beste.
Th: Sagt er das ? Und was macht das mit dir ?
Kl: Das regt mich auf !
( Klientin kommt hier zum 1. Mal an ihr echtes Gefühl, das ja verboten
ist )
Th: Sag ihm das.
Klientin wird unruhig und schluckt ein paar Mal und hustet.
Th: Drück’s nicht weg. Sag’s ihm. Huste ihm was.
(Therapeut motiviert Klientin ihr echtes Gefühl endlich mal auszudrücken
)
Kl: Also es regt mich tierisch auf, dass du dich immer hinter der Sekte versteckst
und gar nicht du bist und mich nicht mich sein lässt. Du denkst gar nicht
selbständig und lässt mich auch nicht selbständig sein.
Th: Guck ihm in die Augen dabei, schau was das mit ihm macht.
Kl: Er ist erst mal baff...und lässt sich berühren davon, er spürt
schon, dass das stimmt...
Th: sag’s ihm direkt.
Kl: Du lässt dich zwar kurz berühren von dem was ich sage, aber dann
suchst du sofort wieder nach Erklärungen, warum das so ist, um wieder abzulenken.
Th: Schau, wie er jetzt darauf reagiert.
Kl: Er ist erst mal ruhig.
Th: wie fühlst du dich jetzt ? Spür mal hin.
Kl: ich fühl mich viel leichter: Ich habe das Gefühl, das Steine von
mir abgefallen sind. Ich fühl mich jetzt mächtiger.
( Klientin hat ihre Ohmmacht und ihre Sprachlosigkeit überwunden und ist
in die Handlung gegangen. Dies erzeugt Chaos in ihrer Innenwelt und löst
einen Selbstorganisationsprozess aus.)
Th: Fühlst du das jetzt als die große Edeltraud oder als die Kleine.
Kl: Eher als die Große.
Th: Hol mal die Kleine her und lass sie mal sehen, was du hier machst und guck
mal wie sie reagiert.
( Der ohnmächtige Teil in ihr soll nochmal ihre neue Handlungkompetenz
mitkriegen )
Kl: sie umarmt mich.
Th: Frag sie mal, was sie damit ausdrückt und was mit ihr los ist.
Kl: Sie ist unheimlich erleichtert und froh. Sie sieht mich als ihre Unterstützung.
Th: Ja, du trittst jetzt ja für sie ein. Schau mal, wie es dem Vater geht,
wenn er euch beide so sieht.
Der innere Vater ist jetzt tatsächlich nachdenklich und ruhig im Gegensatz
zu ihrem bisherigen Erleben des Vaters als Tyrann, der keine andere Meinung
gelten ließ als seine und dem es entsprechend seinem Frauenbild sogar
Recht war, wenn seine Tochter verschüchtert war. Es löst in der Klientin
unheimlich Erleichterung aus, dass er zumindest mal nachdenkt. Sie fühlt
sich zum erstenmal ernst genommen respektiert und wertgeschätzt von ihm.
Es gibt ihr ein Stück Berechtigung sein zu dürfen, wie sie ist.
( Da ihr inneres Vaterbild sie jetzt unterstützt und ein Stück weit
segnet, kann sie sich erst jetzt vom Leben und von Autoritäten, die ihr
Vaterbild reflektieren, unterstützt fühlen in ihrer Selbst-bestimmung.
Sie muss nicht mehr befürchten bestraft zu werden. )
Th: Zeig ihm mal, wie du eigentlich leben willst – auch als Frau, konfrontiere
ihn mal damit.
Kl.: Will mich selber leben dürfen und mich als Frau selber unterhalten
können, frei sein und trotzdem eingebunden sein in eine Umgebung, die mich
unterstützt.
Th: Wie reagiert er denn jetzt.
Kl: Er kann es doch nicht richtig verstehen.
( Ihre alte Abspeicherung vom Vater drückt wieder durch. Sie hat natürlich
sehr viel Kraft. )
Th: Versuch mal, ob du ihm das erklären kannst ? Er sollte als liebender
Vater schon seinen Segen dazu geben, sodass du dich problemlos leben kannst.
Kl: Ich denke, ich hüpf jetzt zwischen meinem äußeren, starren
Vater und dem Vater den ich jetzt im Inneren erlebt habe hin und her. Ich denke
mein „realer“ Vater ist nicht mehr fähig darüber nachzudenken...
( der Vater im Außen ist inzwischen ein Pflegefall )
Th:. ...es geht ja jetzt vor allem, dass du deinen abgespeicherten Vater, den
Vater in dir bearbeitest, weil der ja in dir weiterlebt und dich beeinflusst
... unabhängig, was mit deinem äusseren Vater ist. Spür mal hin,
welches Vaterbild dir jetzt im Moment näher ist, der Sture oder der Nachdenkliche
?
Kl:... der Nachdenkliche. Ich habe jetzt meinen inneren Vater, der sich verändert
hat vor mir und der kann nun über sich nachdenken. Ich weiss nicht, ob
es Wunschgedanke ist, aber ich habe schon das Gefühl, der versteht, was
ich meine, wenn ich sage, ich möchte in einer Gemeinschaft leben und trotzdem
eigenständig sein.
Th: Erzähl im doch mal von deinen Ängsten, deine Existenz nicht bewältigen
zu können. Vielleicht kann er dir da jetzt helfen, er hat sich ja verändert,
vielleicht ist er jetzt bereit dafür. Erzähl mal, was seine Erziehung
und sein Glaube bislang in dir ausgelöst hat.
(Alle Anteile sollen miteinander und untereinander konfrontiert werden )
Kl: Also, bisher hatte ich immer das Gefühl mich nur innerhalb bestimmter
Grenzen bewegen zu dürfen und wenn ich mich da rausbewege, dann brauche
ich viel mehr Kraft.
Th: was kann dann passieren, wenn du dich rausbewegst ?
Kl: dann habe ich das Gefühl, ich schaffe das nicht, muss dann gegen so
große Hürden kämpfen ...
Th: was kommt denn dann auf dich zu ? Es ist ja so etwas, wie wenn du dich aus
einem Verbot rausbewegst, was kommt denn dann ?
Kl: ...ja, dann kann ich umkommen dabei, dann bin ich ausgeliefert ..dem Bösen.
Dann bin ich ungeschützt und den wilden Tieren überlassen und bewege
mich auf ungewohntem Terrain.
Th: Ah ja, wenn du dich aus den Verboten rausbewegst, dann lauern überall
die Fallstricke...
Kl: ...dann bin ich der Willkür ausgesetzt, ich hab’s ja nicht gelernt
mich dort zu schützen.
Th: Du bist ja dann von der „rechten“ Bahn abgekommen und kannst
dann nicht mehr erwarten geschützt zu sein. Ist es so was ?
Kl: Ja, irgendwo schon.
Th: Lass mal deinen inneren Vater das sehen, was seine Vorstellungen und sein
Lebenskonzept in dir ausgelöst haben. Was für eine Lebensangst das
in dir erzeugt hat.
Kl: Ich musste raus aus deiner vorgesteckten Vorstellung für mich und mein
Leben, sonst kann ich gar nicht bestehen, weil das gar nicht ich bin. Das bedeutet
aber gleichzeitig, dass ich aus meiner gewohnten und geschützten Umgebung
raus muss. Und dann bin aber Wölfen und Gefahren ausgeliefert...Die Ängste,
die du in mich eingepflanzt hast, die sitzen unheimlich tief. So dass ich tief
in mir glaube: „ich schaffe es eh nicht“. Früher hast du mir
eingeredet, dass etwas böse oder teuflisch ist...
Th: frag mal die kleine Edeltraud, wie sie das empfunden hat.
Kl: sie hat sofort das Bild vom bösen, wilden Wolf, der sie in Stück
reisst.
Th: ...wenn sie vom Weg abgeht. ( Wolfgeheule wird eingespielt. )
( Durch das konkrete Geräusch werden die inneren Bilder intensiver und
realer erlebt. Klientin soll das dazugehörige Gefühl empfinden. )
Klientin fällt eine Szene ein, wo sie vom Gottesdienst in Neu-Guinea alleine
abends nach Hause laufen musste um nach ihrem 10 Jahre jüngeren Bruder,
der an Keuchhusten erkrankt war zu schauen. Sie fühlt Angst, traut sich
das aber den Eltern nicht zu sagen.
Th: Lass mal deine Eltern da sein und zeig ihnen mal deine Angst.
Kl: ich weiß nicht warum, aber ich habe mich einfach nicht getraut meine
Angst zu zeigen. Aber ich habe Todesängste ausgestanden. Mein ganzer Körper
hat sich verkrampft, konnte kaum meine Taschenlampe halten. Bin ein einziges
Krampfknäuel.
Th: Was löst das in dir aus, wenn du das jetzt so siehst.
Kl: ...irgendwo ist es eine Frechheit. ( Sie traut sich jetzt ihr wirkliches
Gefühl zu fühlen )
Th: Sag’s deinen Eltern.
( Sie handelt neu und überwindet ihre Sprachlosgikeit. Direkte Ansprache
und Konfrontation der Energiebilder erzeugt einen Selbstorganisationsprozess
)
Kl: ich find’s eine Frechheit, dass ihr die Verantwortung, die ihr als
Eltern gehabt hätten einfach auf mich abgeschoben habt. Und mich nicht
gefragt habt, wie es mir damit geht. Es war jedes Mal eine Mutprobe, ich hatte
immer das Gefühl, ich musste beweisen, dass ich eine würdige Tochter
für Euch bin...Macht mich wütend.
Th: spür mal die Wut. Die hast du ja dann immer weggedrängt.
Kl: ich spür sie im Solarplexus.
Th: Aus der Wut heraus – was würdest du jetzt am liebsten machen,
wenn du es dir erlauben würdest.
Kl: Ich fühl die Wut nur ansatzweise...aber wenn ich sie spüre, fühle
ich mich stärker.
( zeigt, was sie tun muss, um ihre Ohnmacht zu überwinden: ihre wirklichen
Gefühle spüren )
Th: dann lass deine inneren Eltern das auch mal sehen, dass du deine Gefühle
gar nicht mehr spüren kannst.
Kl: Das gehört alles dazu, dass ich das Gefühl habe, ich darf gar
nicht ich sein, ich darf mich gar nicht wahrnehmen.
Th: wie reagieren deine Eltern darauf ?
Kl: Ich denke, das ist denen doch scheißegal.
Th: guck hin oder frag sie direkt, ob es denen wirklich scheißegal ist
?
Kl: Die haben genauso Angst davor das anzugucken. Ich hab das Gefühl es
bringt
gar nichts, die werden sich eh nicht ändern, weil sie selbst zu sehr Angst
haben. Die lassen mich weiterhin allein.
Th: Sag’s Ihnen direkt.
Kl: Ihr wollt es gar nicht sehen, was ihr mit mir gemacht habt. Ich passe nicht
in den Rahmen, den ihr für mich gemacht habt. Ich will mein Leben leben
dürfen und Verständnis von euch haben.
Therapeut fordert Klientin auf, einen Weg zu finden, ihren inneren Eltern –
als Ausdruck ihres eigenen Bildes von ihnen – klarzumachen, was sie möchte,
d.h. einen Weg zu finden an sie ranzukommen. Sie redet speziell noch mal mit
ihrem Vater, den sie als Hauptunterdrücker sieht. Dieser will ja eigentlich
schon ihr Bestes und wird nachdenklich, nachdem sie alles noch mal ausdrückt
und die früher herrschende Sprachlosigkeit überwindet. Sie muss ihm
jetzt sagen, was sie haben will, was sie schwierig findet, weil sie ihren Willen
und ihre Gefühle gar nicht immer mehr fühlen kann. Ihr innerer Vater
ist dann bereit, sie ab jetzt zu unterstützen und alles wieder gutzumachen,
was er angerichtet hat. Klientin ist unheimlich erleichtert darüber. Sie
trifft mit ihm eine Vereinbarung in einer anderen Sitzung mit ihm weiter zu
arbeiten, worin er zustimmt. Am Ende der Sitzung will sie sich einfach nur ausruhen
und dieses erleichternde Gefühl, dass ihr Vater sie nun unterstützt,
genießen.
Musik zur Ankerung der positiven Gefühle wird eingespielt.