3.Sitzung
die Klientin öffnet eine Tür mit der Aufschrift Mangel an Selbstwertgefühl und sieht sich einer beruflichen Situation inmitten ihrer Ausbildungsgruppe. Auch hier hat sie das Gefühl nicht sie selbst sein zu dürfen und vorgefertigte Erwartungen erfüllen zu müssen ( ihre Grundprägung) Sie fühlt sich fremd, weiß nicht, wie sie sich verhalten soll und würde am liebsten gleich wieder wegrennen (ihre Problemlösung ). Auch hier traut sie sich nun mal was zu sagen, alle Missstände mit ihrer Ausbilderin mal anzusprechen und kriegt auch Unterstützung von der Gruppe.
Th: Laß mal eine wesentliche Szene evtl. aus deiner Kindheit auftauchen, wo du in einer Gruppe warst, dich total fremd fühlst, und du nicht weißt, wie du dich verhalten sollst, du nicht du selbst sein kannst.
Kl: Da bin ich andauernd geflüchtet. Bin nicht da geblieben.
Flüchten entspricht ihrer Problemlösung, sie flüchtet auch in den Sitzungen gerne aus konkreten Situationen und Bildern, bzw. geht erst gar nicht gerne rein.
Th: Wo bist du jetzt, wo du flüchtest? Und wovor flüchtest du?
Kl: Vor Begegnung. Ich bin jetzt ganz frisch in Deutschland . Alles ist fremd, und ich weiß, dass ich hier bleiben muss, dass ich mich hier zurechtfinden muss.
Th: Wie alt bist du?
Kl: Vierzehn.
Th: In welcher Gruppe bist du jetzt?
Kl: Bei einem Treffen der Gemeinde, in der mein Vater der große Missionar ist, und ich die Missionarstochter, die auf einem Sockel steht, ohne dass ich weiß, wie ich dahin gekommen bin: Ich bin unter ständiger Beobachtung einfach dadurch, dass mein Vater so bekannt ist. Alle scheinen mich zu kennen, ich kenne niemanden, und da würde ich mich am liebsten in ein Mauseloch verkriechen.
Th: Wie ist das für dich dass dein Vater der große Missionar ist. Fühl mal hin.
Kl: Ich geniere mich für meinen Vater. Ich mag seine bevormundende Art nicht. Auch nicht seinen Absolutheitsanspruch.
Th: Wo siehst du ihn in der Gruppe? Wie zeigt er sich da?
Kl: Ich finde, dass er sich da profiliert. Am Rednerpult.
Th: Sag es ihm, wie du es empfindest.
( Provokation als „Scheibchen ziehen.“ Die direkte Ansprache holt die Klientin ins Hier und jetzt )
Stille. Der Klientin fällt es sichtlich schwer, ihren Vater anzusprechen.
Kl: Ich spür nur ein großes Verlangen danach, in ein Mauseloch verschwinden zu können.
Th: Wie fühlt sich denn das genau an?
Kl: Ich mache mich sehr klein. Alles ist angespannt. Ich will am liebsten nichts um mich herum sehen.
Th: Spüre noch einmal ganz genau hin. Was ist es, das dich in ein Mauseloch verkriechen lassen möchte? Was ist es genau?
Kl: Dass alle Blicke auf mich gerichtet sind, dass ich ganz genau beobachtet werden.
Th: Was macht das mit dir?
Kl: Ich fühl mich sehr unwohl. Ich hab das Gefühl, dass ich nicht mich selbst sein kann.
Th: Was hast du für ein Gefühl, was du gerne sein möchtest?
Kl: Ich möchte einfach ein Teil von allen sein. Nicht unbedingt von der Gruppe. Aber ich möchte einfach dazugehören.
Th: Was denkst du, was du dort sein musst? Wie sollst du dich dort verhalten?
Kl: Zum einen bin ich total verkleidet. Ich muss in der Gruppe einen Rock tragen (mit biblischer Begründung, „Frauen sollen keine Männerkleidung tragen“ – Paulus – wobei Hosen als „Männerkleidung“ definiert sind), und das auch in der Kälte des Winters. Ich muss lange Haare tragen, die müssen entweder in einem Zopf oder Dutt frisiert sein. Ich darf auch nicht zu lebendig wirken, sondern eher betulich und ruhig. Ich trage die Farbe Grau, will da nicht auffallen.
Th: Wie fühlst du dich innen drin mit all diesen Vorschriften?
Kl: Ich fühl mich total klein, steif, angespannt, tot und ängstlich. Ich kann nicht frei atmen, auch mein Brustkorb, Solarplexus ist angespannt, sogar meine Schultern, die ich auch etwas einziehe. Den Kopf ziehe ich auch etwas ein.
Th: Was würdest du jetzt am liebsten machen?
Kl: Aufstehen und raus gehen, mitten im Vortrag. Aber ich darf mich doch gar nicht bewegen.
Th: Dann spür doch mal, ob du das jetzt nicht einfach mal machen möchtest. Schau mal, ob du den Mut findest, das jetzt zu machen. Schau mal, ob das für dich jetzt stimmig ist.
Sitzen geblieben bist du ja schon. Die Version kennst du ja schon.
( Therapeut versucht die Klientin zu ermutigen etwas Neues auszuprobieren, nach ihrer inneren Wahrheit zu handeln, d.h. ihre Handlungskompetenz zu spüren und umzusetzen. Es werden aber immer nur Vorschläge gemacht. Die Klientin entscheidet an jeder Stelle selbst, ob etwas für sie stimmig ist oder nicht. )
Kl: Das Heftige ist, dass ich mich so einsam und allein in dieser Gruppe fühle, und spüre, dass alle eine Maskerade, eine Show abziehen, dass nichts echt ist. Das spüre ich auch sonst, wenn ich in Gruppen bin. Ich beherrsch das Spiel nicht, deswegen fühl ich mich unsicher.
Th: Vielleicht wäre es mal an der Zeit, dass du, die 14-jährige Edeltraud, mal aufstehst, und das einfach mal den Leuten verkündest.
( Therapeut versucht sie wieder zu ermutigen zu ihren echten, authentischen Impulsen zu stehen und diese auszudrücken. )
Kl: (ganz erschrocken) Oh Gott! Du verlangst Sachen von mir! ( nervöses Lachen)
Einfach aufzustehen und raus zu gehen wäre eine Herausforderung an sich gewesen, aber jetzt aufzustehen und allen zu sagen, hey, ihr spielt alle ein Spiel, das ihr alle viel zu ernst nehmt und merkt dabei gar nicht, dass ihr unehrlich seid...
Th: Schau mal, ob das irgendwie möglich ist, damit hilfst du denen vielleicht auch.
( Es geht darum ,dass die Klientin neu handelt, hiermit ihre Innenwelt ins Chaos stürzt und sich in der Folge ihre inneren Abspeicherungen „ich kann nichts tun / ich darf nicht ich selbst sein“ neu anordnen bzw. nicht mehr aufrechterhalten lassen. )
Kl: Au backe. Da müsste ich meinen Vater zum Schweigen bringen.
Th: Schau mal, wie du das machen könntest. Mal anders reagieren, wie du es bisher getan hast. Immer bloß weg gehen ist vielleicht auch nicht immer die Lösung. Die hat dir zwar lange Zeit gedient hat, aber das ist vielleicht nicht die einzige Lösung.
Klientin soll ihre eigene Lösung finden. Therapeut ermutigt nur dazu, gibt aber nicht’s vor )
Kl: Das erste Bild das gekommen ist, ist, dass ich aufstehe, und meinem Vater zuwinke.
Th: Wie reagiert er denn?
Kl: Er unterbricht das, was er gerade erzählt und fragt mich was los ist. (Lacht los und sagt lachend weiter:)
Ich sag ihm, dass sein Vortrag stinklangweilig ist.
Th: Sag ihm das mal laut.
Kl: Oh Gott! Tja, also: Ich find deinen Vortrag stinklangweilig und alle anderen sitzen hier ganz brav und verklemmt da und hören dir brav zu, und ich hab das Gefühl, die langweilt es genauso.
Th: Ah ja. Und die tun nur so, als interessiere sie das.
Kl: Ja.
Th: Es geht wohl jetzt an das Eingemachte.
Kl: Ich sage noch, dass ich finde es wäre angebracht, aufzustehen, um sich zu bewegen, weil das alles viel zu lange dauert.
Th: Wie reagiert er, was sagt dein Vater?
Kl: Mich wundert, dass er nicht so wahnsinnig geschockt ist. Er ist jedoch schon wütend auf mich, dass ich so frech bin, dass ich es wage, ihn überhaupt in Frage zu stellen, dass ich es wage, ihn zu blamieren vor den ganzen Leuten.
Th: Schau mal wie das für dich ist. Was machen die Leute? Wie reagieren die auf das alles.
Kl: Viele sind auch total geschockt. Weil so etwas darf man doch nicht, so etwas gehört sich doch nicht... und Kinder und Jugendliche haben ihre Klappe zu halten...
Th: Sagen die das?
Kl: Nee, weil als Zuhörer haben sie ja auch zu schweigen.
Th: Frag doch mal, ob sie mit all dem glücklich sind. Frag sie mal direkt.
Sie zweifelt und hinterfrägt nun offen und vor allen Leuten das Gehorsam sein müssen und sagt ihnen, wie sie das sieht.
( Alles, was sie ihrem Vater und den Leuten sagt, sagt sie zugleich auch ihrem eigenen, inneren gehorsam-fordernden Teil in sich selbst und bewirkt dort was. )
Th: Sag denen mal, wie du sie siehst. Stell dich mal vor die und sag es ihnen.
Kl: Ich find euch ein bemitleidenswerter Haufen weil ihr euch zu Dingen zwingt die ihr als richtig anschaut. Ihr verzichtet auf Dinge von denen ihr glaubt, Gott würde Verzicht verlangen, dabei ist das so schwachsinnig und weltfremd und sicher nicht in Gottes Sinn. Ihr verhaltet euch geistig zurückgeblieben.
Th: Wie fühlst du dich während du denen das sagst?
Kl: Genau, das tue ich mir selbst andauernd an: ich halte mich selbst in dem Zustand des Blödseins. Ich hab das automatisch übernommen. Das Gefühl, ich darf gar nicht mehr wissen. Ich weiß mehr, aber ich darf es eigentlich gar nicht wissen und ich darf es vor allem nicht artikulieren.
Th: Erzähl denen mal, was du da entdeckt hast, was du mit dir machst – erzähl denen all das, die wissen das ja gar nicht.
Kl: Das erste ist: ihr verdrängt eure Körperlichkeit. Ihr lebt in einer geistigen Welt des Jenseits, und ich sage jetzt jenseits von Gut und Böse. Ihr haltet euch in einem kindlichen Zustand, in dem es verboten ist, sich zu bilden, Dinge zu hinterfragen, Dinge zu kritisieren, Fragen in den Raum stellen, provokativ sein. Das gehört einfach dazu um sich entwickeln zu können. Ihr lasst euch immer deckeln. Zieht immer wieder den Kopf ein.
Th: Wie reagieren sie auf deine Worte?
Kl: Sie sind nachdenklich.
Th: Spüre du mal hin, was du denen gerne vermitteln willst, was dir wichtig ist.
Kl: Es ist doch toll, wenn jeder und jede anders und lebendig ist und ihre Ideen mit einbringt und diese Vielfalt zu haben statt einer monotonen Einheit die langweilig, leblos und tot ist.
Th: Verstehen die das jetzt?
Kl: Ich glaub nicht so ganz. Weil es schon wie eine Gehirnwäsche ist, was die alle hinter sich haben.
Th: Zeig ihnen die Gehirnwäsche. Wenn du jetzt schon damit angefangen hast, dann mach es richtig.
Kl: Wie soll ich denen das zeigen?
Th: Sag ihnen wie du das siehst, wie die gehirngewaschen wurden. Durch was, und wie. Du kannst es ihnen ja auch wie ein Film zeigen – so dass sie es begreifen.
Kl: Das ist schwierig. Wenn man gehirngewaschen ist, ist man gehirngewaschen. Da empfindet man alles andere als bedrohlich und als Außerhalb von einem, man bezieht es nicht auf sich nach dem Motto „mich betrifft das nicht“.
Th: Was könnte da helfen, hinter diese Gehirnwäsche zu schauen, sie hinterfragen zu dürfen?
Kl: Das einzige, was mir da einfällt ist eine Diskussionsrunde, aber…
Th: Was wäre noch durchschlagender?
Kl: Ich weiß es nicht. Keinen blassen Schimmer.
Th: Ich kann dir eine Idee liefern. Du kannst ja mal prüfen, ob das etwas wäre. Hol doch einfach mal Jesus her in deinem Inneren. Er soll mal da mit in die Versammlung gehen. Die hören ja auf Oben. Vielleicht hat er ja was dazu zu sagen. Frag ihn, ob er kommt. Lad ihn mal ein.
Kl: (lacht) Was, zu dem Häufchen Elend soll ich gehen?
Th: Wer sagt das?
Kl: Sagt er auf die Einladung hin. Er kommt rein in den Raum, und fragt wo die Stereoanlage ist. Das gibt es da keine, daraufhin sollen einige eine besorgen. Alle sind total baff und gebannt. Dann will Jesus fetzige Musik – das ist bei dem Haufen auch verboten.
Th: Das würde nicht zu Jesus passen, denen einfach etwas überzustülpen ohne das zu erklären. Ich denke er hat da bestimmt noch Worte übrig, oder?
Kl: Ja, er möchte einfach dass sie leben und lebendig sind.
Th: Er soll das mal direkt zu denen sagen.
Kl: Ihr seid nicht dazu da um euch von den Leuten um euch herum abzugrenzen sondern ihr seid auch dazu da, um Spaß und Freude zu haben, um das, was aktuell um euch da ist und es zu genießen.
Th: Wie reagieren jetzt die Leute, wenn sie das aus seinem Munde hören.
Kl: (Gelächter) Manche haben Maulsperre, die kriegen vor Staunen den Mund nicht mehr zu. Die sind total geschockt. Aber wenn Jesus das sagt, dann müssen sie es schon auf sich wirken lassen, denn sie sind schon obrigkeitshörig.
Jesus sagt dann, alle sollen aufstehen und sollen sich an den Händen fassen oder sich beieinander einklinken und sich einfach zur Musik bewegen.
Th: Das machen die dann alle?
Kl: Ja, das ist lustig.
Th: Wie ist das für dich?
Das Lied „Life is Life“ wird von der Therapeutin eingespielt. Macht die Szene noch realer.
Kl: Ich hab das Gefühl, dass das der Auslöser für eine wahnsinnige Veränderung ist. Ich bin jetzt runter von dem Sockel, den ich immer gehasst habe, und stehe mit beiden Beinen auf dem Boden und habe etwas Grundsätzliches bewegt.
Th: Wie ist das für dich?
Kl: Das ist ein irres Gefühl. Es ist ein Gefühl, als würde ich ein Potential einsetzten. Ich bin einerseits baff, andererseits kann ich mich selbst loslassen. Eine Blockade ist freigesetzt.
Alle bewegen sich jetzt auf die Musik, einschließlich Jesus und sie, und es kommt Lebendigkeit und echte Gemeinsamkeit in die Runde.
Th: Schau mal, was dein Vater macht.
Kl: Mein Vater versucht zu erklären, dass das ein Zwischenfall war, der gar nicht hierher gehört.
Th: Was sagt er zu Jesus? Deute doch auf Jesus hin. Was hat er dazu zu sagen?
Kl: Jesus entgegnet ihm, dass er wohl ein falsches Bild von ihm hätte und dieses falsche Bild versucht zu vermitteln.
Th: Was sagt dein Vater dazu?
Kl: Der beginnt zu stottern.
Th: Wie ist das für dich?
Kl: Ich empfinde Genugtuung, dass mein Vater korrigiert wird von höchster Stelle.
Th: Sag es ihm mal direkt, deinem Vater.
Kl: Ich freu mich dass du endlich direkt von einer Stelle, wo du mehr Respekt hast, korrigiert wirst. Dass du siehst, dass dein Glaube nicht unbedingt der Wahrheit entspricht.
Th: Wie regiert er denn auf dich? Und auf das alles?
Kl: Er gibt auf. Er geht weg vom Rednerpult, setzt sich hin und wischt den Schweiß von der Stirn. Er ist völlig fertig.
Th: Schau ob du ihm erläutern kannst, dass Lebendigkeit ok ist. Kannst du ihm da noch irgendwie noch helfen? Denn er scheint wirklich fertig zu sein.
Kl: Ich denke dass er das Gefühl, dass ihm alles aus dem Ruder gelaufen ist. Am besten ist es, dass Jesus das erklärt.
Jesus spricht von Lebendigkeit und von einem Leben in Freude und Fülle und das dies in seinem Sinne sei.
Th: Was passiert jetzt im Raum, was machen die anderen?
Kl: Manche haben angefangen, mitzusingen, vor sich hin zu summen, manche fühlen sich etwas unwohl bei der ungewohnten Musik, andere bewegen sich mit, der Raum wirkt auch wärmer und heller. Das Starre ist weg. ( Ihre eigene innere Starre löst sich auf. Ihre bisher starren Anteile gehen in die Lebendigkeit )
Th: Was soll noch sein, damit du das Gefühl hast, dass es gut so ist.
Kl: Jesus beginnt jetzt noch eine Art Gebetkette an, Dank, Preis. Er dankt auch den Leuten, dass sie so offen waren, dass sie das innere Leben raus gelassen haben, obwohl sie es gar nicht gewohnt waren, er sagt, dass er stolz auf sie ist, und er bittet sie darum, dieses Gefühl mit nach Hause zu nehmen und es sich ausbreiten zu lassen. Zu schauen, wo sie sich von anderen abgrenzen und zu schauen, wo sie eine Verbindung herstellen können. Er fordert sie auf, sich selbst zu leben und somit lebendig zu sein. Dass wenn sie merken, dass eine Starre aufkommt, dass sie sich treffen zum singen und tanzen.
Th: Wie reagieren die Leute jetzt darauf?
Kl: Manchen ist anzusehen, dass sie sehr erleichtert sind, weil sie sich selbst immer danach gesehnt hatten. Andere sind nachdenklich. Bei anderen weiß man dass sie nicht mehr kommen werden, weil sie so geschockt sind. Es bildet sich eine komplett neue Energie. Alle sind berührt worden.
( Durch das „Chaos“ das sie in die Runde gebracht hat, ist ein Selbstorganisationsprozess ausgelöst worden. Ihr starres Energiebild, d.h. letztlich ihre eigene innere Starre ist in Fluss gekommen und eine neue „höhere“ Ordnung bildet sich von alleine )
Th: Wie ist es für dich, dass du da eine entscheidende Rolle gespielt hast?
Kl: Ich fühl mich geerdet. Es ist ein gutes Gefühl, ein Gefühl des Ausgleichs. Ich fühl mich nicht mehr so klein, ich bin stolz und fühle mich mächtiger im Gegensatz zu meinem vorigen Gefühl der Ohnmacht. Ich bin ganz überwältigt, dass ich so etwas ausgelöst habe. Ich bin ganz baff über die Reaktionen. Ich hätte es nie für möglich gehalten, irgend etwas bewegen zu können dadurch, dass sie da bleibt. Ich hatte überhaupt nicht an meine eigene Macht und Kraft geglaubt.
Th: Ah ja. Du bist immer weggegangen, wolltest immer die Auflösung, schnell weg.
Kl: Ja.
Th: Aber man kann auch in der Situation etwas verändern.
Schau mal, ob du noch irgend etwas machen oder dort iniziieren möchtest, so dass es ganz stimmig für dich ist.
Kl: Ich schlag einen nächsten Termin vor, sich zum Tanzen zu treffen. Ich iniziiere eine „Freudenstunde“ oder wie auch immer man es nennen will.
Th: Vielleicht kannst du deinem Vater sagen, dass du schon interessiert bist an solchen Treffen, aber eben in dem Sinne wie du es für Richtig empfindest.
Kl: Ich find es schön, zusammen zu kommen um gemeinsam etwas zu machen oder sich gemeinsam auf etwas zu konzentrieren, aber ich find es wichtig dass jede einzelne Person sich selbst sein kann und auch eigene Gedanken einbringen darf die auch aufgenommen werden statt von vorne herein schon blockiert werden und dass Raum für Experimente, für Neues vorhanden ist damit es lebendig bleibt und nicht wie abgestandenes Wasser wirkt.
Th: Wie geht es deinem Vater jetzt. Versteht er das alles jetzt ?
Kl: Ich hab schon das Gefühl. Es wundert mich, dass von ihm keine Einwände kommen. Das liegt wohl daran, dass die Person, die für ihn die Autoritätsfigur ist das alles iniziiert hat. Sonst war ja ich immer die Böse, das schwarze Schaf das vieles durcheinander gebracht hat. Und jetzt steht plötzlich seine Autoritätsfigur hinter mir und ist vielleicht noch extremer wie ich es jemals gewagt hätte.
Th: Kannst du spüren wie Jesus hinter dir steht?
Kl: ( fast ungläubig) Ja, er ist voll auf meiner Seite. Er unterstützt genau das, was ich ausgesagt habe!
Th: Wie fühlt sich das an, dass er voll auf deiner Seite ist?
Kl: Das ist ein ganz neues Gefühl! Das Gefühl, absolut, total angenommen, unterstützt, respektiert, für voll genommen und gefördert zu werden. Das ist ein ganz warmes Gefühl, ein Gefühl von wahnsinnig viel Vertrauen, Wärme, von Geborgenheit, von Sicherheit. Ich fühl mich auch sehr wertgeschätzt. Vorher hatte ich immer das Gefühl, gegen Mauern zu rennen, die nicht zu stürzen waren, und ich vielmehr mein Kopf anschlug. Jetzt werde ich plötzlich unterstützt.
Th: Spür nochmals, wie das ist.
Kl: Früher hatte ich auch das Gefühl, die Gefühle und Gedanken, die ich habe, darf ich gar nicht haben, deswegen muss ich verschwinden von hier. Jetzt spüre ich, dass die Gedanken und Gefühle die ich habe sind wertvoll und wichtig, dass ich die einbringe statt mich zurückzunehmen und zu denken dass ich nicht so denken darf.
Ich fühle mich jetzt nicht mehr ohnmächtig.
( Klientin spürt sich, ihren Wert und ihr Potential nun ganz deutlich. Ihr inneres Verbot sich zu leben, hat sich durch neue Handlungskompetenz und dem daraus erfolgenden Selbstorganisationsprozess gewandelt und aufgelöst )
Klientin ankert diese neue Gefühlsqualität, indem sie gefühlsmäßig in dieser Szene verbleibt. Sanfte Musik wird dazu eingespielt.