4. Sitzung
Im Vorgespräch geht es um ihr eingeprägtes, erlerntes Gottesbild. Für sie ist Gott so was wie ein unberechenbarer, grausamer Tyrann.
Klientin sieht eine Falltüre, eine Art Geheimtüre, die aufgeht, wenn man darauf tritt im Boden und darin sitzt ein Feuer speiender Drache. Für die Klientin ist das so was wie eine Falle, in die man unvorbereitet reinfallen kann. Sie hat keine Angst vor dem Drachen und will ihn konfrontieren.
Kl: er ist komischer Weise ganz klein und gar nicht bedrohlich.
Th: Sag’s ihm.
Kl: du hast jahrelang mein Leben zur Hölle gemacht, hattest viel Macht und jetzt, wo ich bereit bin dir gegenüberzutreten, bist du ganz klein mit Hut.
Th: wie reagiert er ?
KL: Komischerweise kriegt der Angst vor mir, dreht ab und zieht seinen Hals ein. Er wird kleiner. Hatte was anderes erwartet.
Th: Frag ihn, warum er so reagiert.
Kl: er sagt, er hat gar keine Daseinberechtigung mehr. Ich hätte ja gar keine Angst mehr vor ihm. Das hätte ihm seine Daseinsberechtigung gegeben und ihn groß gemacht. In dem Maße wie meine Angst schwindet, indem Maße schwindet er und wird immer kleiner.
Th: wie ist das für dich ?
Kl: ich hatte jetzt eigentlich die große Schlacht erwartet: Weiß gar nicht mehr was ich davon halten soll.... Der Drache hat sich jetzt auch in ein Licht verwandelt.
Klientin geht sofort in Kampfstellung. Eine ihrer Strategien ist ihren Kontrahenten abzuwerten und klein zu machen – vermutlich um ihre eigene Ohnmacht nicht spüren zu müssen.
Th: Hat der Drache was mit Gott zu tun ? ( siehe Vorgespräch )
Kl: Ja, schon.
Th: Guck mal was du da machst in deiner Innenwelt, du erwartest einen heftigen Kampf und dann ist da gar nichts...spür mal was da passiert ?
Kl: Ich habe halt gemerkt, wenn ich keine Angst spüre und die Bereitschaft habe diesem Tyrannen entgegenzutreten, dann ist der Nährboden für einen Kampf entzogen. Das hat mir Kraft gegeben.
( Die Bereitschaft zur Konfrontation verändert die Energiebilder bereits )
Th: Irgendwo nimmst du ihn auch gar nicht ernst. Der ist ja jetzt so lächerlich klein.
( Provokation des Therapeuten, „Scheibchen“ ziehen )
Ruf mal jetzt den wirklichen Gott in Dir her, der wirklich Macht hat und das Sagen hat und nicht zu so einem lächerlichen Drächelchen wird. Lass mal den wirklichen Gott, den Gott deiner Kindheit auftauchen in dir.
Längeres Schweigen
Kl: Bin immer noch in dem Raum und ein weißes Licht durchdringt jetzt den ganzen Raum. Und wenn ich an den Gott meiner Kindheit denke, kommt wieder der Drache, aber jetzt Feuer speiend.
Th: Schau mal, ob du eine ganz konkrete Situation auftauchen lassen kannst, wo du
Gott so erlebt hast – so Feuer speiend ?
Klientin fällt die Situation ein, wo über sie entschieden wird, dass sie mit 13 Jahren
nach Deutschland muss, um eine Schulbildung und Ausbildung zu absolvieren.
Gottes Wille und Vaters Wille sind quasi identisch und Frauen haben eh nichts zu
sagen. Sie will das nicht tun, kann sich aber nicht dagegen wehren.
Sie fühlte sich ohnmächtig, weil sie nicht gefragt wird, was sie will. Ihr wird im Magen
schlecht und will sich am liebsten verkriechen. Es überfällt sie eine unendliche Müdigkeit.
Th: …einschlafen ist besser als was ?
Kl: ...als diese Ohnmacht zu spüren.
Th: Was willst jetzt du tun. Willst du der 13-jährigen mal helfen.
Kl: Ja schon, aber ich weiß nicht wie ?
Th: Mein Vorschlag, hole doch diesen übermächtigen Gott mal her, dass sie ihn mal konfrontieren kann. Spür mal, ob das für dich stimmt ?
Kl: Ich sehe plötzlich viele graue Wolken daherkommen. Ganz dicke.
Th: Wie fühlt sich das an.
Kl: Bedrohlich. Sie überziehen den ganzen Himmel, drängen die Sonne weg und schlucken auch alles Grüne auf. Ich will ja nicht weg, ich bin ja nicht einverstanden.
Mir nimmt’s den Atem weg.
Th: Frag mal die dunklen Wolken, was es mit ihnen auf sich hat ?
Kl: Das ist eine Machtdemonstration von Gott, der dafür sorgen kann, dass auch hier das Leben weg ist... Ich krieg fast keine Luft mehr. ...Er will mich isolieren vom Leben.
(Jetzt ist sie in Kontakt mit ihrem wirklichen, erlernten und mächtigen Gottesbild. )
Th: Sag ihm das mal direkt.
Kl: Du willst mir Angst machen, vom Leben abschneiden
Th: Wie fühlst du dich ?
KL: Ich merke, es ist ein Gefühl, dass ich jahrelang schon mit mir rumschleppe, seit ich in Deutschland lebe, dass um mich rum alles grau ist und dunkle Wolken da sind, dass das Leben um mich rum verdunkelt ist.
Th: Es kommt mir so bisschen vor, wie eine Strafe, weil du ja nicht mit einverstanden bist ...
KL: Ja, genau.
Th: Schau mal, ob „Gott“ sich dir noch in einer konkreteren Gestalt zeigen kann, so dass du dich mal mit ihm direkt auseinandersetzen kannst. Schau mal, ob das geht ?
Kl: Er nimmt keine bestimmte Gestalt an und bleibt bei den Wolken.
Th: Wie ist das für dich ?
Kl: …ruft Verzweiflung in mir auf, weil ich mit ihm ja nicht reden kann.
Th: Sag’s ihm – auch wenn du es nur in den Raum hineinsagst.
Kl: Ich finde dich als feige.
Th: Was passiert ?
Kl: Nebel löst sich langsam auf, die Wolken werden dünner.
Längeres Schweigen
Klientin fällt beinahe wieder in Tiefschlaf, fühlt wieder Ohnmacht und Handlungsunfähigkeit, totale Anspannung und das Gefühl der Isolation und des Ausgeliefert-Seins. Sie fühlt nun auch Wut. Therapeut schlägt ihr nochmals vor, sie solle diesen „Gott“, der das in ihr verursacht, ansprechen und ihm alles zeigen und ihn fragen, ob er wirklich will, dass sie sich so ohnmächtig fühlt. Sie fordert von ihm nun lautstark, er solle sie endlich loslassen, und dann kann sie auch wirklich wieder Sonne und saftige Blätter wahrnehmen.
Th: verstehst du wie das kommt, dass jetzt wieder die Sonne da ist ?
Kl: Zum einen habe ich endlich was gesagt, er hat mich ja lange genug gegängelt.
Ich muss mich wohl trauen, endlich alles auszudrücken. Ich habe mich ja nie getraut mich ihm wirklich entgegenzustellen. Habe mich immer so unfähig gefühlt. In dem Moment, wo ich sage, was ich will, kann es Gestalt annehmen.
( Ausdrücken, Ansprechen, Konfrontieren führt auch hier wieder zu einer Veränderung )
Th: Sag’s ihm.
Kl: Du hast mich da eingekesselt und die kleine Edeltraud hat sich dann gar nicht mehr getraut etwas zu sagen. Ich dachte, es muss halt so sein. Ich habe ja gedacht, das ist jetzt überhaupt die Strafe dafür, dass ich vorher was gesagt habe bzw. dass ich dagegen war. Und dann habe ich mir wohl gesagt, lieber nichts mehr zu sagen.
Th: ... und dann aber handlungsunfähig und ohnmächtig sein.
Kl: Ja, genau.
Th: Wenn du ja jetzt sagen kannst, was du willst, dann könntest du ihn ja auch bitten Gestalt anzunehmen. Oder ? Dann kannst du noch direkter mit ihm sprechen.
….( Wiedergabe auf der Kassette sehr schlecht, deshalb Zusammenfassung )
Klientin sieht wieder den Feuer speienden Drachen und verfällt in einen Kampf mit
Ihm. Im Kampf merkt sie, das sie ihm nicht trauen kann, er feige ist, trickst und nicht
offen kämpft. Sie erfährt, dass er sich mächtig fühlen will und unbesiegbar sein will ,
keine Angst spüren will und sich als Gott ausgegeben hat. Sie entlarvt ihn als einen Anteil von sich selbst, ihren inneren Krieger, den sie auf alles im außen übertragen hat, sogar auf Gott. Entstanden ist er dadurch, dass er offen nie kämpfen durfte durch die Gebote der Sekte. Er musste heimlich kämpfen.
Klientin wird wütend auf diesen Anteil, dem sie ja immer im Außen begegnet und schlägt auf ihn ein ( konkret auf die Matratze ). Er wandelt sich dadurch und schlägt sich nun auf ihre Seite. Die Konfrontation mit dem wirklichen Gott und dessen Erlaubnis zu kämpfen, tragen dazu bei, dass der innere Krieger jetzt nicht mehr gegen sie kämpfen will, sondern mit ihr.( sie integriert wieder ihren inneren Anteil ) Sie lernt ihm wieder zu vertrauen und kann sich dadurch ganz tief entspannen. Sie muss nun nicht mehr überall kämpfen