5.Sitzung
Die Klientin spürt, so was wie eine Schnur im Bereich ihres Solarplexus, die frei liegt und an der jeder herumziehen und zerren kann. Aktuelle Situation ist ihre Ausbilderin. Die Klientin fühlt sich von ihrer Ausbilderin hin- und hergeschoben.
Das Hauptstrategiemuster der Klientin setzt sich wieder durch. Wenn sie es nicht schafft, sich durchzusetzen, dann geht sie innerlich oder äußerlich weg.
Dies zeigt sich so, dass sie ihre Ausbilderin nicht ernst nehmen kann. Die Klientin will in Ruhe gelassen und respektiert werden.
Die Klientin hat große Hemmungen, jemanden direkt mit ihren Gefühlen zu konfrontieren. Fühlt sich blockiert. Hat Angst, nicht mehr geliebt zu werden, wenn sie ihre Gefühle ausdrückt. Hat auch das Gefühl, es bringe sowieso nichts, für sich einzustehen und dass sie es sowieso nicht schafft, sich durchzusetzen und ernst genommen zu werden. Sie fühlt sich ohnmächtig, kraftlos, voller Trauer, vollkommen hilflos und unfähig, für sich einzustehen.
Sie geht in eine Szene zum Ursprung dieser Gefühle in der Kindheit mit 8 Jahren. Dort zeigt sie ihre Gefühle, wobei ihre Mutter nur lacht und sagt: "Nimm dich nicht so wichtig!" Denn auch das sei ein biblischer Grundsatz: sich selbst wichtig nehmen sei egoistisch. Dies trägt zur Gehirnwäsche bei und verkrüppelt emotional. Sie bekommt vermittelt, dass es verwerf-lich sei, sich selbst ernst zu nehmen. Denn das hat ja zur Folge, dass sie unbequem werden könnte. In ihr entsteht der Eindruck, sie sei kompliziert, ich-bezogen, unliebenswert weil sie sich nicht wortlos fügt und anpasst, sondern sich mit allem auseinandersetzt und sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden gibt.
Durch diese Reaktion der Mutter bekommt die Klientin vermittelt dass das, was sie möchte nicht zählt und sie nicht wichtig sei. Dies hat zur Folge, dass sie sich selbst nicht mehr ernst nehmen kann und auch andere nicht mehr. Es wurde nicht auf ihre Bedürfnisse eingegangen, sie verlernt ihre wahren Bedürfnisse zu spüren, da sie vermittelt bekommen hat, dass das schlecht, "sündig" sei und deswegen von der Höchsten Instanz (Gott) bestraft werde.
Die kleine Edeltraud beschließt nun in dieser Situation, dass sie andere auch wie Luft behandelt und will nun auf die Bedürfnisse anderer auch nicht mehr eingehen.
Th: Sag deiner Mutter, was du dabei fühlst, wenn sie dich so behandelt.
Kl: Es fühlt sich an, als wäre ich dir im Weg, als schiebst du mich auf die Seite. Als wäre das, was ich fühle und denke nicht wichtig. Als müsste ich auf ganz bestimmte Art und Weise denken und fühlen um anerkannt, geliebt und ernst genommen zu werden. Es gibt mir das Gefühl, völlig unwichtig zu sein, für andere zu kompliziert und lästig zu sein.
Die Mutter lacht nur verlegen.
Th: Was macht das mit dir?
Kl: Das nervt und verletzt mich und macht mich wütend.
Th: Dann sag ihr das.
( Die direkte Ansprache der Energiebilder holt die Klientin noch mehr in ihr Gefühl )
Der Klientin fällt es sichtlich schwer, ihre Wut der Mutter gegenüber zu äußern und ihr Bedürfnis auszudrücken. Mit Unterstützung und Ermutigung der Therapeutin schafft sie es dann doch:
Kl: Hör auf so blöd zu lachen. Ich will, dass du mich ernst nimmst.
Die Klientin spürt große Resignation, da ihrer Mutter ihre Bedürfnisse egal zu sein scheinen .
( Aufgrund dieser Ohnmachtsgefühle trennte sich die Klientin schon sehr früh von ihren Gefühlen und bestrafte andere auch damit, diese auch nicht ernst zu nehmen. )
Klientin wird vom Therapeuten aufgefordert ihre Wut der Mutter gegenüber konkret auszudrücken. ( bekommt ein Dyando- ein Schlagstock- in die Hand gedrückt Es geht dabei nicht um die Mutter im Außen, sondern um ihr inneres Energiebild Mutter, von dem sie auch heute noch „behindert“ wird )
Die Klientin kann die Mutter aber nicht schlagen. Sie drückt jedoch klar aus, dass sie sich emotional verkrüppelt fühlt und keinen Zugang mehr zu ihren Gefühlen besitzt.
Klientin schlägt ohne Gefühle mit dem Stock auf die Matzratze ein. Lustlos. Gelangweilt.
Sie spürt in sich, dass sie die kleine Edeltraud mitsamt ihren Gefühlen weggesperrt hat. Diese fühlt sich abgeschnitten, isoliert und ist in einem verwahrlosten Zustand. Sie hat Angst, ihre Gefühle zu zeigen, da dies zur Einsperrung in den dunklen, feuchten Keller geführt hat. Sie fühlt sich sehr alleine und hat große Sehnsucht, dazu zugehören.
Th: Was braucht die kleine Edeltraud, um das Gefühl zu haben, dass sie dazugehört?
Kl: Sie braucht Sonne, Luft und Licht. Will, dass ich sie ernst nehme, will aus ihrem Keller raus. Sie sagt, sie könne mir Kraft geben.

Sie befreit die kleine, verwahrloste Edeltraud aus dem Keller und geht mit ihr zur Mutter. Die Mutter macht sie für die Verwahrlosung der kleinen Edeltraud verantwortlich. Dies löst nun echte Wut in ihr aus.
Nachdem sie jetzt die kleine Edeltraud befreit hat ( der Anteil, der ihre Gefühle von damals kennt ), kann sie nun ihre echten Gefühle wieder spüren.
Kl: zur Mutter: Du hast mich lebensunfähig gemacht. Wegen dir habe ich meine Gefühle in den Keller gesperrt. Hast mir eine Rolle aufgedrückt, immer passiv zu sein, lieber wegzu-schlafen als mich mit meinem Leben auseinander zu setzten. Du bist dafür verantwortlich, dass ich mich und andere nicht ernst nehmen kann. Einerseits würde ich dich am liebsten verprügeln aber gleichzeitig tust du mir leid.
Für die Klientin war dies bislang undenkbar, denn eines der zehn Gebote lautet ja: "Ehre deinen Vater und deine Mutter auf dass du lange lebest..."
.
Th: So haben die sich natürlich einen Freibrief gegeben für alles. Weil du sie auf der einen Seite ehren sollst, und auf der anderen Seite können die machen, was sie wollen. Willst du das weiterhin so haben ? Spür mal rein.
Kl: Ich habe sie mit Nicht-Beachtung bestraft.
Th: Mit der Folge dass du dich selbst auch nicht mehr ernst genommen hast.
Th: Was möchtest du in Zukunft?
Kl: Zukünftig will ich beachtet werden, ernst genommen werden und wert geschätzt werden.
Die Klientin geht nochmals in die Situation, in der die Mutter sie auslacht und sagt sie solle sich nicht so wichtig nehmen. Sie wird von der Therapeutin aufgefordert, der Mutter zu sagen, was das in ihr bewirkt.
( Hier inszeniert sie ihre Vergangenheit neu, indem sie anders handelt und somit andere Folgen erwirkt. Ein Selbstorganisationsprozess wird ausgelöst )
Kl: Wenn du so mit mir redest, sagst du mir, dass ich dir überhaupt nicht wichtig bin, dass ich dir egal bin, dass ich dich überhaupt nicht interessiere. Damit zeigst du, dass dir meine Bedürfnisse völlig egal sind. Das macht mich traurig, ich fühl mich allein gelassen, machtlos, ohnmächtig, es gibt mir das Gefühl, wertlos zu sein, lästig. Du bist so scheinheilig. Du lebst andauernd auf das Jenseits hin, und alles andere ist dir scheiß egal. Ich bin aber jetzt hier. Und ich leb jetzt. Und ich hab jetzt Bedürfnisse, die gestillt werden möchten. Und höre auf, mir ein schlechtes Gewissen einzureden für die Bedürfnisse, die ich habe. Hör auf, mich klein zu machen. Das nimmt mir Energie weg.
Die Klientin spürt nun, dass die Schnur im Bereich ihres Solarplexus so eine Art Nabelschnur ist. Sie fordert ihre Mutter auf diese nun loszulassen. Die Mutter wendet sich aber ab und die Klientin fühlt sich isoliert. Statt sich abwenden, wegzugehen oder einzuschlafen konfrontiert sie die Mutter:
Kl: Ich schätze mich wert, und ich werde weiterhin Wertschätzung von dir einfordern, solange du es mir nicht gibst. Du wirst mich auch nicht mehr dazu bringen, wegzugehen.
Th: Wie reagiert die Mutter?
Kl: Sie kapituliert .Und sie zerrt nicht mehr an der Schnur herum. Auch haut sie nicht mehr aus dem Zimmer ab, sondern bleibt erst einmal im Zimmer und schweigt und denkt darüber nach. Es tut mir gut, dass du nicht wegrennst sondern da bleibst ohne die Liebesentzugs-spielchen. Dadurch fühl ich mich ernst genommen..

Die Klientin bringt ihre Mutter innerlich dahin ( die Mutter wird belehrt in so einer Art Lebensschule ), dass diese über alles noch mal nachdenkt und nun bereit ist, sie liebevoll auf ihrem selbstbestimmten Lebensweg zu unterstützen.
Ihr Solarplexus fühlt sich nun frei und stark an, sie fühlt dort keine Nabelschnur mehr an der andere Menschen nach Belieben ziehen könnten. Auch in der Szene mit der Ausbilderin, spürt sie, dass diese jetzt keine Macht mehr über sie hat.
Am Ende der Sitzung geht sie der Sonne entgegen. Sie geht ihren Weg. Sie spürt, dass sie zukünftig ihr Leben leben kann, mehr sich und ihre Gefühle einbringen kann und in Leichtigkeit leben kann.