6. Sitzung
Thema: Gefühle haben dürfen.
Klientin sieht eine Szene in ihrer Kindheit ( 12-jährig ), wo sie mit ihren Eltern in Urlaub ist. Dort fällt ihr nachts die Taschenlampe ins Plumbsklo. Sie empfindet das als Katastrophe, hat Angst, dass ihr Vater wütend wird, fühlt sich klein, schuldig und unwürdig. Sie kann selber nichts tun, um die Taschenlampe rauszuholen.
Kl: musste Vater wecken, weil die Batterien noch brannten und die waren ja in Neu-Guinea sehr wertvoll. Ich musste ihn wecken.
Th: sei mal in der Situation, wo du den Vater weckst und spür mal, was alles in dir vorgeht.
( Therapeut versucht Klientin wieder ins konkrete Erleben reinzubringen. )
Kl: Bin total verkrampft und blockiert, habe ihn damals mit einer vertraulichen Anrede angesprochen, die glaube ich gar nicht echt war. Schäme mich dafür heute.
Th: Sprech ihn mal so an und spüre, was das mit dir macht.
Kl: Gefühl, alles dreht sich und mir ist zum Kotzen, fühle Ekel und Haß. Gefühl, ich bringe ihm Vertrauen und Liebe entgegen, die er gar nicht verdient.
Th: Sag’s ihm direkt.
Kl: Ich bringe dir jetzt Liebe und Vertrauen entgegen und ich finde, du verdienst es gar nicht. Ich spüre den Impuls, ihm ins Gesicht zu schlagen.
Th: Tust du es ?
Kl: Habe Angst, dass er stärker ist. Fühle mich gelähmt und will am liebsten Umdrehen und gehen. Hab sowieso keine Chance.
Th: Krieg mit, dass das dein Muster ist. Vielleicht willst du ja mal was ändern daran ?
Kl: Was soll ich sonst machen ?
Schweigen –ihre Hände zupfen nervös an der Decke.
Th: was wollen die Hände ?
Kl: Ich hätte lieber einen Vater, auf den ich stolz bin und nicht einen der mich aneckelt.
Th: Bleib mal in der Situation mit der Taschenlampe und sag ihm das mal alles.
Kl: ich finde dich so hart, gemein, unsensibel, menschenverachtend und egoistisch, finde dich ecklig, ich empfinde, dass du übermächtig bist, und dass ich gegen dich gar nicht ankomme,… du hörst mir sowieso nicht zu ,…. nimmst mich nicht wahr, …bin dir egal, was ich fühle und denke.
Th: Spür deine Gefühle, während du das zu ihm sagst.
Kl: Spüre Erleichterung, dass ich es jetzt mal ausspreche. Spüre gerade, dass die Grund-aggression, die ich gegen die ganze Welt habe eigentlich dir gilt, und indem ich das aus-spreche, nimmt meine Aggression ab. Das Gefühl, ich komme gegen dich nicht an, das stresst mich unheimlich. ( Ausdrücken, Aussprechen als neue Handlungkompetenz löst bei ihr sehr oft einen Selbst-organisationsprozess aus, der alles verändert )
Th: zeig ihm doch mal deine Grundaggression, er soll sich das mal angucken.
Kl: Stehe dauernd in Kampfstellung und wehe jemand kommt mir zu nahe. Das ist gefährlich.
Th: Schau jetzt mal, wie er reagiert auf dich ?
Kl: Er guckt weg.
Th: was macht das mit dir ?
Kl: Es ärgert mich.
Th: Konfrontiere ihn mal damit.
Kl: Deine Aufgabe wäre es gewesen, mich konstruktiv aufs Leben vorzubereiten, stattdessen hast du mir nur Angst vorm Leben gemacht, mich in ein Gefängnis gesetzt, mich unfrei gemacht. Dadurch war ich ständig behindert zu machen und auch zu spüren, was ich will.
Th: Spürst du jetzt im Moment, was du willst ? Bist du mit dir im Kontakt ?
Kl: Ich habe schon das Gefühl. Ich spüre die Wut auf meinen Vater. Spüre so ein Kribbeln in den Händen.
Th: Was wollen die Hände tun.
Kl: Ihm ins Gesicht schlagen.
Th: In deiner Innenwelt könntest du das jetzt mal tun, du könntest dich mal ernstnehmen in deinen Impulsen. Und schau mal, wie dein Vater reagiert ?
Musik, die zum Gefühle ausagieren animiert wird eingespielt.
Kl: Der kriegt Angst vor mir. Und es tut mir gut, mich nicht mehr so ohmächtig Dir gegenüber zu fühlen.
Therapeut ermutigt Klientin ihre Impulse in der Innenwelt auszuleben. Klientin schlägt auf einen Stoffbären ein und drückt auch in Worten noch mal ihren ganzen Frust dem Vater gegenüber aus. Therapeut ermutigt sie immer wieder in ihren Gefühlen zu bleiben und den Vater auch all ihr Leid mal deutlich sehen zu lassen.
Sie fühlt sich als Scherbenhaufen und lässt ihren Vater das auch spüren, indem sie ihn mit den Scherben auch verletzt bis Blut fließt. Innerlich empfindet sie Schmerz aber auch Genugtuung. Sie gibt ihm zurück, was er ihr angetan hat. Sie fühlt Erleichterung und hat das Gefühl selber von Scherben befreit zu werden und damit wieder ganz zu werden. Der Vater wird wütend und versteht sie immer noch nicht.
Th: Sag ihm mal, was du dir für einen Papa wünscht ?
Kl: Einen, der mich versteht und mich so liebt wie ich bin und mich fördert und der Freude an mir hat. Ich gebe dir nur die Schmerzen zurück, die ich ein Leben lang getragen habe.
Th: Erreichen ihn deine Worte ?
Kl: Er stutzt schon bei dem Wort ein Leben lang. Aber dann spürt er nur wieder seinen Schmerz, er ist einfach nur Egoist.
Th: Sag’s ihm direkt: Und frag ihn, ob das mit seinem Weltbild vereinbar ist ?
Kl: Er legt die Bibel so aus, dass er immer Recht hat...alles muss seine Ordnung haben... seine Sicht ist die Absolute. Mich macht das wütend.
Th: Was hättest du jetzt gerne ? Und sage es gleich ihm.
Kl: Das er sieht, dass er nicht der Mittelpunkt des Universums ist, dass er sich auch mal unterordnen muss. Nur dann nehme ich ihm die Scherben wieder raus.
Th: Wie reagiert er ?
Kl: er weiss gar nicht, wie das ist.
Th: Wie könntest du es machen, dass er es von Innen her begreift. Oder wer könnte euch da helfen ? ( ihr inneres Energiebild, ihr innerer Vater soll sich ändern, so wie sie es braucht. Damit können sich auch sämtliche Vater-Projektionen in ihrem Leben ändern. )
Der Vater wird nun von Gott persönlich belehrt und auf den Missbrauch der göttlichen Lehre aufmerksam gemacht.. Der Vater zuckt zusammen. Klientin fühlt Erleichterung und fühlt sich in ihrer Sicht und vor allem in ihrem Gefühl bestätigt. Bisher hatte sie sich immer verwirrt gefühlt, was nun eigentlich wirklich richtig ist und sich damit oft blockiert. Der Vater ist geschockt und gelähmt. Klientin fühlt unendliche Erleichterung, dass sie es nicht falsch gesehen hat.
Sie kann jetzt wie aus einem Käfig raus in die unendlich, weite Welt laufen. Sie hat nun das Gefühl, alle Menschen sind ihre Freunde, und sie muss nicht mehr kämpfen gegen ein feindliche Welt. In einem direkten Dialog mit Gott vergewissert sie sich, dass er kein strafendes, eifersüchtiges, kleinliches „Wesen“ ist. Sie fühlt sich bestätigt und gelobt von ihm. Sie spürt Vertrauen zu ihm und fühlt sich von ihm umarmt. Kraft fließt in sie ein und sie bemerkt, wie sich ihre inneren Blockaden auflösen. - Sanfte Musik wird eingespielt ( zum Ankern der neuen Bilder und Gefühle - die alte Struktur kippt hier )
Sie sieht bildlich einen Käfig hinter sich, der voller Leute ist, und obwohl die Tür offen steht kommen die Leute nicht raus. Sich selbst sieht sie draußen stehen.
Der Vater kriegt zwar die Begegnung zwischen der Klientin und Gott mit, zweifelt aber immer noch an der Echtheit und hält sturr an seiner Auffassung fest.
( Ihr inneres Vater-Energiebild hat sich zwar nicht gewandelt, aber stattdessen fühlt sie nun Unterstützung vom Ur-Vaterbild Gott, der ihre eigenen inneren Wahrheiten und„Gesetze“ gut heißt )
Sie kann ihn jetzt lassen, in seinen für sie falschen Auffassungen und respektiert seinen freien Willen. Sie fühlt nur Erleichterung nun endlich ihren freien Willen, ihre Auffassung ohne Zweifel leben zu können.
Sie sieht sich zusammen mit dem göttlichen Wesen in einem Rosengarten mit Springbrunnen und kann dort in seinen Armen ganz tief entspannen. (sanfte Musik wird eingespielt )
Als sie noch mal in die Szene mit der Taschenlampe geht, spürt sie, dass sie von der Reaktion des Vaters weitgehend unabhängig ist und keine Panik und keine Selbstverurteilung mehr fühlt.
( die Klientin wird noch mal in die Eingangsituation geführt, hier zeigt sich der Selbstorganisations-Prozeß. Die Situation, die Energiebilder und Gefühle sind anders als zu Beginn der Sitzung )