Praxislizenz Teil I
Edeltraud, 33 Jahre alt, kommt auf Empfehlung von Freunden zur Synergetik-Session.
Ihr Hauptthema: Selbstzweifel, Minderwertigkeitskomplexe, Existenz-Angst, Sorge,
die Ausbildung, die sie gerade macht, nicht zu schaffen, „ bin unfähig
für mich zu sorgen“, Angst vor Unfreiheit, Autoritätsprobleme,
Zentralkonflikt: Bedürfnis nach Aufgehobensein, nach Dazugehören, nach
Geliebt-werden-wollen bedeutet für sie gleichzeitig der Verlust von Freiheit
und Selbstbestimmung.
Biographie und Vorgeschichte der Klientin:
Eltern sind Missionare für eine Sekte, eine extrem pietistische, evangelische
Glaubensgemeinschaft in Papua New Guinea, wo sie geboren wurde und 14 Jahre ihres
Lebens gelebt hat und zuhause war.
Familienstruktur: "der Mann ist das Oberhaupt der Familie, die Frau hat sich
dem Manne unterzuordnen und Kinder sollen den Eltern nicht widersprechen“...
“in unserer Familie wurden wir Kinder in keine Entscheidungen mit einbezogen,
als Mädchen wurde ich zu besonderem Gehorsam erzogen“
Erhielt im Prinzip eine Gehirnwäsche von klein auf:
"Diese Welt ist böse und gefährlich, und wenn du nicht nach Gottes
Willen lebst, dann wird er dich bestrafen..."Gottes Wille war selbstverständlich
von der Sekte schon festgelegt und aus der Bibel, "Gottes Wort", interpretiert.
"Es ist nicht Gottes Wille, dass wir eigene Entscheidungen treffen..."
Es wurde ein herrschsüchtiges, autoritäres, bestrafendes und belohnendes
Gottesbild vermittelt. Ein perfekter Gott, mit dem nicht zu reden ist, vor dem
man Angst zu haben hat.
„Und mein Vater hat diesen Tyrannen weiter gespielt.
Ich fühlte mich ausgeliefert, hatte andauernd das Gefühl, ich darf nicht
ich selbst sein, ich muss mich andauernd verstellen, um geliebt zu werden. Und
genügen tue ich sowieso nie. Mit den Jahren entwickelte ich übergroße
Ansprüche an mich selbst und überforderte mich selbst andauernd damit.
Diese Eigenschaft, 200%ig zu sein macht mir bis heute das Leben schwer. Ein Satz
scheint mein ganzes Tun zu prägen: Egal was ich tue, es bringt ja doch nichts...
Denn "wir sind alle von Geburt an sündig, durch und durch schlecht und
müssen die Hilfe von Jesus, dem Mittler zwischen Gott und Menschen, annehmen.
Und man muss eigentlich immer Angst vor der Strafe Gottes haben, wenn man eigene
Vorstellungen und Gedanken zum Leben entwickelt..." und anders lebt als in
der Sekte vorgeschrieben ist...
Ich entwickelte das Gefühl, mich andauernd rechtfertigen zu müssen dafür,
dass ich lebe und ganz anders bin als erwartet. Dies behinderte mich dabei, mich
selbst zu sein. Ich hatte das Gefühl, mich in einer Dauergefangenschaft zu
befinden, mit lauter Mauern um mich, aus denen ich nicht ausbrechen konnte. Und
trotzdem starb die Sehnsucht nicht, doch eines Tages frei zu sein...
Auch in ihrer Ehe zeigte sich ihre innere Konflikt-Prägung zwischen einerseits
Liebe und Unterstützung bekommen wollen und andererseits Freiheit und Selbstbestimmung
leben wollen. Sie fühlte sich von ihrem Mann zwar in lebenspraktischen Dingen
unterstützt, empfand ihn gleichzeitig aber auch als zu stark fordend. Erst
nach ihrer Scheidung, getrennten Wohnungen und nach einigen Synergetik-Sitzungen
kann sie Beziehung und Selbstbestimmtheit in Einklang bringen und versucht nun
mit demselben Mann eine gute Partnerschaft aufzubauen.
Aufgrund ihrer Prägung sind beide Seiten ihres Konfliktes für sie problematisch
zu leben. Will sie Liebe und Zugehörigkeit leben, verbindet sie das sofort
mit starren Dogmen und Unfreiheit. Will sie aber auf der anderen Seite ihre Selbstbestimmung
und Freiheit leben, schleicht sich bei ihr automatisch der Glaube an Unfähigkeit
und an Strafe ein, denn außerhalb des „Willen Gottes“ kann es
ja keinen Erfolg für sie geben. Dies drückte sich auch in beruflicher
Hinsicht aus, wo sie lange Zeit sich für nichts entscheiden konnte, aus der
Resignation, es ja doch nicht zu schaffen. Sie spürte keine Zugang mehr zu
ihren wirklichen Bedürfnissen, die sie dementsprechend natürlich auch
nicht durchsetzen konnte. Denn einen eigenen Willen zu haben und ihn durchzusetzen
kann ja die Strafe Gottes nach sich ziehen. Konkret äußerte sich das
in einer Depression und Lähmung, dem Gefühl im Kreis zu gehen und auf
schier unüberwindliche Probleme zu stoßen ( Strafe Gottes ! ) Mit 14
Jahren als sie von ihren Eltern gezwungen wurde allein nach Deutschland zu gehen,
um eine Schul- und Ausbildung zu machen, entwickelte sie aus Protest eine Magersucht,
über die sie versuchte, ihre tiefempfundene Ohmacht in Macht ( über
sich ) zu wandeln.
„Ich konnte darüber bestimmen, wie viel ich esse oder auch nicht. Ansonsten
hatte ich ja in meinen eigenen Leben nichts zu sagen, hatte das Gefühl, fremdbestimmt
zu werden, eine Marionette zu sein..“.
Ich hatte Panik vor dieser anderen Welt. Meine Eltern schürten diese Angst
auch noch, indem die meisten Deutschen (alle die nicht in ihrer Sekte sind) gottlos
seien und der Strafe Gottes verdammt seien. Ich wollte dieses wahnsinnige Leben
nicht mehr leben. Verkroch mich total in mich selbst zurück. Ich weiß
bis heute nicht, wie ich die Realschule mit einem solch guten Abschluss schaffte!
Denn ich hatte sehr große Konzentrationsschwierigkeiten. Mein Gehirn war
ja unterversorgt.
Es dauerte zwei Jahre, bis ich wieder Hunger entwickelte und meinen Körper
zumindest mit dem Notwendigsten versorgte; wieder mehr aß. Parallel dazu
entwickelte ich Hunger nach dem Leben.
Der Hunger nach Leben gab mir die Kraft, gegen diese Gehirnwäsche in mir
anzukämpfen. Ich entfernte mich innerlich, indem ich vieles begann zu hinterfragen
und anzugreifen, und auch äußerlich von dieser Sekte meiner Eltern.
Ich begann, mich in der Öffentlichkeit anders, "verboten" zu kleiden:
trug Hosen, was für eine Frau Sünde war. Ich schnitt meine Haare, was
laut Apostel Paulus und zu der Zeit als er lebte nur Huren taten, und sich für
eine gute Christin nicht ziemt. Und ich war dazu verdammt, eine gute Christin
zu sein, hatte keine andere Wahl, ansonsten war ich Gottes Strafe ausgesetzt und
auch ungeschützt in einer Welt, die angeblich voller Gefahren ist, die ich
nicht kannte, sondern vor denen ich andauernd nur gewarnt wurde.
Ich nahm es also in Kauf, "bestraft" zu werden. Mit 19 Jahren trug ich
also zum ersten Mal Hosen in die Öffentlichkeit, und so unglaublich es sich
anhört, hatte ich Panik davor, dass Feuer vom Himmel fällt oder sonst
etwas fürchterliches passiert“
Das Thema Macht-Ohmacht überträgt die Klientin natürlicherweise
auf jede Art von Autoritätsfigur. Sie kämpft innerlich mit ihnen, macht
sie zwar zur Kompensation klein, fühlt sich aber dennoch gleichzeitig ohnmächtig.
Ihre Depressionen äußern sich in einem großen Gefühl der
Unzulänglichkeit, starke Lähmung, große Erschöpfung und Ausgelaugtheit
und das Gefühl, endlosen Ausblutens. ( Strafe Gottes ! )
Ihr großes Ziel im Leben ist Selbstbestimmtheit und Freiheit ohne Angst
vor Strafe, die Überwindung von Minderwertigkeitsproblemen und das erfolgreiche
Leben ihrer Potentiale, d.h. ihres eigenen Wesens. Zusammenfassung der Sitzungen
Klientin hatte in ihrer Vergangenheit schon verschiedene Richtungen an Bewußtseinsarbeit
versucht, um ihre „Gehirnwäsche“ zu bewältigen aber letztlich
zeigte es sich in ihren inneren Bildern und Abspeicherungen und auch in ihrem
äußeres Leben, was sie wirklich bewältigt hat und was nicht.
.
In der 1.Sitzung geht es überwiegend darum, ihren Vater zum ersten Mal direkt
zu konfrontieren, ihre Sprachlosigkeit zu überwinden und ihre wirklichen
Gefühle ihm gegenüber endlich mal auszudrücken. Sie traut sich
ihren Protest zu spüren und ihn ihren Eltern offen zu zeigen. Ihr innerer
( abgespeicherter ) Vater wird in der Folge dadurch zumindest nachdenklich.
Im Laufe der Sitzung wechselt sie zwischen ihrem sturen Vater und dem nachdenklichen,
neuen Vater noch hin und her. Das Ausdrücken ihrer Meinung und ihrer Gefühle
kann das abgespeicherte Bild ihres Vaters in einer Sitzung natürlich noch
nicht dauerhaft verändern, aber es ist ein Anfang im inneren Erschaffen eines
sie unterstützenden Vaters. Sie spricht auch noch relativ viel über
ihre Erlebnisse und geht noch nicht sehr tief rein ins Erleben und ins Fühlen.
Am Schluss dieser Sitzung spürt sie aber unendliche Erleichterung, dass ihr
innerer Vater nun endlich bereit ist sie auf ihrem Lebensweg und gemäß
ihres Wesens zu unterstützen und spürt dadurch zum ersten Mal tiefen
Frieden in sich.
Zuhause arbeitet die Klientin mit ihren neuen inneren Energie-Bildern aus der
Sitzung weiter. Hier ein Auszug aus ihrem Tagebuch:
„Ein tiefsitzender Knoten ist gelockert. Das Bild meines nachdenklichen
inneren Vaters begleitet mich. Ich hatte mir nie zu träumen gewagt, dass
mein Vater mir einfach mal zuhört und über das, was ich sage nachdenkt
... Das ist ein sehr positives Zeichen!!!! Das gibt mir sehr viel Mut!
Ich gehe spazieren. Dieses Bild meines nachdenklichen inneren Vaters ist da. Ich
rede mit ihm. Danke ihm dafür, dass er mich jetzt ernst nimmt. Dass er zeigt,
dass er mich verstehen will... Das ist ein sehr erleichterndes Gefühl! Ich
hab das Gefühl, besser Luft zu bekommen.
Gehe in Gedanken nochmals die Treppe runter. Sage Vater nochmals, wie froh ich
bin, dass er mich unterstützten will, und zwar so wie ich bin und wie ich
es brauche, um als eine selbständige, unabhängige Frau meinen Weg gehen
zu können, anstatt seinen Vorstellungen, wie mein Leben auszusehen hat, entsprechen
zu müssen.
Sage ihm nochmals, dass er mir sehr weh tut, wenn er mich so forciert, mich so
unter Druck setzt. Dass das mich sehr depressiv macht. Dass es mich handlungsunfähig
macht. Lebensunfähig. Dass es mich lähmt. Dass ich keinen Weg gehen
kann. Dass es nichts bringt, mich zwingen zu wollen, so zu leben, wie er es will.
Das kann ich auch nicht.
Er bat mich, ihm zu sagen, wie genau er mich unterstützen kann. Denn dies
sei eine vollkommen neue Situation für ihn und er müsse erst lernen,
wie er mich unterstützen kann.
Ich sagte ihm, ich müsse erst lernen, auszudrücken, was ich will und
was ich brauche, denn das hatte ich nicht gelernt.
In der Meditation kletterte die kleine Edeltraud auf Papas Schoß und bat
ihn: "Umarme mich, bitte, und halt mich fest, beschütze mich bitte."
Und Papa umarmte sie. Fühle mich geschützt und geborgen.“
„Die erste Sitzung der Synergetik-Therapie wirkt unglaublich stark nach!
Ich spüre solche Erleichterung, solche Hoffnung, und Stabilisierung. Heilung
geschieht....“
In der 2.Sitzung bearbeitet sie in ihrem Inneren ihren Ex-Mann, von dem sie geschieden
ist, getrennte Wohnungen existieren, beide aber trotzdem noch in einem Liebesverhältnis
zueinander stehen. Dieser bietet ihr natürlich ebenso eine Projektionsfläche
für ihren inneren Konflikt zwischen Liebe und Selbstbestimmung. Sie kämpft
auch mit ihm ihren Kampf „sie selbst sein zu dürfen“. Mit seiner
Alkoholsucht, seinem Klammern an ihr, seinem Kontrollbedürfnis bei ihr unbedingt
der Mittelpunkt des Lebens sein zu wollen entspricht er „optimal“
ihrer tiefsitzenden inneren Prägung „nicht sie selbst sein zu dürfen“
und zu etwas gezwungen werden, was sie nicht will. Wieder ändert sie ihre
Innenwelt dadurch, dass sie ausdrückt, was ihr nicht passt und alles mal
ihrem Mann gegenüber äußert. Dieser kommt dadurch an seine innere
Problemstruktur ran und an sein verursachendes Kindheitserlebnis mit seiner Mutter.
Die Klientin „greift“ hier ein und das Kindheitserlebnis ihres Mannes
wird dadurch verändert und „geheilt“. Dadurch ist dieser nun
in der Lage sie so sein zu lassen, wie sie ist und ihr den Raum zu geben, den
sie braucht. Am Ende der Sitzung fühlt die Klientin erstmals, dass sie mit
einer engen Bezugsperson nun nicht mehr um ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen
muss und fühlt eine tiefe Entspannung und Erleichterung.
Indem die die Klientin ihr inneres Bild von ihrem Mann ändert, in quasi „heilt“,
kann dieser im Außen sich auch veränderen, denn die Umwelt reagiert
auf das unbewusste Bild, das abgespeichert ist. Klientin kann danach ihrem Ex-Ehemann
auch real anders gegenübertreten. Fühlt sich ihm gegenüber nicht
mehr so schwach und bedürftig. Und hat gleichzeitig nicht mehr das Gefühl
sich von ihm distanzieren zu müssen.
Schuldgefühle am Scheitern ihrer Ehe fallen von ihr ab. Sie spürt ganz
allgemein, dass sie viel weniger Schutz und Geborgenheit von außen braucht.
Sie kann sich besser abgrenzen
und fühlt sich anderen nicht mehr so verpflichtet.
Dadurch wird der Boden bereitet zu einer besseren Kommunikation und so zu einer
Verbesserung der Beziehung. Nach dieser Sitzung ändert auch ihr Mann ihr
gegenüber immer mehr sein Verhalten und fängt an sie zu respektieren.In
der 3.Sitzung öffnet die Klientin eine Tür mit der Aufschrift Mangel
an Selbstwertgefühl und sieht sich einer beruflichen Situation inmitten ihrer
Ausbildungsgruppe. Auch hier hat sie das Gefühl nicht sie selbst sein zu
dürfen und vorgefertigte Erwartungen erfüllen zu müssen ( ihre
Grundprägung ). Sie fühlt sich fremd, weiß nicht , wie sie sich
verhalten soll und würde am liebsten gleich wieder wegrennen ( ihre Problemlösung
). Auch hier traut sie sich nun, mal was zu sagen, alle Missstände mit ihrer
Ausbilderin anzusprechen und kriegt dadurch auch Unterstützung von der Gruppe.
In einer weiteren Szene, 14 Jahre alt, traut sie sich in einer Zusammenkunft ihrer
Sekte sich selbst auszudrücken, d.h. ihre Kritik und ihren Widerwillen offen
zu zeigen. Sie bringt die Sektenmitglieder dazu von ihrer Starrheit und Unlebendigkeit
abzulassen und was völlig Neues ( Tanzen ) zuzulassen ( durch ihr neuartiges,
schockierendes Handeln bringt sie Chaos in die bestehende einengende Struktur
der Sekte und setzt dadurch einen Selbstorganisationsprozess in Gang).
Dabei wird sie von Jesus, den sie in ihrem Inneren bittet herzukommen, tatkräftig
unterstützt, der dann auch ihren Vater überzeugen kann, von seinen Dogmen
abzulassen. Am Schluss der Sitzung fühlt sie sich von Jesus unterstützt,
fühlt Wärme, Geborgenheit, Wertschätzung und spürt auch deutlich
ihr Potential ( Handlungskompetenz ) was Positives zu bewirken, wenn sie sich
authentisch ausdrückt.
In der 4.Sitzung konfrontiert sie sich mit ihrem eingeprägten, erlernten
Gottesbild und ihrem Kampf bzw. ihrer Ohnmacht gegenüber „Gott“.
Zuerst sieht sie in ihm nur einen harmlosen Drachen, der vor ihr kapituliert zu
haben scheint. Dies entspricht vermutlich ihrem Wunsch-bild und spiegelt wohl
ihre Strategie, Autoritätsfiguren abzuwerten und klein zu machen, um die
eigene Ohnmacht nicht mehr zu spüren. Im Verlauf der Sitzung kommt sie dann
über
ein konkretes Erlebnis wieder an das echte Gefühl der Ohnmacht ran. Völlig
gegen ihren Willen sollte sie mit 13-14 Jahren allein nach Deutschland, um eine
Schulausbildung zu absolvieren. Es wurde ihr als der Wille Gottes hingestellt.
Sie verfällt in einen Kampf mit ihrem „Gott“, merkt aber im Kampf,
dass dieser nicht offen kämpft, feige ist, trickst und unbedingt siegen will.
Sie entdeckt in ihrem Gegner ihren eigenen, inneren Krieger, d.h. einen Anteil
von sich selbst, der sich nur als Gott ausgegeben hat, weil es ja nach den Geboten
der Sekte verboten ist zu kämpfen und für sich einzustehen. Diesen eigenen
inneren Krieger, den sie ja von sich abgetrennt hat, d.h. ihre eigene Kampfberreitschaft
und Aggression projiezierte sie auch auf „Gott“, bzw. auf alle Anderen
und es kam ihr in der Folge vor, als ob die ganze Welt gegen sie wäre bzw.
gegen sie kämpfen würde.
Bislang hatte ihr innerer Krieger ( in der Projektion: die Außenwelt ) gegen
sie selbst gekämpft: feige, trickreich und hintenrum. Nach Einholung der
Erlaubnis zu kämpfen vom „wirklichen Gott“, wandelt sich ihr
innerer Krieger, kämpft nun nicht mehr gegen sie sondern
mit ihr und für sie. Am Ende der Sitzung lernt sie wieder zu vertrauen, erwartet
nicht mehr überall Kampf ( der sie zu was zwingen soll, was sie nicht will
) und spürt dadurch eine sehr tiefe, noch nie so empfundene Entspannung.
In der 5.Sitzung geht es hauptsächlich um ihre Gefühle und um ihre Mutter.
Die Klientin entdeckt im Bereich ihres Solarplexus so eine Art energetischer Nabelschnur,
über die andere Macht über sie erlangen können. Über eine
Szene mit ihrer Ausbilderin gelangt
sie schließlich in ihre Kindheit und erlebt dort ihre Mutter, wie diese
ihre gefühlsmäßigen Bedürfnisse belacht und ihr mit religiösen
Worten vermittelt, sie dürfe so was überhaupt nicht haben. Sie entdeckt,
dass sie die kleine Edeltraud, die für ihre echten, authentischen Gefühle
steht seit diesem Zeitpunkt in einen Keller gesperrt hat und sie dort hat verwahr-losen
lassen. Statt ihre wirklichen Gefühle zu spüren ist sie lieber innerlich
und äußerlich weggerannt und hat dadurch den direkten Zugang zu sich
selbst und ihrer inneren Wahrheit
verloren. Stattdessen nahm ein grundsätzlicher Zweifel über sich selbst
und ihr Potential Raum in ihr ein. Sie befreit nun ihre Gefühle aus dem Keller,
konfrontiert ihre Mutter damit und bringt sie dazu, dass diese sie nun auf ihrem
selbstbestimmten Lebensweg unterstützt.In der 6.Sitzung konfrontiert die
Klientin noch mal ihren Vater, aber diesmal mehr auf der Gefühlsebene. Die
Sitzung hat noch mal das Thema: „eigene authentische Gefühle haben
dürfen“. Sie spürt ihren Hass, ihren Ekel und ihre Ohnmacht ihm
gegenüber nun im vollen Ausmaß. Sie begreift damit auch, dass ihre
Grundaggression, die sie immer gegen die ganze Welt gefühlt hat und auf alles
projeziert hat, eigentlich immer nur ihm gegolten hat. Sie lässt diesmal
ihre negativen Gefühle voll zu und drückt ihre ganze Wut und ihren Haß
ihrem Vater gegenüber schlagend ( Matratze ) aus und befreit dadurch die
in den weggedrängten
Gefühlen gebundene Energie. Ihr Ohnmachtsgefühl verändert sich,
indem sie sich mal erlaubt, alles fühlen zu dürfen, was da ist –
auch ihre Grausamkeit -und dem Vater alle Schmerzen zurückzugeben, die er
ihr angetan hat. In einem direkten Dialog mit dem Gott in ihrem Inneren vergewissert
sie sich, dass er kein strafendes, kleinliches eifersüchtiges „Wesen“
ist, und fühlt sich so in ihrem inneren Glauben und in ihrer inneren Wahrheit
bestätigt. Der Vater wird von Gott persönlich auf den Missbrauch der
göttlichen Lehre aufmerksam gemacht. Dieser zweifelt dennoch an der Echtheit
des Gottes und hält immer noch stur an seiner Auffassung fest. Die Klientin
kann ihn aber nun lassen, in seinen für sie falschen Auffassungen und fühlt
nur Erleichterung, ihren Willen und ihre Auffassung nun ohne Zweifel leben zu
können und ihrer eigenen inneren Wahrheit vertrauen zu können.Veränderungen,
die sich im Verlauf der Synergetik Therapie bei der Klientin ergaben:
Sie kann jetzt ihre Gefühle und Bedürfnisse viel klarer wahrnehmen,
dazu stehen und sie vor allem auch artikulieren. Dadurch ist sie nun in der Lage
selbstverständlich für sich ein-zustehen und kann sich nun auch erfolgreich
wehren und zum Ausdruck bringen. Sie nimmt Abwertungen ihrer Person nicht mehr
einfach hin, sondern unternimmt konkrete Schritte, um die Sachlage klarzustellen.
Sie bekommt zum Beispiel ein schlechtes Arbeitszeugnis von ihrer Ausbilderin,
was die Klientin als ungerechtfertigt empfindet. Inzwischen ist sie sich selbst
so viel wert, dass sie Hilfe und Unterstützung ihrer Gewerkschaft einholt,
und macht damit viele positive Erfahrungen. Sie nimmt die Dinge nicht mehr einfach
nur hin, weil sie sich ohnmächtig ausgeliefert fühlt, sondern fühlt
deutlich ihre Handiúngskompetenz und fordert ihre Bedürfnisse, wenn
es sein muss, auch hartnäckig ein. Dies wäre für sie früher
undenkbar gewesen. Im Verlauf der Sitzungen konnte sich ihre Ängstlichkeit
weitgehend abbauen. Indem sie sich immer mehr selbst ernst nimmt, wird sie analog
dazu von ihrer Umwelt auch immer mehr ernstgenommen, geschätzt und auch konkret
unterstützt. Sie hat inzwischen eine Arbeitstelle angetreten, in der sie
ihr volles Potential leben kann, selbst-bestimmt arbeiten kann d.h. sehr viel
Verantwortung übertragen bekommen hat und von allen sehr geschätzt wird.
Auch ihrem Mann gegenüber kann sie immer selbstverständlicher ihre Bedürfnisse
äußern, dieser nimmt diese nun auch ernst, und sie erfährt viel
positives Feedback. Insgesamt ist ihr verbaler und auch nonverbaler Ausdruck sehr
viel klarer und konkreter geworden.
„Fühle mich immer weniger ohnmächtig, sondern immer mächtiger,
fühle mich auch nicht mehr so isoliert, alleine und ängstlich und mache
die Erfahrung, dass es nicht gefährlich ist, zu meinen Gefühlen zu stehen.
Selbst meine Mutter geht inzwischen anders mit mir um, nimmt mich viel ernster.
Das resignierende Gefühl, dass alles sowieso nichts bringt, wird immer schwächer.
Es ist nun definitiv das Wissen und die Erfahrung vorhanden, dass es immer einen
anderen Weg gibt, ein Problem zu lösen.