Praxislizenz
Renate Eymann
4. Session
(Auch hier fehlt der Klientin die
erste Kassette und die Zusammenfassung erfolgt wieder auf der Basis meiner Notizen
während der Session und der restlichen Aufzeichnung auf der 2. Kassette.)
Entspannungstext "Meer".
Die Klientin unterbricht mich beim Lesen des Entspannungstextes. Ihre Wolke
ist an einem Pfosten hängengeblieben. Sie möchte zwar gerne zum Meer,
das gelingt aber nicht. Sie wird eine andere Richtung geschickt. Die Klientin
geht daraufhin auf dem Stromkabel entlang und klettert am nächsten Pfosten
runter. Sie findet sich auf einer Blumenwiese wieder. An den Rand der Wiese
beginnt ein Wald, drauf läuft die Klientin zu. Stellt aber dabei fest,
daß sie kein Ziel hat. Auf meine Frage, ob sie das aus ihrem Leben kennt,
taucht eine Situation mit ihrem Sohn auf. Sie wollte immer was machen und das
ging oft nicht. Der Satz "Ich weiß gar nicht was ich machen soll"
löst ein tiefes Gefühl der Leere und Trägheit bei der Klientin
aus. Sie spürt, daß ihr Sohn ihr alle Energie raubt. Nichts macht
ihr Spaß, alles geht ihr sehr schwer von der Hand. Sie holt ihren Tiger
dazu, aber auch der hat keine Lust. Alles ist ihr langweilig. Ich schlage ihr
vor die Langeweile mal auftauchen zu lassen. Eine dicke, fette Person sitzt
auf ihr drauf, mit riesigem Busen und dickem Po.
Nach einigem Hin und Her steht die Klientin auf und die Dicke plumpst herunter.
Jetzt sitzt sie neben ihr. Im weiteren Verlauf erklärt die Trägheit
(die Dicke), daß sie nicht mehr häßlich sein will. Daraufhin
schickt die Klientin die Trägheit ins Fitneßstudio und zur Kosmetikerin.
Anschließend geht sie auch noch zum Bauchtanz. Durch das Tanzen verändert
sich die Figur. Sie hat jetzt Temperament. Die soll ihr jetzt morgens helfen
nicht so schwerfällig aufzustehen.
Ihr Tiger und ihr Schutzengel tauchen
auf. Dem Tiger gefällt es gar nicht und der Schutzengel ist auch sehr unzufrieden.
Der Tiger fühlt sich nicht für voll genommen und der Schutzengel möchte,
daß sie ihn mehr in Anspruch nimmt. Sie soll mehr im Außen in Kontakt
mit anderen Menschen gehen. Der Tiger macht ihr jetzt plötzlich Angst und
ist ihr zu laut. Sie schickt ihn daraufhin weg.
Im weiteren Verlauf der Session tauchen weitere Helfer auf, die aber alle keine
Lust zum Arbeiten haben, die faulenzen nur. Die Klientin wird darauf hin ziemlich
sauer und fordert ihre Helfer auf, endlich mal was zu tun. Ich schlage der Klientin
vor, die Helfer doch mal zu fragen, welchen Grund es für ihre Trägheit
gibt. Es taucht die Leere auf, die sie komplett lähmt. Schon am Morgen
ist sie da. Ich schlage der Klientin vor, sich doch mal dieser Leere auszuliefern.
(Arbeit nach Klaus Lange. Da die Klientin immer gegen diese Leere angekämpft
hat, geht es hier mehr um das Annehmen und Akzeptieren. Dadurch kann Veränderung
geschehen.)
Zuerst möchte sie das auf keinen Fall. Sie setzt sich mit der Leere auseinander
und hat jetzt auch keine Lust mehr gegen sie zu kämpfen. Sie versucht die
Leere anzunehmen. Nachdem das auch nicht so recht gelingt, legt sie sich in
diese Leere hinein und kann sich nach und nach ganz dieser Leere ausliefern.
In dieser Leere muß sie nichts denken, da ist vollkommene Ruhe. Je länger
sie sich in der Leere aufhält, desto mehr kann sie sie annehmen und kann
diesen Ort der Ruhe genießen. Nach einer Weile hat sie ein schlechtes
Gewissen, daß sie sich dort aufhält. Sie setzt sich selbst unter
Druck. Denn nichts ist nichts und das darf nicht sein, das ist nicht normal.
Ihr Schutzengel findet da nichts Schlechtes dabei und sagt ihr, daß sie
sich auch nur manchmal in dieses Nichts zurückzieht.
Der Schutzengel sagt ihr, daß man aus dem Nichts, dem Ort der absoluten
Ruhe, neue Kraft schöpft. Die Klientin kann das nachvollziehen. Sie kennt
das aus ihrem Leben.
Nach längerer Zeit im Nichts
wird die Klientin ungeduldig und bekommt ein schlechtes Gewissen, weil sie so
faul ist. Faulenzen ist nicht ok. Das ist Zeitverschwendung. Ich frage die Klientin
wer dies in ihr sagt. Daraufhin taucht der Großvater auf, bei dem sie
aufgewachsen ist.
Auch Lesen und auf dem Sofa liegen ist nicht zu dulden. Ausruhen ist zwar erlaubt,
aber nur dann, wenn es unbedingt sein muß. Im weiteren Verlauf klärt
die Klientin mit dem Großvater, daß es für sie wichtig ist
auszuruhen. Daß Lesen für sie wichtig ist und auch einfach mal nichts
tun. Für den Großvater war das ganze Leben nur Arbeit und etwas anderes
kennt er nicht. Bei der weiteren Auseinandersetzung mit dem Großvater
stellt sich heraus, daß er der Einzige war, der sie so akzeptiert hat
wie sie war. Vom Großvater hat sie sehr viel gelernt. Im Weiteren stellt
sich heraus, daß der Großvater ihr hauptsächlich Dinge beigebracht
hat, die vor allem ihm genutzt haben. Die Klientin merkt, wie sehr sie doch
ausgenutzt wurde. Die Klientin hat ihren Großvater sehr geliebt und hat
deshalb alles getan, nur um Zeit mit ihm zu verbringen, auch wenn das bedeutet
hat, daß sie ihm irgend etwas helfen mußte.
(Hier wird noch einmal sehr deutlich, wie einsam und ungeliebt sich die Klientin
innerhalb Ihrer Familie gefühlt hat.)
Weiter stellt sich heraus, daß der Großvater nur deshalb die Großmutter
geheiratet hat, weil sie ein Kind von ihm erwartet hat. Dadurch hat sich der
Großvater in seine Arbeit geflüchtet und nur dort hat er seine Erfüllung
gefunden.
(Ein weiteres Fraktal des Mutter-Kind-Konfliktes wird sichtbar. Dieser Konflikt
zieht sich seit Generationen durch Ihre Familie und wiederholt sich bereits
in der 3. Generation. Weiter zurück sind wir in den Sitzungen bisher nicht
gekommen.)
Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, daß die Klientin den Großvater
in seinen letzten Stunden begleitet hat und beim Sterben bei ihm war. Sie hatten
immer eine besondere Verbindung zueinander. Der Großvater war ein sehr
humorvoller Mensch und dieser Humor hat die beiden sehr miteinander verbunden.
Die Klientin stellt fest, daß ihr dieser Humor fast ganz abhanden gekommen
ist. Der Großvater erklärt sich bereit ihr zu helfen, diesen Humor
wieder zu finden. Sie vereinbaren miteinander, daß der Großvater
sie immer wieder daran erinnert. Sie füllen die Leere ein Stück weit
mit dem Humor und dem Temperament auf. Die Klientin kann das akzeptieren und
weist der Leere einen sehr viel kleineren Platz zu. Die Klientin ist nicht mehr
damit einverstanden, daß die Leere sie vollständig ausfüllt.
Die Leere ist damit einverstanden und nur die Klientin hat die Möglichkeit
sie aufzusuchen, wenn sie das will. Die Leere darf sich nur noch ausbreiten,
wenn die Klientin das auch möchte.
Der Humor und das Temperament finden das in Ordnung und der Humor amüsiert
sich darüber, daß die Klientin mit der Leere diskutiert. Jetzt hat
der Humor und das Temperament wieder einen Platz in ihr.
Plötzlich taucht eine alte Frau auf, die wie ein altes Kräuterweiblein
aussieht. Auf die Frage wo sie denn herkommt und was sie hier will, antwortet
sie, daß sie ein Kräuterweib ist und ihr helfen will. Die Klientin
gibt ihr im Bereich des Solarplexus ihren Platz. Die Kräuterfrau schaut
sich erst einmal um und stellt fest, daß sie hier genau richtig ist. Die
Kräuterfrau hilft ihr dabei die richtige Ernährung, die richtigen
Kräuter und Medikamente raus zu suchen. Die Kräuterfrau ist sehr energisch
und macht der Klientin klar, daß sie darauf aufpaßt, daß sie
sich vom Gesundwerden durch nichts mehr ablenken läßt.
(Die Kräuterfrau stellt so etwas wie die innere Heilerin der Klientin dar.
Dies ist ein sehr wichtiger innerer Helfer. Auch hier gebe ich der Klientin
nach der Session die Hausaufgabe, so oft wie möglich mit dieser inneren
Instanz in Verbindung zu gehen.)
Der Großvater und die Kräuterfrau verstehen sich auf Anhieb sehr
gut. Die Kräuterfrau hilft auch die Leere in die Schranken zu weisen. Die
Kräuterfrau ist dort jetzt momentan der Chef. Die Klientin ist damit einverstanden,
erklärt der Kräuterfrau, daß sie ständig mit ihr in Kontakt
bleibt. Der Schutzengel überwacht, daß die Kräuterfrau nur in
Bezug auf ihre Gesundung der Chef ist, ansonsten ist die Klientin der Chef und
hat das sagen. Damit sind alle einverstanden.
Die Klientin ist sehr froh und erleichtert, ihren Humor, das Temperament und
die Kräuterfrau in ihrer Innenwelt wiedergefunden zu haben. Die Klientin
möchte ihre Session mit dem Song of the lamp beenden. Dieses Lied hilft
ihr sofort mit ihrer Innenwelt in Kontakt zu treten.
Die Klientin bucht wieder eine weitere Session.
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