Praxislizenz
Renate Eymann
5.
Session
Die Klientin kommt zur Session und
ich bemerke sofort, daß es ihr nicht sehr gut geht. Ich nutze sofort das
Vorgespräch als Einstieg in die Sitzung. Ich arbeite bereits jetzt synergetisch
mit ihr, dadurch kommt sie sehr schnell in ihren Schmerz und in eine ganz tiefe
Traurigkeit. Die Klientin weint weit über die Hälfte der gesamten
Sitzung. Sobald sie ins Stocken gerät ermuntere ich sie allen Schmerz auszudrücken
und ihn nicht länger zurückzuhalten. Der ganze Schmerz den sie so
viele Jahre unterdrückt hat, bricht mit aller Heftigkeit aus ihr heraus.
Zeitweise hat die Klientin das Gefühl, daß sie nie mehr aufhören
kann zu weinen.
Das Weinen ist gekoppelt mit dem Schmerz, dem Gefühl von Einsamkeit und
tiefer Verzweiflung. Ich versuche die Klientin in Kontakt zu ihrer Mutter und
ihrer Großmutter zu bringen, damit sie ihnen ihren Schmerz und die Verzweiflung
zeigen kann. Die Klientin ist die ganze Zeit in Verbindung mit ihrem kleinen
Sohn und im Laufe des Prozesses stellt sich heraus, daß sich die Klientin
von diesen Gefühlen abgeschnitten hat. Sie zeigt das auch ihrem Sohn und
sagt ihm dabei immer wieder wie sehr sie ihn liebt. Dabei trifft sie auch auf
ihr Inneres Kind. Sie geht in Kontakt mit ihrem Inneren Kind. Sie läßt
sich von ihrem Inneren Kind zeigen, wo die Einsamkeit entstanden ist. Das Innere
Kind sagt ihr daraufhin, daß es nicht einsam ist.
Kli: Sie steht so verlassen rum.
Th: Ist das so, daß sie so verlassen ist?
Kli: Sie steht zwar verlassen rum, aber sie fühlt sich nicht verlassen.
Th: Sie sagt dir auch, sie ist nicht einsam, ist das so?
Kli: ein bischen
Th: Kann sie dir sagen was sie so ein bischen einsam macht?
Kli: Sie sagt, man kann sie gerade nicht brauchen.
Th: Magst du sie mal fragen, ob das öfters vorkommt?
Kli: Das kommt öfters vor.
Th: Wie findest du das als Große heute?
Kli: Das ist schlimm.
Th: Geh mal du als Große jetzt dazu. Geh mal hin zu der Kleinen. Nimm's
mal an die Hand und geh zu den Menschen hin, die sie da so einfach wegschicken.
Zeig denen mal was die mit dem kleinen Kind machen. (Verbindung schaffen zwischen
dem Inneren Kind und der Klientin. So kann die Klientin für Ihr Inneres
Kind einstehen, damit steht sie letztlich für sich selbst ein und geht
in die Handlung. Sie bekommt dadurch das Gefühl etwas tun zu können.)
Kli: (unter Tränen) wieso schickt ihr denn die Kleine dauernd raus?
Th: Ganz genau, guckt euch mal an wie die sich fühlt.
Kli: Ja , genau, die ist ganz einsam. Das finde ich eine schöne Sauerei
von Euch. Was denkt ihr Euch eigentlich (unter Tränen). Was denkt ihr denn
eigentlich, was in so einem kleinen Köpfchen vor sich geht? Man kann die
doch nicht einfach raus schicken, was tut die euch denn? Was tut die denn, daß
die Euch so fürchterlich stört? Ich find das einfach unmöglich.
Th: Wie reagieren die drauf.
Kli: (weint) wir haben die ja nicht hergebeten, sagen sie. Ja und was soll sie
machen, soll sie sich in Luft auflösen oder was? (Klientin weint und ist
wütend)
Th: Ja, genau
Kli: (fängt wieder an bitterlich zu weinen) die hat es sich doch auch nicht
ausgesucht hierher zu kommen. So kann man doch nicht mit einem kleinen Mädele
umgehen, die hat doch auch Gefühle.
Th: Ja, super, ganz genau.
Kli: Hast du überhaupt kein Herz? Die muß man auch mal in Arm nehmen,
man muß sie auch mal drücken (Weint). Und ihr bloß einmal ein
freundliches Wort sagen. (weint wieder mehr). Die will doch auch dazu gehören.
Die braucht doch auch eine Familie, nicht bloß einen Platz wo sie bloß
geduldet ist.
(Hier zeigt sich wieder sehr deutlich das Ablehnungsthema Mutter-Kind-Konflikt)
Th: Ja, genau, super
Kli: (Weint, verzweifelt)
Th: Die sollen sich mal angucken, was sie da angerichtet haben.
Kli: Guckt mal, was ihr aus dem Kind macht. Guckt mal was aus mir geworden ist.
Guckt euch das mal an, findet ihr das in Ordnung. Was denkt ihr euch denn da
dabei?
Ihr könnt doch nicht bloß die halbe Verantwortung übernehmen.
Daß ihr mir ein schönes Kleidchen anzieht und mir was zum Essen gebt,
damit ist es nicht getan. (weint und ist wütend).
Th: Ja, genau.
Kli: (weint) wenn ihr sie raus schickt. (weint ganz bitterlich)
Th: Ja, laß die deinen ganzen Schmerz sehen, die sollen sehen, was sie
da angerichtet haben.
Kli: (unter Tränen) mein ganzes Leben fühl ich mich einsam. Und hab
keinen Platz wo ich hingehöre. Nur geduldet, nur geduldet, egal wo ich
hinkomme. Egal, egal, egal. Immer habe ich das Gefühl nur geduldet zu sein.
Das habt ihr mir beigebracht, das habt ihr mir gelernt und sonst nichts. Kommen
und gehen. Kommen und gehen. Und ich war so alleine. (In der Konfrontation mit
den verursachenden Energiebildern kann jetzt die ganze festgehaltene Energie
abfließen, dadurch kommt es zur Veränderung der alten Energiebilder)
Th: Wie reagieren sie drauf?
Kli: das wollten sie nicht, sagen sie. Ja, aber guckt mal was ihr da angerichtet
habt. Guckt mal was ihr mit mir gemacht habt und was aus meinem Leben geworden
ist. Und wie krank ich jetzt bin und ich doch meinem Sohn ein gute Mama sein
will. Ich will, daß der nicht so einsam ist. (weint)
Th: Hol ihn dazu. (Konfrontation der einzelnen Energiebilder untereinander.
Alle am Mutter-Kind-Konflikt beteiligten Energiebilder in Verbindung bringen.
Das erzeugt Chaos im Gehirn und so kann dann per Selbstorganistation eine neue
Struktur entstehen)
Kli: Guck mal ich kann da nichts dafür, mich wollte niemand jemand. Die
haben mich alle abgeschoben. Ein dreiviertel Jahr war ich bei meiner Tante,
dann ist die krank geworden, dann hab ich wieder müssen zu meiner Großmutter.
Die hat mich aber auch nicht wollen.
(Weint wieder) Ich bin bloß rum geschubst worden, von einem zum anderen.
Wie soll da ein vernünftiger Mensch aus mir werden, wenn einen doch gar
niemand wirklich will. (weint)
Oh, mein Sohn, aber ich will dich. Guck mal, ich will so gern da sein, nur für
dich. Ich schubs dich nicht rum, ganz bestimmt nicht. Und wenn du mal zu deiner
Tante mußt, dann bestimmt nur ganz kurz, weil es geht manchmal nicht anders.
Th: Versteht er es in deiner Innenwelt?
Kli: Ja.
Th: Ja, er versteht es. Er spürt es. So ganz tief innen spürt er,
daß du für ihn da bist, und du ihn liebst.
Kli: Ja. Ich will für den kleinen Kerl immer dasein.
Th: Ja, zeig es denen mal wie sie versagt haben und wie sich ein richtige Mutter
verhält.
Kli: Und ich bin mein Leben lang bloß noch einsam. (weint) Einsam und
verlassen.
Th: Das haben die zu verantworten.
Kli: Einsam und verlassen, das habt ihr gut hingekriegt. Ihr denkt, wenn ihr
ab und zu mal zu Besuch kommt, dann ist alles gerettet. Gar nichts ist gerettet.
Ich fühl mich nur einsam. Sagt mal wie ich da wieder raus komme? Sags mir,
wie ich das wieder los werde dieses Gefühl.
Th: Wie reagieren die darauf, alle die da dastehen? Wie sehen sie aus?
Kli: Betroffen sind sie jetzt.
Th: Ja, sags ihnen direkt.
Kli: Betroffen seid ihr jetzt, jetzt tut es euch leid, jetzt guckt ihr blöd
aus der Wäsche. Aber dafür kann ich mir jetzt auch nichts mehr kaufen,
daß ihr blöd aus der Wäsche guckt. Ich muß jetzt mit dieser
ekelhaften Einsamkeit umgehen und mit dem Schmerz. Und wißt ihr eigentlich
wie sehr das weh tut? Das tut so furchtbar weh (weint) Es tut so weh, oh Gott
tut das weh. Das tut so weh, daß ich sogar sterben will. So tut das weh,
daß ich den Schmerz nicht mehr ertragen kann. Daß dieser Schmerz,
der macht mich kaputt, der frißt mich auf. (Tiefe bisher unterdrückte
Verzweiflung fließt in Verbindung mit den verur-sachenden Energiebildern
ab.)
Ich fühls, wie der mich auffrißt bei lebendigem Leib.
Th: Wie sieht dieser Schmerz aus?
Kli: Wie ein Teufel, ein richtig wüster Teufel, ein aggressiver wüster
Teufel. (atmet ganz heftig) und der wütet in meiner Brust. Wo er alles
kaputt macht wo er alles zerfrißt. Oh Gott, wie der nagt. (weint ganz
verzweifelt) Halt doch mal, der hört gar nicht auf.
Th: Ist dein Hund noch da?
Kli: Mein Hund ist da, mein Hund knurrt jetzt. Mein Hund fletscht die Zähne.
Th: Laß mal deine Familie diesen Teufel sehen, der sich in dir so breit
macht. Und was du alles einsetzten mußt, daß der im Zaum gehalten
wird. (Konfrontation der Energiebilder untereinander, Verbindung Real- und Symbolebene.
Chaos wird dadurch erzeugt.)
Kli: Was ich alles schaffen muß. Was ich alles ertragen muß und
warum bloß? (weint)
Th: Weil sie dich nicht so angenommen haben und geliebt haben wie du es verdient
hättest.
Kli: Warum habt ihr das nicht gemacht? Warum habt ihr das nicht gemacht? (weint)
Ihr habt gedacht, daß ich nicht so wichtig bin. Ich bin aber auch ein
Mensch.
Th: Ja genau.
Kli: Ich bin auch ein Mensch, ich bin auch wichtig. Ich habe auch eine Aufgabe
im Leben. (weint) Oh, Gott, wie wollt ihr das je wieder gut machen.
Th: Ja, guck mal, haben sie eine Idee in deiner Innenwelt. Wie können sie
dir jetzt helfen.
Kli: Jetzt könntest du mich gebrauchen, jetzt könnte ich dir jeder
Woche die Haare eindrehen.
Da bin ich recht, da könnt ihr mich alle brauchen. Ja, da bin ich dann
wichtig für euch.
Th: Ja, für die eigenen Bedürfnisse bist du recht. Ja, und wer war
da für dich?
Kli: Für mich war niemand da. Für mich war niemand da, nie (weint)
Th: Ja.
Kli: Oh, ich sags Euch, ich laß mir das nicht länger gefallen. Ich
laß mir das nicht mehr gefallen.
Ich will für meinen Sohn dasein, ich will doch leben. Ich will doch leben
für meinen Sohn und ich will doch diese Einsamkeit nicht mehr. Ich brauch
die nicht mehr.
Th: Sags lauter. (Verstärkung durch Wiederholen, dadurch kommt die Energie
in Fluß, und der Klientin wird ihre Entscheidung bewußter.)
Kli: Ich brauch die nimmer. Ich brauch dich nicht mehr. Einsamkeit ich will
dich nimmer, jetzt warst du lang genug da. Hast dich ausgebreitet von Kopf bis
zu den Füßen. Und frißt in meiner Brust und frißt mich
noch halb auf. Jetzt ist genug, jetzt ist wirklich genug.
Th: Jetzt ist genug. Guck mal ob, irgend jemand eine Idee hat was du mit der
machen kannst.
Kli: Wenn mir irgend jemand helfen kann mit dieser Einsamkeit, dann soll er
bitte kommen.
Dann soll er bitte jetzt kommen und soll mir sagen, was ich jetzt machen kann.
Keiner weiß etwas, alle schütteln mit dem Kopf. Schutzengel, weißt
du was ich mit der Einsamkeit machen soll. Ich soll sie als Freund akzeptieren.
Eh, das ist aber komisch.
Th: Wie ist es denn, wenn du es einfach mal ausprobierst.?
Kli: Das ist aber ganz widerlich und ekelhaft.
Th: Ja guck mal, wie das ist, dieses Ekelhafte? Wie sieht das denn aus, vorhin
hast du gesagt, das ist wie ein Teufelchen.
Kli: Das ist ein Teufel.
Th: Und der Schutzengel sagt du sollst ihn annehmen.
Kli: Der sagt, die Einsamkeit braucht auch Liebe. Wie kann man so einen lieben?
Th: Du weißt ja was passiert, wenn man selbst nicht geliebt wird. Magst
du die Einsamkeit mal fragen, ob es ihr auch so geht? (Verbindung schaffen zwischen
Ihr und dem Energiebild, das sie ablehnt, und das ihr eigenes Muster spiegelt.
Durch Annahme gibt sie diesem Teil das was ihr selbst gefehlt hat. Sie integriert
damit wieder einen Teil von sich selbst.)
Kli: Dem geht es genauso wie mir.
Th: Magst du den mal fragen was du machen kannst, oder hast du selber eine Idee
oder frag deinen Schutzengel, vielleicht hat der eine Idee.
Kli: Ich soll ihn akzeptieren als einen Teil von mir.
Th: Guck mal, ob du den in den Arm nehmen kannst, guck mal, ob das geht.
Vielleicht hat der Schutzengel auch noch eine bessere Idee.
Kli: (nach einigem Zögern nimmt sie ihn in den Arm) Der ist ja ganz warm.
Th: Ja, nimm ihn in den Arm und guck mal was passiert
(Ich gebe ihr ein Kissen in den Arm und Song of Lamb. Durch das Kissen wird
das Erleben intensiver und durch die Musik wird das neue Tun geankert)
Kli: (weint) Wie ein kleines Kind, der ist jetzt ein Baby geworden. Du tust
mir so leid.
Ich kann dich so akzeptieren. (weint)
Th: Ist der jetzt noch aggressiv?
Kli: Nee. Der sagt nur so kann es gehen
Th: Ah, ja.
Kli: Mein Schutzengel sagt, das hat manchmal auch seine guten Seiten, wenn man
alleine ist.
Th: Ah, ja.
Kli: Aber es tröstet mich halt nicht.
Th: Wie reagiert er denn da drauf, wenn du ihm das so sagst?
Kli: Der sagt bloß, das hat auch seine gute Seiten.
Th: Kann er dir mal zeigen oder erklären wo daran die guten Seiten sind?
Kli: Der sagt, daß für mich die Einsamkeit manchmal ganz wichtig
ist, weil ich sonst nicht an mich selber denke. Durch die Einsamkeit finde ich
wieder zu mir selber. Komme ich wieder in Kontakt mit mir selber, weil ich mich
verloren habe. Ich spür mich aber manchmal nicht besonders gern selber,
das muß ich ehrlich sagen. Und an so einem Tag wie heute möchte ich
mich am liebsten überhaupt nicht mehr spüren. Und die Einsamkeit,
jetzt hab ich sie mir wenigstens mal eingestanden. Th: Ja. Wie fühlst du
dich, wie spürt du das jetzt?
Kli: Ich spür, daß das meine Gefühle waren, rauf und runter,
rauf und runter, aber ich hätte sie so nicht benennen können. Ich
hab nicht gewußt, daß das die Einsamkeit ist und ich habe nicht
gewußt, daß es so schlimm ist. (Die Klientin gewinnt tiefe Erkenntnisse
über Ihre eigenen, bisher nicht bewußten Gefühle.)
Th: Magst du das der Einsamkeit mal sage.
Kli: Ich bin jetzt erleichtert, daß ich weiß worum es geht. Aber
jetzt weiß ich wenigsten was mit mir los ist. Und jetzt weiß ich
was mir so weh tut. Jetzt kann ich da hin fühlen.
Th: Magst du jetzt mal die Kleine dazu holen, magst du mal gucken wie es der
jetzt geht? (Das Innere Kind steht ja ganz direkt in Verbindung mit der Einsamkeit,
dadurch daß sie die Einsamkeit jetzt angenommen hat, hat das auch Auswirkung
auf das Innere Kind. Deshalb ist es wichtig die in Verbindung stehenden Energiebilder
immer wieder miteinander zu konfrontieren.)
Kli: Die steht da und weint. Warum weinst du denn?
Th: Ja. Nimm sie mal in den Arm.
Kli: Ich bin ab jetzt für dich da, du brauchst nicht mehr weinen.
Th: Wie ist das jetzt für die Kleine, wenn sie so im Arm ist?
Kli: Gut.
Th: Magst du sie mal fragen, wie es ihr ging als du denen vorhin die Meinung
gesagt hast?
Kli: Gut, aber jetzt weiß sie nicht so recht, ob die sie jetzt überhaupt
noch mögen.
Th: Ist das denn wichtig für sie? Ihr könnt ja jetzt noch mal da hin
gehen und nachsehen.
Kli: Die sagen jetzt, es tut ihnen leid, daß sie so waren. Die wollen
sich bessern. (Hier zeigt sich die Auswirkung der gekippten Struktur. Die in
Verbindung stehenden Energiebilder reagieren anders als vorher.)
Th: Und wie sind die jetzt zu der Kleinen.
Kli: Die sind recht schuldbewußt.
Th: Können die jetzt die Kleine auf den Arm nehmen, geht das?
Kli: Meine Mama kommt und nimmt sie auf den Arm.
Th: Wie ist das.
Kli: Schön.
Th: (Song of lamb zum Ankern) Ja, spür das. Spür wie das ist, wenn
die Mama die Kleine auf den Arm nimmt und endlich für sie da ist. (Stärken
den neuen Struktur durch das Ankern mit Musik)
Die Klientin weint zuerst leise vor sich hin und ist ganz tief berührt.
Das Weinen wird im Laufe der Musik wieder stärker.
Th: Was ist da?
Kli: Die Traurigkeit, daß sie mich nicht mitnimmt. Aber sie wollte mich
ja mitnehmen. Aber dann bin ich ja krank geworden.
Th: Wie ist das für deine Mama?
Kli: Die ist ganz traurig. Sie ist total unsicher, was sie jetzt machen soll.
Ich spür grad so richtig die Sehnsucht nach meiner Mama.
Th: Sags Ihr, sags ihr in deiner Innenwelt.
Kli: Ich sehn mich so nach dir. Ich hätte dich so gebraucht. (Die Klientin
traut sich endlich Ihre tiefste Sehnsucht auszusprechen.)
Th: Wie reagiert sie drauf.
Kli: Sie hat ein schlechtes Gewissen, wie immer. Du hast immer ein schlechtes
Gewissen, wenn es um mich geht. Aber tun tust du nichts. Ich kann mit deinem
schlechten Gewissen überhaupt nichts anfangen. Ich möcht einfach nur,
daß du für mich da bist. Sei doch einfach da für mich.
Th: Dann braucht sie auch kein schlechtes Gewissen haben.
Kli: Nö, sie braucht kein schlechtes Gewissen haben. Überhaupt nicht
mehr.
Th: Wie geht es ihr damit.
Kli: Sie sagt, sie kann nicht immer für mich da sein. Sie hat auch noch
einen Mann. Aber in meiner Innenwelt kann sie für mich da sein. Und da
hat sie den auch schon lang verlassen und lebt mit meinem Papa.
Th: Und wie ist das in deiner Innenwelt, will sie da für dich da sein?
Kli: Ja, da ist sie für mich da. Da ist sie auch für mich da. Vielleicht
noch nicht so ganz intensiv, aber mein Papa der ist ganz intensiv da. Und ganz
wichtig ist der.
Th: Sag's ihm.
Kli: Du bist ganz wichtig für meinen Sohn und ganz wichtig für mich.
Th: Genau. Ja, wie kann denn deine Mama jetzt für dich da sein?
Kli: Meine Mama ist ja jetzt für mich da. Mama du bist ja jetzt schon ganz
oft für mich da und wenn es irgendwo klemmt, dann kommst du schon. Aber
wenn du dann dafür einmal weniger kommst und dafür von Herzen kommst
dann ist es vollkommen ok. Und nicht weil du denkst du mußt zu mir kommen.
Th: Ist sie damit einverstanden?
Kli: Ja.
Th: Wie geht es dir jetzt?
Kli: Ausgepowert (lacht) und ausgeleert. Einfach, ja ich bin eine große
Last geworden. Sozusagen, ich weiß jetzt worum es geht. Ich weiß
jetzt wo der Schmerz herkommt und ich weiß wer derjenige ist.
Th: Ja, und du kannst jetzt mit deinem Schmerz in Kontakt gehen und ihm sagen,
daß es eine Erleichterung ist, daß du ihn aber noch fühlst,
daß er noch da ist.
Kli: Es ist für mich eine Erleichterung, aber ich fühl dich noch,
aber ich muß sagen jetzt bist du nicht mehr ganz so mächtig.
Th: Und du kennst ihn jetzt. Du kennst den Schmerz, die Einsamkeit, die Verzweiflung.
Kli: Ja, ich weiß auch wie es sich anfühlt. Kein Wunder, kein Wunder
daß es mir so schlecht geht, diesen Schmerz zu fühlen. Denn kein
Schmerz ist so schlimm wie dieser. Auch eine schlechte Beziehung nicht. Jetzt
verstehe ich auch, warum sich die Leute nicht trennen oder sich trennen wollen,
aus Angst vor diesem Schmerz. (Die Klientin erkennt, daß sie in ihrem
Leben viel auf sich genommen hat, nur um diesen Schmerz der Einsamkeit nicht
zu spüren. Es geschieht ein tiefes Verstehen des eigenen Lebens und das
Leben anderer Menschen.)
Th: Ja. Du hast dich diesem Schmerz gestellt und du bist ein ganzes Stück
durch diesen Schmerz hindurch gegangen. Wie fühlt es sich an, wenn man
ein Stück da durch gegangen ist?
Kli: Man verliert die Angst und den Schrecken und den Schmerz, auch den kann
man aushalten. Man hat Angst, man stirbt, aber man stirbt nicht.
Th: Was hast du jetzt noch für einen Impuls, magst du noch nach der Kleinen
gucken, wie es der jetzt geht?
Kli: Der Kleinen geht es jetzt auch besser, weil sie weiß, daß ich
für sie da bin.
Th: Ja. Und wie geht es dir?
Kli: Ich mag sie einfach.
Th: Ja, genau, sag's ihr mal, das braucht sie.
Kli: Ich mag dich, ich mag dich wirklich, ich mag dich genauso wie meinen Sohn.
Du bist das Schwesterle von meinem Sohn.
Th: Ja, genau. Du kannst sie ja mal fragen, ob es wichtig war, sie heute in
dir zu finden?
Kli: Ja, und es ist auch wichtig, daß ich in Zukunft für sie da bin.
Aber ich weiß gar nicht so recht, wie ich das machen soll. Also, wir können
eine Abmachung treffen, wenn ich nicht für dich da bin, mußt du dich
bemerkbar machen und mußt dich zeigen. Und dann bin ich auch für
dich da.
Th: Vielleicht hat sie ja auch mal Lust mit dir zu spielen?
Kli: Ja, was könnten wir denn spielen?
Th: Was hält sie denn davon, wenn du zum Beispiel mit deinem Sohn unterwegs
bist oder zu Hause mit ihm spielst, daß sie dann einfach dabei sein kann?
Kli: Hättest du da Lust mit zu spielen. Ja, aber mit Puppen will sie nicht
spielen.
Th: Spielt ihr denn mit Puppen?
Kli: Nein, wir spielen nicht mit Puppen, wir spielen andere Sachen. Mit dem
Ball spielen wir zum Beispiel.
Ich mache der Klientin noch den Vorschlag einen Platz für Ihre Kleine in
ihrem Körper zu suchen. Sie hat ihren Platz im Herz. Die Klientin ist jetzt
doch recht geschafft und möchte einfach noch ein bischen nachspüren.
Zum Ankern spiele ich noch den Song of lamb ein.
Nach der Sitzung fühlt sich die Klientin ziemlich erleichtert und ist ganz
erstaunt, wieviel Taschentücher sie gebraucht hat. Sie sagt mir, daß
das alles ganz intensiv für sie zu spüren war.
Die Klientin machte diese 5 Sitzungen innerhalb von 9 Tagen ( 28.04.
06.05.2001). Die 6. und 7. Sitzung erfolgt jeweils im Abstand von einer Woche.
Nach diesen 7 Sitzungen fühlt sie sich soweit stabil, daß sie nächste
Sitzung erst 4 Wochen später bucht.
In diesen weiteren Sitzungen setzt sie sich intensiv mit ihrem ersten Sohn und
Ex-Mann auseinander. auch hier findet eine Annäherung statt, und sie schafft
wieder eine Verbindung zwischen ihrem 1. Sohn und ihrem kleinen Sohn. Auch das
Thema Großmutter wird noch in einer Sitzung sehr heftig aus agiert. Die
Großmutter gibt letztlich klein bei und muß als Strafe beim Tod
den Haushalt führen. Damit geht es der Klientin sehr gut. Eine Aussöhnung
mit der Großmutter ist noch nicht möglich. Zu groß ist noch
die Verletzung. Die Klientin fühlt sich der Großmutter zumindest
neutral gegenüber und sie hat das Gefühl, jetzt endlich Macht über
sie zu haben.
Zu einer weiteren Sitzung kommt die Klientin erst 3 Monate später wieder.
Diese Sitzung war dann auch die letzte Sitzung. In dieser Sitzung geht es um
die Angst, die ihr die Ärzte machen.
In den dazwischen liegenden 3 Monaten hat sie sich dem Druck der Ärzte
gebeugt und sich einer Nachoperation unterzogen. Der operierende Arzt und ihre
Hausärztin haben sie derart unter Druck gesetzt und die Klientin sogar
immer wieder zu Hause angerufen und ihr die schlimmsten Horror-Szenarien über
ihren Krebs ausgemalt. Bei der Nachoperation wurde nichts mehr gefunden!!!
Die Klientin hat begleitend zu ihren Synergetik-Sitzungen, auf Anraten der biologischen
Krebsabwehr in Heidelberg Enzyme und Mistelpräparate zur Unterstützung
eingenommen. Die biologische Krebsabwehr hat der Klientin von einer Nachoperation
und einer Chemotherapie abgeraten. Sie haben ihr geraten, außer der Misteltherapie
und den Enzymen auch noch an sich selbst zu arbeiten. Vorschlag war Familienstellen
nach Bert Hellinger. Sie hat dem Arzt dort mitgeteilt, daß sie sich für
die Synergetik-Therapie entschieden habe. Der Arzt hatte dagegen nichts einzuwenden.
Das Mistelpräparat hat nach Auskunft eines anderen Arztes (die Klientin
hat sich bei weiteren Ärzten informiert und auch untersuchen lassen) sehr
gut angesprochen, so daß es frühzeitig wieder abgesetzt werden konnte.
Im Spätsommer habe ich mich mit der Klientin noch mal auf privater Ebene
getroffen. Sie berichtete mir, daß sich der Kontakt zu ihrer Mutter weiter
verbessert hat, und daß sich auch wieder Männer für sie zu interessieren
beginnen. Das war vor den Sessions nicht der Fall. Die Klientin fand es sehr
schön, endlich wieder wahrgenommen zur werden.
Kurz vor Weihnachten 2001 hatte ich den letzten Kontakt zur Klientin. Sie fühlte
sich stabil und es ging ihr sehr gut.
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