Praxislizenz Renate Eymann

5. Session

Die Klientin kommt zur Session und ich bemerke sofort, daß es ihr nicht sehr gut geht. Ich nutze sofort das Vorgespräch als Einstieg in die Sitzung. Ich arbeite bereits jetzt synergetisch mit ihr, dadurch kommt sie sehr schnell in ihren Schmerz und in eine ganz tiefe Traurigkeit. Die Klientin weint weit über die Hälfte der gesamten Sitzung. Sobald sie ins Stocken gerät ermuntere ich sie allen Schmerz auszudrücken und ihn nicht länger zurückzuhalten. Der ganze Schmerz den sie so viele Jahre unterdrückt hat, bricht mit aller Heftigkeit aus ihr heraus. Zeitweise hat die Klientin das Gefühl, daß sie nie mehr aufhören kann zu weinen.
Das Weinen ist gekoppelt mit dem Schmerz, dem Gefühl von Einsamkeit und tiefer Verzweiflung. Ich versuche die Klientin in Kontakt zu ihrer Mutter und ihrer Großmutter zu bringen, damit sie ihnen ihren Schmerz und die Verzweiflung zeigen kann. Die Klientin ist die ganze Zeit in Verbindung mit ihrem kleinen Sohn und im Laufe des Prozesses stellt sich heraus, daß sich die Klientin von diesen Gefühlen abgeschnitten hat. Sie zeigt das auch ihrem Sohn und sagt ihm dabei immer wieder wie sehr sie ihn liebt. Dabei trifft sie auch auf ihr Inneres Kind. Sie geht in Kontakt mit ihrem Inneren Kind. Sie läßt sich von ihrem Inneren Kind zeigen, wo die Einsamkeit entstanden ist. Das Innere Kind sagt ihr daraufhin, daß es nicht einsam ist.

Kli: Sie steht so verlassen rum.
Th: Ist das so, daß sie so verlassen ist?
Kli: Sie steht zwar verlassen rum, aber sie fühlt sich nicht verlassen.
Th: Sie sagt dir auch, sie ist nicht einsam, ist das so?
Kli: ein bischen
Th: Kann sie dir sagen was sie so ein bischen einsam macht?
Kli: Sie sagt, man kann sie gerade nicht brauchen.
Th: Magst du sie mal fragen, ob das öfters vorkommt?
Kli: Das kommt öfters vor.
Th: Wie findest du das als Große heute?
Kli: Das ist schlimm.
Th: Geh mal du als Große jetzt dazu. Geh mal hin zu der Kleinen. Nimm's mal an die Hand und geh zu den Menschen hin, die sie da so einfach wegschicken. Zeig denen mal was die mit dem kleinen Kind machen. (Verbindung schaffen zwischen dem Inneren Kind und der Klientin. So kann die Klientin für Ihr Inneres Kind einstehen, damit steht sie letztlich für sich selbst ein und geht in die Handlung. Sie bekommt dadurch das Gefühl etwas tun zu können.)
Kli: (unter Tränen) wieso schickt ihr denn die Kleine dauernd raus?
Th: Ganz genau, guckt euch mal an wie die sich fühlt.
Kli: Ja , genau, die ist ganz einsam. Das finde ich eine schöne Sauerei von Euch. Was denkt ihr Euch eigentlich (unter Tränen). Was denkt ihr denn eigentlich, was in so einem kleinen Köpfchen vor sich geht? Man kann die doch nicht einfach raus schicken, was tut die euch denn? Was tut die denn, daß die Euch so fürchterlich stört? Ich find das einfach unmöglich.
Th: Wie reagieren die drauf.
Kli: (weint) wir haben die ja nicht hergebeten, sagen sie. Ja und was soll sie machen, soll sie sich in Luft auflösen oder was? (Klientin weint und ist wütend)
Th: Ja, genau
Kli: (fängt wieder an bitterlich zu weinen) die hat es sich doch auch nicht ausgesucht hierher zu kommen. So kann man doch nicht mit einem kleinen Mädele umgehen, die hat doch auch Gefühle.
Th: Ja, super, ganz genau.
Kli: Hast du überhaupt kein Herz? Die muß man auch mal in Arm nehmen, man muß sie auch mal drücken (Weint). Und ihr bloß einmal ein freundliches Wort sagen. (weint wieder mehr). Die will doch auch dazu gehören. Die braucht doch auch eine Familie, nicht bloß einen Platz wo sie bloß geduldet ist.
(Hier zeigt sich wieder sehr deutlich das Ablehnungsthema – Mutter-Kind-Konflikt)
Th: Ja, genau, super
Kli: (Weint, verzweifelt)
Th: Die sollen sich mal angucken, was sie da angerichtet haben.
Kli: Guckt mal, was ihr aus dem Kind macht. Guckt mal was aus mir geworden ist.
Guckt euch das mal an, findet ihr das in Ordnung. Was denkt ihr euch denn da dabei?
Ihr könnt doch nicht bloß die halbe Verantwortung übernehmen. Daß ihr mir ein schönes Kleidchen anzieht und mir was zum Essen gebt, damit ist es nicht getan. (weint und ist wütend).
Th: Ja, genau.
Kli: (weint) wenn ihr sie raus schickt. (weint ganz bitterlich)
Th: Ja, laß die deinen ganzen Schmerz sehen, die sollen sehen, was sie da angerichtet haben.
Kli: (unter Tränen) mein ganzes Leben fühl ich mich einsam. Und hab keinen Platz wo ich hingehöre. Nur geduldet, nur geduldet, egal wo ich hinkomme. Egal, egal, egal. Immer habe ich das Gefühl nur geduldet zu sein. Das habt ihr mir beigebracht, das habt ihr mir gelernt und sonst nichts. Kommen und gehen. Kommen und gehen. Und ich war so alleine. (In der Konfrontation mit den verursachenden Energiebildern kann jetzt die ganze festgehaltene Energie abfließen, dadurch kommt es zur Veränderung der alten Energiebilder)
Th: Wie reagieren sie drauf?
Kli: das wollten sie nicht, sagen sie. Ja, aber guckt mal was ihr da angerichtet habt. Guckt mal was ihr mit mir gemacht habt und was aus meinem Leben geworden ist. Und wie krank ich jetzt bin und ich doch meinem Sohn ein gute Mama sein will. Ich will, daß der nicht so einsam ist. (weint)
Th: Hol ihn dazu. (Konfrontation der einzelnen Energiebilder untereinander. Alle am Mutter-Kind-Konflikt beteiligten Energiebilder in Verbindung bringen. Das erzeugt Chaos im Gehirn und so kann dann per Selbstorganistation eine neue Struktur entstehen)
Kli: Guck mal ich kann da nichts dafür, mich wollte niemand jemand. Die haben mich alle abgeschoben. Ein dreiviertel Jahr war ich bei meiner Tante, dann ist die krank geworden, dann hab ich wieder müssen zu meiner Großmutter. Die hat mich aber auch nicht wollen.
(Weint wieder) Ich bin bloß rum geschubst worden, von einem zum anderen. Wie soll da ein vernünftiger Mensch aus mir werden, wenn einen doch gar niemand wirklich will. (weint)
Oh, mein Sohn, aber ich will dich. Guck mal, ich will so gern da sein, nur für dich. Ich schubs dich nicht rum, ganz bestimmt nicht. Und wenn du mal zu deiner Tante mußt, dann bestimmt nur ganz kurz, weil es geht manchmal nicht anders.
Th: Versteht er es in deiner Innenwelt?
Kli: Ja.
Th: Ja, er versteht es. Er spürt es. So ganz tief innen spürt er, daß du für ihn da bist, und du ihn liebst.
Kli: Ja. Ich will für den kleinen Kerl immer dasein.
Th: Ja, zeig es denen mal wie sie versagt haben und wie sich ein richtige Mutter verhält.
Kli: Und ich bin mein Leben lang bloß noch einsam. (weint) Einsam und verlassen.
Th: Das haben die zu verantworten.
Kli: Einsam und verlassen, das habt ihr gut hingekriegt. Ihr denkt, wenn ihr ab und zu mal zu Besuch kommt, dann ist alles gerettet. Gar nichts ist gerettet. Ich fühl mich nur einsam. Sagt mal wie ich da wieder raus komme? Sags mir, wie ich das wieder los werde dieses Gefühl.
Th: Wie reagieren die darauf, alle die da dastehen? Wie sehen sie aus?
Kli: Betroffen sind sie jetzt.
Th: Ja, sags ihnen direkt.
Kli: Betroffen seid ihr jetzt, jetzt tut es euch leid, jetzt guckt ihr blöd aus der Wäsche. Aber dafür kann ich mir jetzt auch nichts mehr kaufen, daß ihr blöd aus der Wäsche guckt. Ich muß jetzt mit dieser ekelhaften Einsamkeit umgehen und mit dem Schmerz. Und wißt ihr eigentlich wie sehr das weh tut? Das tut so furchtbar weh (weint) Es tut so weh, oh Gott tut das weh. Das tut so weh, daß ich sogar sterben will. So tut das weh, daß ich den Schmerz nicht mehr ertragen kann. Daß dieser Schmerz, der macht mich kaputt, der frißt mich auf. (Tiefe bisher unterdrückte Verzweiflung fließt in Verbindung mit den verur-sachenden Energiebildern ab.)
Ich fühls, wie der mich auffrißt bei lebendigem Leib.
Th: Wie sieht dieser Schmerz aus?
Kli: Wie ein Teufel, ein richtig wüster Teufel, ein aggressiver wüster Teufel. (atmet ganz heftig) und der wütet in meiner Brust. Wo er alles kaputt macht wo er alles zerfrißt. Oh Gott, wie der nagt. (weint ganz verzweifelt) Halt doch mal, der hört gar nicht auf.
Th: Ist dein Hund noch da?
Kli: Mein Hund ist da, mein Hund knurrt jetzt. Mein Hund fletscht die Zähne.
Th: Laß mal deine Familie diesen Teufel sehen, der sich in dir so breit macht. Und was du alles einsetzten mußt, daß der im Zaum gehalten wird. (Konfrontation der Energiebilder untereinander, Verbindung Real- und Symbolebene. Chaos wird dadurch erzeugt.)
Kli: Was ich alles schaffen muß. Was ich alles ertragen muß und warum bloß? (weint)
Th: Weil sie dich nicht so angenommen haben und geliebt haben wie du es verdient hättest.
Kli: Warum habt ihr das nicht gemacht? Warum habt ihr das nicht gemacht? (weint) Ihr habt gedacht, daß ich nicht so wichtig bin. Ich bin aber auch ein Mensch.
Th: Ja genau.
Kli: Ich bin auch ein Mensch, ich bin auch wichtig. Ich habe auch eine Aufgabe im Leben. (weint) Oh, Gott, wie wollt ihr das je wieder gut machen.
Th: Ja, guck mal, haben sie eine Idee in deiner Innenwelt. Wie können sie dir jetzt helfen.
Kli: Jetzt könntest du mich gebrauchen, jetzt könnte ich dir jeder Woche die Haare eindrehen.
Da bin ich recht, da könnt ihr mich alle brauchen. Ja, da bin ich dann wichtig für euch.
Th: Ja, für die eigenen Bedürfnisse bist du recht. Ja, und wer war da für dich?
Kli: Für mich war niemand da. Für mich war niemand da, nie (weint)
Th: Ja.
Kli: Oh, ich sags Euch, ich laß mir das nicht länger gefallen. Ich laß mir das nicht mehr gefallen.
Ich will für meinen Sohn dasein, ich will doch leben. Ich will doch leben für meinen Sohn und ich will doch diese Einsamkeit nicht mehr. Ich brauch die nicht mehr.
Th: Sags lauter. (Verstärkung durch Wiederholen, dadurch kommt die Energie in Fluß, und der Klientin wird ihre Entscheidung bewußter.)
Kli: Ich brauch die nimmer. Ich brauch dich nicht mehr. Einsamkeit ich will dich nimmer, jetzt warst du lang genug da. Hast dich ausgebreitet von Kopf bis zu den Füßen. Und frißt in meiner Brust und frißt mich noch halb auf. Jetzt ist genug, jetzt ist wirklich genug.
Th: Jetzt ist genug. Guck mal ob, irgend jemand eine Idee hat was du mit der machen kannst.
Kli: Wenn mir irgend jemand helfen kann mit dieser Einsamkeit, dann soll er bitte kommen.
Dann soll er bitte jetzt kommen und soll mir sagen, was ich jetzt machen kann. Keiner weiß etwas, alle schütteln mit dem Kopf. Schutzengel, weißt du was ich mit der Einsamkeit machen soll. Ich soll sie als Freund akzeptieren. Eh, das ist aber komisch.
Th: Wie ist es denn, wenn du es einfach mal ausprobierst.?
Kli: Das ist aber ganz widerlich und ekelhaft.
Th: Ja guck mal, wie das ist, dieses Ekelhafte? Wie sieht das denn aus, vorhin hast du gesagt, das ist wie ein Teufelchen.
Kli: Das ist ein Teufel.
Th: Und der Schutzengel sagt du sollst ihn annehmen.
Kli: Der sagt, die Einsamkeit braucht auch Liebe. Wie kann man so einen lieben?
Th: Du weißt ja was passiert, wenn man selbst nicht geliebt wird. Magst du die Einsamkeit mal fragen, ob es ihr auch so geht? (Verbindung schaffen zwischen Ihr und dem Energiebild, das sie ablehnt, und das ihr eigenes Muster spiegelt. Durch Annahme gibt sie diesem Teil das was ihr selbst gefehlt hat. Sie integriert damit wieder einen Teil von sich selbst.)
Kli: Dem geht es genauso wie mir.
Th: Magst du den mal fragen was du machen kannst, oder hast du selber eine Idee oder frag deinen Schutzengel, vielleicht hat der eine Idee.
Kli: Ich soll ihn akzeptieren als einen Teil von mir.
Th: Guck mal, ob du den in den Arm nehmen kannst, guck mal, ob das geht.
Vielleicht hat der Schutzengel auch noch eine bessere Idee.
Kli: (nach einigem Zögern nimmt sie ihn in den Arm) Der ist ja ganz warm.
Th: Ja, nimm ihn in den Arm und guck mal was passiert
(Ich gebe ihr ein Kissen in den Arm und Song of Lamb. Durch das Kissen wird das Erleben intensiver und durch die Musik wird das neue Tun geankert)
Kli: (weint) Wie ein kleines Kind, der ist jetzt ein Baby geworden. Du tust mir so leid.
Ich kann dich so akzeptieren. (weint)
Th: Ist der jetzt noch aggressiv?
Kli: Nee. Der sagt nur so kann es gehen
Th: Ah, ja.
Kli: Mein Schutzengel sagt, das hat manchmal auch seine guten Seiten, wenn man alleine ist.
Th: Ah, ja.
Kli: Aber es tröstet mich halt nicht.
Th: Wie reagiert er denn da drauf, wenn du ihm das so sagst?
Kli: Der sagt bloß, das hat auch seine gute Seiten.
Th: Kann er dir mal zeigen oder erklären wo daran die guten Seiten sind?
Kli: Der sagt, daß für mich die Einsamkeit manchmal ganz wichtig ist, weil ich sonst nicht an mich selber denke. Durch die Einsamkeit finde ich wieder zu mir selber. Komme ich wieder in Kontakt mit mir selber, weil ich mich verloren habe. Ich spür mich aber manchmal nicht besonders gern selber, das muß ich ehrlich sagen. Und an so einem Tag wie heute möchte ich mich am liebsten überhaupt nicht mehr spüren. Und die Einsamkeit, jetzt hab ich sie mir wenigstens mal eingestanden. Th: Ja. Wie fühlst du dich, wie spürt du das jetzt?
Kli: Ich spür, daß das meine Gefühle waren, rauf und runter, rauf und runter, aber ich hätte sie so nicht benennen können. Ich hab nicht gewußt, daß das die Einsamkeit ist und ich habe nicht gewußt, daß es so schlimm ist. (Die Klientin gewinnt tiefe Erkenntnisse über Ihre eigenen, bisher nicht bewußten Gefühle.)
Th: Magst du das der Einsamkeit mal sage.
Kli: Ich bin jetzt erleichtert, daß ich weiß worum es geht. Aber jetzt weiß ich wenigsten was mit mir los ist. Und jetzt weiß ich was mir so weh tut. Jetzt kann ich da hin fühlen.
Th: Magst du jetzt mal die Kleine dazu holen, magst du mal gucken wie es der jetzt geht? (Das Innere Kind steht ja ganz direkt in Verbindung mit der Einsamkeit, dadurch daß sie die Einsamkeit jetzt angenommen hat, hat das auch Auswirkung auf das Innere Kind. Deshalb ist es wichtig die in Verbindung stehenden Energiebilder immer wieder miteinander zu konfrontieren.)
Kli: Die steht da und weint. Warum weinst du denn?
Th: Ja. Nimm sie mal in den Arm.
Kli: Ich bin ab jetzt für dich da, du brauchst nicht mehr weinen.
Th: Wie ist das jetzt für die Kleine, wenn sie so im Arm ist?
Kli: Gut.
Th: Magst du sie mal fragen, wie es ihr ging als du denen vorhin die Meinung gesagt hast?
Kli: Gut, aber jetzt weiß sie nicht so recht, ob die sie jetzt überhaupt noch mögen.
Th: Ist das denn wichtig für sie? Ihr könnt ja jetzt noch mal da hin gehen und nachsehen.
Kli: Die sagen jetzt, es tut ihnen leid, daß sie so waren. Die wollen sich bessern. (Hier zeigt sich die Auswirkung der gekippten Struktur. Die in Verbindung stehenden Energiebilder reagieren anders als vorher.)
Th: Und wie sind die jetzt zu der Kleinen.
Kli: Die sind recht schuldbewußt.
Th: Können die jetzt die Kleine auf den Arm nehmen, geht das?
Kli: Meine Mama kommt und nimmt sie auf den Arm.
Th: Wie ist das.
Kli: Schön.
Th: (Song of lamb zum Ankern) Ja, spür das. Spür wie das ist, wenn die Mama die Kleine auf den Arm nimmt und endlich für sie da ist. (Stärken den neuen Struktur durch das Ankern mit Musik)
Die Klientin weint zuerst leise vor sich hin und ist ganz tief berührt. Das Weinen wird im Laufe der Musik wieder stärker.
Th: Was ist da?
Kli: Die Traurigkeit, daß sie mich nicht mitnimmt. Aber sie wollte mich ja mitnehmen. Aber dann bin ich ja krank geworden.
Th: Wie ist das für deine Mama?
Kli: Die ist ganz traurig. Sie ist total unsicher, was sie jetzt machen soll. Ich spür grad so richtig die Sehnsucht nach meiner Mama.
Th: Sags Ihr, sags ihr in deiner Innenwelt.
Kli: Ich sehn mich so nach dir. Ich hätte dich so gebraucht. (Die Klientin traut sich endlich Ihre tiefste Sehnsucht auszusprechen.)
Th: Wie reagiert sie drauf.
Kli: Sie hat ein schlechtes Gewissen, wie immer. Du hast immer ein schlechtes Gewissen, wenn es um mich geht. Aber tun tust du nichts. Ich kann mit deinem schlechten Gewissen überhaupt nichts anfangen. Ich möcht einfach nur, daß du für mich da bist. Sei doch einfach da für mich.
Th: Dann braucht sie auch kein schlechtes Gewissen haben.
Kli: Nö, sie braucht kein schlechtes Gewissen haben. Überhaupt nicht mehr.
Th: Wie geht es ihr damit.
Kli: Sie sagt, sie kann nicht immer für mich da sein. Sie hat auch noch einen Mann. Aber in meiner Innenwelt kann sie für mich da sein. Und da hat sie den auch schon lang verlassen und lebt mit meinem Papa.
Th: Und wie ist das in deiner Innenwelt, will sie da für dich da sein?
Kli: Ja, da ist sie für mich da. Da ist sie auch für mich da. Vielleicht noch nicht so ganz intensiv, aber mein Papa der ist ganz intensiv da. Und ganz wichtig ist der.
Th: Sag's ihm.
Kli: Du bist ganz wichtig für meinen Sohn und ganz wichtig für mich.
Th: Genau. Ja, wie kann denn deine Mama jetzt für dich da sein?
Kli: Meine Mama ist ja jetzt für mich da. Mama du bist ja jetzt schon ganz oft für mich da und wenn es irgendwo klemmt, dann kommst du schon. Aber wenn du dann dafür einmal weniger kommst und dafür von Herzen kommst dann ist es vollkommen ok. Und nicht weil du denkst du mußt zu mir kommen.
Th: Ist sie damit einverstanden?
Kli: Ja.
Th: Wie geht es dir jetzt?
Kli: Ausgepowert (lacht) und ausgeleert. Einfach, ja ich bin eine große Last geworden. Sozusagen, ich weiß jetzt worum es geht. Ich weiß jetzt wo der Schmerz herkommt und ich weiß wer derjenige ist.
Th: Ja, und du kannst jetzt mit deinem Schmerz in Kontakt gehen und ihm sagen, daß es eine Erleichterung ist, daß du ihn aber noch fühlst, daß er noch da ist.
Kli: Es ist für mich eine Erleichterung, aber ich fühl dich noch, aber ich muß sagen jetzt bist du nicht mehr ganz so mächtig.
Th: Und du kennst ihn jetzt. Du kennst den Schmerz, die Einsamkeit, die Verzweiflung.
Kli: Ja, ich weiß auch wie es sich anfühlt. Kein Wunder, kein Wunder daß es mir so schlecht geht, diesen Schmerz zu fühlen. Denn kein Schmerz ist so schlimm wie dieser. Auch eine schlechte Beziehung nicht. Jetzt verstehe ich auch, warum sich die Leute nicht trennen oder sich trennen wollen, aus Angst vor diesem Schmerz. (Die Klientin erkennt, daß sie in ihrem Leben viel auf sich genommen hat, nur um diesen Schmerz der Einsamkeit nicht zu spüren. Es geschieht ein tiefes Verstehen des eigenen Lebens und das Leben anderer Menschen.)
Th: Ja. Du hast dich diesem Schmerz gestellt und du bist ein ganzes Stück durch diesen Schmerz hindurch gegangen. Wie fühlt es sich an, wenn man ein Stück da durch gegangen ist?
Kli: Man verliert die Angst und den Schrecken und den Schmerz, auch den kann man aushalten. Man hat Angst, man stirbt, aber man stirbt nicht.
Th: Was hast du jetzt noch für einen Impuls, magst du noch nach der Kleinen gucken, wie es der jetzt geht?
Kli: Der Kleinen geht es jetzt auch besser, weil sie weiß, daß ich für sie da bin.
Th: Ja. Und wie geht es dir?
Kli: Ich mag sie einfach.
Th: Ja, genau, sag's ihr mal, das braucht sie.
Kli: Ich mag dich, ich mag dich wirklich, ich mag dich genauso wie meinen Sohn. Du bist das Schwesterle von meinem Sohn.
Th: Ja, genau. Du kannst sie ja mal fragen, ob es wichtig war, sie heute in dir zu finden?
Kli: Ja, und es ist auch wichtig, daß ich in Zukunft für sie da bin. Aber ich weiß gar nicht so recht, wie ich das machen soll. Also, wir können eine Abmachung treffen, wenn ich nicht für dich da bin, mußt du dich bemerkbar machen und mußt dich zeigen. Und dann bin ich auch für dich da.
Th: Vielleicht hat sie ja auch mal Lust mit dir zu spielen?
Kli: Ja, was könnten wir denn spielen?
Th: Was hält sie denn davon, wenn du zum Beispiel mit deinem Sohn unterwegs bist oder zu Hause mit ihm spielst, daß sie dann einfach dabei sein kann?
Kli: Hättest du da Lust mit zu spielen. Ja, aber mit Puppen will sie nicht spielen.
Th: Spielt ihr denn mit Puppen?
Kli: Nein, wir spielen nicht mit Puppen, wir spielen andere Sachen. Mit dem Ball spielen wir zum Beispiel.
Ich mache der Klientin noch den Vorschlag einen Platz für Ihre Kleine in ihrem Körper zu suchen. Sie hat ihren Platz im Herz. Die Klientin ist jetzt doch recht geschafft und möchte einfach noch ein bischen nachspüren. Zum Ankern spiele ich noch den Song of lamb ein.
Nach der Sitzung fühlt sich die Klientin ziemlich erleichtert und ist ganz erstaunt, wieviel Taschentücher sie gebraucht hat. Sie sagt mir, daß das alles ganz intensiv für sie zu spüren war.
Die Klientin machte diese 5 Sitzungen innerhalb von 9 Tagen ( 28.04. – 06.05.2001). Die 6. und 7. Sitzung erfolgt jeweils im Abstand von einer Woche. Nach diesen 7 Sitzungen fühlt sie sich soweit stabil, daß sie nächste Sitzung erst 4 Wochen später bucht.
In diesen weiteren Sitzungen setzt sie sich intensiv mit ihrem ersten Sohn und Ex-Mann auseinander. auch hier findet eine Annäherung statt, und sie schafft wieder eine Verbindung zwischen ihrem 1. Sohn und ihrem kleinen Sohn. Auch das Thema Großmutter wird noch in einer Sitzung sehr heftig aus agiert. Die Großmutter gibt letztlich klein bei und muß als Strafe beim Tod den Haushalt führen. Damit geht es der Klientin sehr gut. Eine Aussöhnung mit der Großmutter ist noch nicht möglich. Zu groß ist noch die Verletzung. Die Klientin fühlt sich der Großmutter zumindest neutral gegenüber und sie hat das Gefühl, jetzt endlich Macht über sie zu haben.
Zu einer weiteren Sitzung kommt die Klientin erst 3 Monate später wieder. Diese Sitzung war dann auch die letzte Sitzung. In dieser Sitzung geht es um die Angst, die ihr die Ärzte machen.
In den dazwischen liegenden 3 Monaten hat sie sich dem Druck der Ärzte gebeugt und sich einer Nachoperation unterzogen. Der operierende Arzt und ihre Hausärztin haben sie derart unter Druck gesetzt und die Klientin sogar immer wieder zu Hause angerufen und ihr die schlimmsten Horror-Szenarien über ihren Krebs ausgemalt. Bei der Nachoperation wurde nichts mehr gefunden!!!
Die Klientin hat begleitend zu ihren Synergetik-Sitzungen, auf Anraten der biologischen Krebsabwehr in Heidelberg Enzyme und Mistelpräparate zur Unterstützung eingenommen. Die biologische Krebsabwehr hat der Klientin von einer Nachoperation und einer Chemotherapie abgeraten. Sie haben ihr geraten, außer der Misteltherapie und den Enzymen auch noch an sich selbst zu arbeiten. Vorschlag war Familienstellen nach Bert Hellinger. Sie hat dem Arzt dort mitgeteilt, daß sie sich für die Synergetik-Therapie entschieden habe. Der Arzt hatte dagegen nichts einzuwenden.
Das Mistelpräparat hat nach Auskunft eines anderen Arztes (die Klientin hat sich bei weiteren Ärzten informiert und auch untersuchen lassen) sehr gut angesprochen, so daß es frühzeitig wieder abgesetzt werden konnte.
Im Spätsommer habe ich mich mit der Klientin noch mal auf privater Ebene getroffen. Sie berichtete mir, daß sich der Kontakt zu ihrer Mutter weiter verbessert hat, und daß sich auch wieder Männer für sie zu interessieren beginnen. Das war vor den Sessions nicht der Fall. Die Klientin fand es sehr schön, endlich wieder wahrgenommen zur werden.
Kurz vor Weihnachten 2001 hatte ich den letzten Kontakt zur Klientin. Sie fühlte sich stabil und es ging ihr sehr gut.



Synergetik Therapie Institut
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Zuletzt aktualisiert am: 18-Dez-2002 14:20
made by Kerstin Kellermann