Sitzung 4: Hautübergabe
(Zu Beginn der Sitzung wird klar, dass die Kl. die Konfrontation mit dem Gefühl
unbewusst vermeidet):
Sie ist die Treppe hinabgestiegen, bleibt auf der letzten Stufe stehen und sieht
ein dunkles Loch vor ihr. Sie hat keinerlei Gefühl dafür, ob es angenehm
oder unangenehm ist, sondern findet es langweilig. Dann meldet sich eine körperliche
Anspannung mit der sie trotz mehrfacher Ebenenwechsel und Zeit rein zu spüren,
wie das für sie ist nicht in Konfrontation gehen kann. Sie weicht auf rationale
Erklärungen aus und meint zum Arzt zu müssen, hat aber keine Lust darauf.
Auch die Unlust zu spüren bringt die Energie nicht in Fluss. Sie spürt
die Verkrampfungen stärker. Sie fühlt starken Druck auf dem Brustkorb,
die Th. verstärkt ihn auch durch Aufdrücken eines Kissens, doch sie
geht trotz mehrfacher Ermunterung und Aufforderung in keine Reaktion, sie bleibt
passiv. Sie kann nicht damit in Kontakt gehen und sich auch nicht zeigen lassen,
wo die Krämpfe entstanden sind. Dann spürt sie schließlich einen
Schmerz in der Herzgegend und in der Schulter, den sie nicht „so schön
findet“:
Th.: ja spür mal rein, was heißt das ‚nicht so schön’,
kannst Du das konkreter sagen?
Kl.: es schmerzt
Th.: ja genau, sag es mal dem Schmerz, der da sitzt
Kl.: Du bist unangenehm!
Th.: wenn Du diesem Schmerz eine Gestalt geben wolltest, wie säh der aus
Kl.: hm----- ich weiß nicht, ich ertrage das im Moment
Th.: ja, genau, wie ist das für Dich, das zu ertragen?
Kl.: ja, es ist unangenehm, weil das bis jetzt hier oben hinzieht irgendwie, dieser
Schmerz der streut da so ein bisschen aus
Th.: sag’s mal dem Schmerz
Kl.: Du streust aus bis in die Schulter hinein
Th.: spür’s mal, wie ist das für dich, was macht das mit dir?
Kl.: weiß nicht, ich bin irgendwie so machtlos
Th.: sag’s ihm mal konkret, gegen Dich bin ich machtlos
Kl.: gegen Dich bin ich irgendwie im Moment machtlos
Th.: spür’s einfach mal diese Machtlosigkeit, --- Pause --- was macht
das mit Dir, dagegen machtlos zu sein?
Kl.: ja, ich weiß nicht: aber ich könnt ja auch hier losbrüllen
oder etwas wegreißen oder so, aber irgendwie habe ich den Impuls gar nicht
dafür
(Vermeidung drückt sich weiterhin aus, sie kann es aber benennen, da Ebenenwechsel
und Direktansprache nicht weiter führen wechselt die Th. zur Klaus Lange-Methode
über.)
Th.: nimm einfach mal wahr, wie du es aushälst, Dich machtlos fühlst...----
Kannst du sowas sagen wie ‚Machtlosigkeit ich nehm dich wahr’?
Kl.: hm, ja, Machtlosigkeit ich nehm Dich wahr
Th.: hm, ja spür das mal, ------- geht auch sowas wie ‚Machtlosigkeit,
du bist ein Teil von mir’
Kl.: ---ausatmen ---
(Die Klientin stockt auch hier, woraufhin ihr die Th. spiegelt, was sie wahrnimmt:)
Th.: Das Gefühl der Machtlosigkeit ist ja relativ stark, ne? und es ist kein
Impuls da, es abzuwehren, ne?
Kl.: nee, gar nicht, ich hätte gedacht, dass ich mich dagegen wehren würde
oder so. Tu ich aber nicht!
Th.: spür das mal, wie ist das für Dich, Du hättest gedacht Du
wehrst Dich, tust es aber nicht
Kl.: hm . . . ---schnaufen---
Th.: ja, was ist dieses... schnaufen
Kl.: ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll
Th.: macht es Dich ratlos? ist es so was?
Kl.: ja, kann ich im Moment gar nicht viel damit anfangen. Kommt mir gar nicht
irgendwie was, wo ich... hm
Th.: kennst du das? diese Ratlosigkeit, diese Machtlosigkeit?
(Sie spürt ihre Machtlosigkeit nun stark. Sie ist an einem tiefen, zentralen
Punkt angekommen und der Ebenenwechsel könnte sie dorthin führen, woher
sie das kennt)
Kl.: ja ---Pause--- ja, ich kenn das eigentlich in den Situationen, wo ich das
Gefühl habe, dass andere mich nicht verstehen! ---spricht zögerlich---
Th.: ja!!
(Thema gefunden! J wenn lange nichts hilft, hilft Klaus Lange J)
Kl.: oder dass sie in das, was ich sage, etwas hineinlegen, was ich so gar nicht
gemeint habe
---sprudelnder Redefluss---
Th.: nimm doch mal so eine Situation, geh doch mal in eine rein, wo die Leute
dich nicht verstehen
Kl.: ja, ich glaube die hatten wir schon mal, wo ich meinen Mann gebeten hatte,
dass wir mal irgendetwas gemeinsam ohne die Kinder unternehmen und er mir dann
ja gesagt hat: ‚Ach ja, ich weiß, Du wolltest ja eigentlich auch gar
keine Kinder!’ wo sowas in diese Aussage von mir, ...die einen ganz anderen
Hintergrund hatte... etwas hineininterpretiert worden ist ---Zögern und Empörung
in der Stimme ---
Th.: geh doch mal rein in die Situation und spür mal, wie das ist
Kl.: oh, ich könnt dann, ... oh, ich könnt dann... ---Stimme wird lauter
und empörter--- richtig sauer werden, dann könnte ich ihn echt schlagen!!
Th.: genau, probier es einfach mal
Die Th. gibt ihr den Schlagstock in die Hand und die Kl. kommt von selbst hoch
und schlägt eine Weile kräftig unter Tönen und Wimmern. Die Th.
bestärkt sie dabei mit Worten und Mitschlagen.
(Diese Intervention bewirkt, dass die Spannung, die in der Klientin als Gefühl
und Bild abgespeichert ist, durch das Schlagen und rufen ins Fließen kommt.
Zudem findet eine Rückkopplung über das Geräusch und die Bewegung
statt. Dabei werden nicht nur Muskeln bewegt, sondern auch Hormone wie beim Sport
freigesetzt, die letztlich zur Entladung führen. Die Wirkung ist allerdings
höher als beim Sport allein, da die Entladung im Zusammenhang mit dem Bild
und den Gefühlen stattfindet. Je mehr Energie abfließen kann, desto
höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Bild und das damit verbundenen
Gefühl sich wandelt. Die Tatsache, dass die Th. mitschlägt unterstützt
und fördert den Prozess, wenn es dosiert und angemessen ist.)
Th.: und guck ihn an, wie reagiert er?
(Überprüfung der Wandlung)
Kl.: da ist er natürlich wieder entsetzt
Th.: ja, wie ist das für Dich, wenn er entsetzt ist?
Kl.: ja, das ärgert mich dann auch wieder, weil er dann wieder aus dem Thema
kommt
Th.: sag’s ihm
Kl.: ja, das ärgert mich, weil Du dich dem Thema dann nicht stellen musst,
sondern dann hast Du wieder was zu motzen an meinem Verhalten
Th.: ja, genau
Kl.: dann könnt ich Dich echt schlagen! ---Drohung und Verzweiflung in der
Stimme---
Th.: magst Du es mal ausprobieren?
Kl.: Schlagen?
Th.: Willst Du mit den Händen oder mal mit dem Stock auf den Boden schlagen?
Probier das einfach mal! ---Sie greift den Schlagstock und probiert zu schlagen---
genau, spür das mal
Kl.: ---schlägt und wimmert---
Th.: ---bestärkt die Kl.:--- und mach einen Ton.... und raus damit . . .und
guck ihn an, wie reagiert er?
(Töne rauszulassen ist auch eine Art die Spannung abzulassen. Die Unterstützung
durch die Th. erleichtert es der Kl. sich zu überwinden.)
Kl.: entsetztes Gesicht natürlich
Die Th. hält sie mit ihrem Mann in Kontakt, die Kl. spürt dann, dass
sie sich schlecht fühlt und das nicht will.
(Daher führt die Th. sie noch weiter zurück, um an die Ursache zu kommen,
indem sie fragt, woher sie das kennt. Sie gelangt damit noch tiefer.)
Kl.: ach, bestimmt von meiner Mutter und von allen Leuten rund um mich rum
(Auch hier sträubt die Kl. sich unbewusst noch dagegen, da sie es sehr lustlos
und resigniert sagt.)
Th.: lass Deine Mutter auch mal da sein
Kl.: hm ja
Th.: woher kennst Du das: ich will mich nicht schlecht fühlen, wenn sie wieder
entsetzt guckt
Kl.: ja, auch Situationen genug
Th.: geh mal zurück in eine, welche kommt da als erstes
(Es geht darum, die Prägungsebene zu erreichen.)
Kl.: da fällt mir die ein von unserer Hochzeit, weil....---sie kratzt plötzlich
heftig und fuchtelt heftig am Hals herum.---
(Ein Kernpunkt ist erreicht, da nun auch die Körperreaktionen ihrer eigentlichen
Erkrankung auftreten.)
Th.: jaaa, spür mal.... was kratzt da?
Kl.: ja der Hals, aaah, ja der Hals juckt da ---sie kratzt heftig weiter---
Beim Kratzen erzählt sie, dass die Hochzeit nicht groß gefeiert werden
konnte und nicht nach ihren Vorstellungen und es den Eltern nur ums Geld ging
und sie meinten es sei zu früh.---
Kl.: --- sie spricht dann direkt ihre Mutter an:--- weil du immer mäkelst,
dass wir zu früh .... und dann geht es finanziell nicht so, wie Du Dir das
vorgestellt hast!! ...und mein Vater darf bei der Hochzeit sowieso nicht dabei
sein!! --- (die Eltern sind geschieden seit sie 15 ist)---- und da habe ich das
einfach nicht gesagt, dass wir bei Schwiegereltern da schön Mittagessen und
von da aus alle in die Kirche fahren und uns dann da mit Euch treffen!! ....und
da fühlte sie sich wohl von mir hintergangen oder was (sie weicht wieder
in die indirekte Ausdrucksweise aus.)
Th.: sag’s ihr direkt
Kl.: Du fühlst Dich von mir hintergangen und dabei habe ich das Gefühl,
dass diese ganze Hochzeit Dir nur lästig ist, Dich nur was kostet und ich
dauernd das Gefühl hab, ich nehm zu viel Geld!! Und ich nehm zu viel in Anspruch,
ich fühl mich beschissen in der Situation, ich habe mir eine Hochzeit immer
anders vorgestellt!!!
Th.: willst Du Dich beschissen fühlen?
Kl.: nein, überhaupt nicht, ich will eigentlich was fröhliches, ich
möchte, dass alle sich freuen darüber, dass ich heirate und nicht, dass
das ein Fest ist, was nur kostet und nur Ärger bringt, nur alle anstrengt
und..... ach, furchtbar!!!
Th.: genau: spür das mal, wie ist das für Dich?
Kl.: entsetzlich
Th.: sag’s ihr
Kl.: ich find’s entsetzlich, es hat mich so angestrengt!!
Th.: genau, sei mal drin, sag’s mal in der Gegenwart
(Je stärker die Wahrnehmung wieder präsent ist, desto näher kann
die Kl. an ihr Gefühl kommen.)
Kl.: es strengt mich wahnsinnig an!! Und ich habe eigentlich überhaupt keine
Lust dazu, mit Euch das überhaupt zu machen!
Th.: komm mal hoch spür das mal und sag’s ihnen mal
(Die Konfrontation ist noch direkter, wenn sie nicht liegt und die Körperimpulse
können spontaner und leichter umgesetzt werden, wenn sie in der Senkrechten
ist.)
Kl.: was?
Th.: das ist mit Euch, wozu hast du keine Lust?
Kl.: ja mit der Familie!!!
Th.: genau sag’s ihnen direkt
Kl.: ich habe keine Lust --- Sie greift unwillkürlich zum Schlagstock, den
sie ja schon kennt und schlägt spontan kräftig damit auf den Boden.
Sie hat allerdings noch keine große Kraft dahinter--- das irgendwie mit
Euch zu machen
Th.: und verleih dem mal Nachdruck!
(Diese Intervention dient dazu wirklich die volle Ladung abfließen zu lassen
und nicht nur die „Spitze des Eisberges“. Das ganze wird noch unterstützt
mit dem Lauterdrehen der Musik.)
Kl.: ich habe keine ---schlägt kräftiger--- Lust das mit Euch zu machen,
weil ich dauernd nur das Gefühl habe ich bin hier ein Bittsteller und es
passt nicht und es bringt nur Ärger!!
Th.: was bringt nur Ärger, Du bringst nur Ärger?
(Provokation der Th. um die Gefühle besser zum Fließen zu bringen)
Kl.: weiß ich nicht, alles, die ganze Situation ---wütende Stimme---
der Umstand, grrrr, am liebsten würde ich alles abblasen!!
Th.: sag’s ihr, guck sie an dabei
Kl.: ich würde es am liebsten alles abblasen, weil du mich ankotzt mit Deiner
ganzen Art, weil du einem ewig so ein Schuldgefühl zuweist, dass ich jetzt
auch noch heiraten will
Th.: genau, ganz genau, was ist das für ein Scheiß Schuldgefühl,
dass du jetzt auch noch heiraten willst, dass du zu viel oder was kostest..
Kl.: eklig ist das!!
Th.: genau
Kl.: ich hab immer erwartet, dass der andere sich dann freut
Th.: sag’s direkt, sag du
Kl.: dass du dich freust, dass alle Mühe.... ich glaub, die hat sich nie
gefreut
(Sie weicht wieder in die indirekte Ansprache aus, was weiterhin zeigt, wie schwierig
es für die Kl. ist, in Konfrontation zu bleiben.)
Th.: sag’s ihr
Kl.: ich glaube du hättest Dich nie gefreut (sie verwendet unwillkürlich
den Konjunktiv. Es bleibt schwierig für sie).
Th.: sag’s ihr direkt
Kl.: das ist eine Erwartungshaltung, die ich da an mich habe,.... die ist glaube
ich zu hoch
Th.: sag’s ihr einfach mal, dass Du es gerne gehabt hättest
Kl.: ich hätte gerne meine beiden Eltern gehabt, die sagen: das ist herrlich
und das ist alles in Ordnung und wie möchtest Du es haben und schön
soll es sein und...
Th.: hol se jetzt mal beide dazu, lass Deinen Vater auch mal da sein
Kl.: ja ist er . . . ja ich hätte es mir auch von Dir gewünscht
Th.: genau
Kl.: ---ihre Stimme wird milder--- dass ihr euch zusammen freut, dass eure Tochter
heiratet und ihr hier etwas ganz besonders schönes mitgeben könnt, dass
alles eine große Gemeinschaft ist und nicht nur diese lächerlichen
13 people, die wir sowieso in der Familie nur sind und sonst keiner
Th.: sag es ihnen mal ganz konkret
Kl.: Es hätte mich gefreut, dass es viele aus der Verwandtschaft noch gewesen
wären, die wir dazu eingeladen hätten und nicht nur hier Schwiegereltern
und Geschwister mit Anhang, sondern wirklich ein großer Bereich, ein fröhlicher
Bereich, wo getanzt wird, wo gelacht wird, wo einer ne nette Rede hält
Th.: sag’s mal in der ich Form, ich wünsch mir dass ich
Kl.: ich wünsche mir, dass ich an meiner Hochzeit lachen kann, dass ich Freude
hab, dass alle fröhlich sind, alle um mich rum sind, dass sie dieses Fest
genießen, dass ich es genießen kann
Th.: wie ist es jetzt?
Kl.: mit mir?
Th.: jetzt, in dieser Situation
Kl.: kann ich mich nicht freuen
Th.: ja genau, sag’s ihr mal
Kl.: ich kann mich nicht freuen, ich habe das Gefühl ich bin Dir lästig,
es ist Dir alles lästig, was mit mir zu tun hat
Th.: guck sie an dabei, wie sieht sie aus, wie reagiert sie
Kl.: sie guckt natürlich wieder entsetzt, weil sie solche Ausbrüche
nicht mag von mir
Th.: wie ist das, wenn sie so entsetzt guckt? spür mal, wie Du Dich festhältst
(Die Kl. hält sich an sich selbst fest und schlägt die Arme vor die
Brust, wie um sich zu schützen.)
Kl.: ich mag das nicht und die Beine tun weh
Th.: ja genau, was macht das mit Dir, wenn die Beine so weh tun
Kl.: es ist unangenehm
Th.: genau, drück das mal aus
Kl.: widerlich, also ich fühl mich dann immer ganz unwohl, irgendwie habe
ich dann immer das Gefühl ich gehöre irgendwie gar nicht dazu, alles
ist ihr zu viel --- sie wird zur direkten Ansprache aufgefordert--- ich habe immer
das Gefühl: Dir ist alles zuviel, was mich betrifft und dass Du diese Scheißaufgabe
des Kindererziehens nun noch übernehmen musst, so komm ich mir immer vor!!!
Aber ich habe nie das Gefühl, dass es auf eine liebevolle Art arrangiert
wird.
(Die Energie ist plötzlich weg. Der Mangel an Liebe wird deutlich. Resignation
kommt auf. Es ist bis hierher zwar Energie abgeflossen und die Kl. konnte ihren
Frust rauslassen, doch die Energie reicht nicht für Veränderung.)
Kl.: ich weiß nicht, ich fühl mich nie frei
Th.: genau, sag’s ihr ich fühl mich nie frei
(Die Th. hält sie in der Konfrontation, um ihr nochmals die Möglichkeit
zu geben, Ladung abfließen zu lassen.)
Kl.: ich fühl mich in deiner Gegenwart nie frei!! --- sie schlägt wieder
--- sondern immer trag ich dann so ein Schuldgefühl mit mir rum, dass ich
etwas verlange, was mir nicht zusteht!!!
Th.: wie guckt sie, wie reagiert sie?
Kl.: ja, bisschen schockiert (erste Wandlung des Bildes?)
Th.: wie ist es für Dich, wenn sie schockiert guckt?
Kl.: ja, so ein bisschen entsetzt, dass ich diesen Ausbruch habe.
Th.: ja, ist das schon Ausbruch? Spür mal rein, reicht das schon?
(Hier ist eine Wende möglich: wenn die Kl. genug Energie hat sich der Konfrontation
zu stellen, kann Spannung weiter abfließen. Im anderen Fall geht sie davon
weg und konfrontiert sich nicht weiter, daher versucht die Th. sie weiter zu provozieren,
um sie in Kontakt zu halten.)
Kl.: weiß ich nicht
Th.: würdest Du am liebsten noch mehr tun?
Kl.: ne
Th.: spür mal rein, was ist Dein Impuls, was würdest Du am liebsten
machen, sag ihr doch mal, ich will gerne frei sein
Kl.: am liebsten würde ich weggehen und meinen Scheiß ganz alleine
machen
(Sie hat anscheinend nicht die Kraft oder den Willen sich weiter zu konfrontieren.)
Th.: wie reagiert sie?
Kl.: Was ist es? Wie reagiert sie? Eigentlich so ein bisschen so, „dann
mach’s doch!“
Th.: wie ist das für Dich, wenn sie so reagiert?
Kl.: ja, auch komisch
Th.: genau, was macht das mit Dir?
Kl.: da ist eine gewisse Ratlosigkeit
Th.: ja, da ist sie wieder, die Ratlosigkeit, spür das mal (hier dreht es
sich im Kreis)
Kl.: da sitz ich da mit meiner Ratlosigkeit
Th.: ist es mehr so, dass du dir doch eher wünschst dass sie dich halten
könnte, dass sie dich zurückhält?
Kl.: mir wär’s recht, wenn sie’s sagen würde
Th.: sag’s ihr direkt
Kl.: wenn du sagen würdest: ‚ach Mensch, das soll doch alles schön
sein und ich möchte auch dass Du hier bleibst’ , aber das tut sie nicht
Th.: Forder’s doch mal ein, jetzt in der Innenwelt
(Die Th. macht ihr klar dass in der Innenwelt andere Dinge möglich sind,
als sie es aus der Außenwelt kennt.)
Kl.: jetzt sag mir doch mal, dass ich hier bleiben soll ---Stimme ist wenig energisch---
Th.: reagiert sie?
Kl.: nee
Th.: guckt sie Dich überhaupt an?
(Diese Intervention dient der Überprüfung des inneren Kontaktes: je
näher sie hinschaut, desto intensiver wird der Kontakt.)
Kl.: ja doch, sie guckt mich schon an, aber das bringt sie nicht auf die Reihe
zu sagen: ’ich möchte dass Du hier bleibst, es würde mir was fehlen
oder so’
Th.: ja wie ist das für Dich, wenn sie das nicht auf die Reihe bringt?
(Die Th. versucht sie weiter auf die Gefühlsebene zu bringen.)
Kl.: ja ich sack so ein bisschen ein und fühl mich nicht wohl dabei. ...
Bin eben ratlos so,....trau mich aber auch nicht, einfach zu gehen.
Th.: wie ist das für Dich, Dich nicht zu trauen zu gehen, sie hält Dich
aber auch nicht
(weitere Intensivierung ins Gefühl zu gehen)
Kl.: auf gut Deutsch gesagt: bescheiden
Th.: spür das mal, ist so eine Mutter?
(leicht suggestive Provokation, um sie weiter mit ihrem Gefühl in Kontakt
zu bringen))
Kl.: also ich bin ---unverständlich---
Th.: ja, sag’s ihr mal
Kl.: ich denke das ist kein Verhalten für eine liebevolle Mutter
Th.: genau, spür mal rein, wie ist es für Dich, was ist das für
ein Verhalten?
Kl.: ein Ablehnungsverhalten von ihrer Seite
Th.: sag’s ihr direkt
Kl.: Du lehnst mich ab, Du hast mich immer abgelehnt, deshalb habe ich wahrscheinlich
auch diese scheiß Neurodermitis, weil wir nicht warm geworden sind --- jetzt
sprudelt es auf einmal aus ihr heraus--- und ich Idiot mach das auch noch für
dich!!! --- sie erhebt die Stimme, zeigt aber keine Anzeichen von Wut oder Ärger---
Das habe ich mir schon so oft gedacht und trotzdem juckt es mich, dass ich eigentlich
für Dich Deinen ganzen Ärger auslebe!
Th.: leb ihn doch einfach mal aus, lebst Du ihn schon aus?
Kl.: nee
Th.: spür mal, wie du da sitzt?
(Der Ebenenwechsel auf die Körperebenen kann den Prozess wieder in Gang bringen.)
Kl.: ja wie so ein zusammengesunkenes Häuflein
Th.: und trotzdem ist da so eine Anspannung: Du hältst Dich am Kissen fest...
Kl.: ja, an mir selber
Th.: spür mal dieses angespannt sein, dieses Festhalten
Kl.: aber ich könnte jetzt nicht wütend hier rumschreien, wirklich!!
Th.: was ist es, was hemmt Dich, was fehlt Dir?
Kl.: weiß nicht, irgendwie noch mehr Zorn, irgendwas, wo ich sie prügeln
könnte
Th.: geh doch mal in so eine Situation, wo Du sie geprügelt hättest!
Gibt es da eine?
Kl.: ach da gibt es so viele!!! Wenn ich ihre.... wenn man ihr etwas gesagt hat,
was einem,...wo man selber eigentlich betroffen war und sie einen dann so angeguckt
hat, als wenn sie sagen wollte: --- ahmt die Stimme der Mutter nach:--- „So
einen Scheiß hab ich ja noch nie gehört!“
Th.: Geh doch mal in so eine Situation!
Kl.: ja, ich kenn dieses Gesicht, da könnt ich.... da könnt ich dann
rechts und links und nochmal kräftig reinhauen!
Th.: tu es doch mal
Kl.: ---regt sich auf--- ich könnte sie echt kloppen!! dieses Gesicht!!!
Th.: wie ist denn das Gesicht?
Kl.: so ein bisschen hämisch, einen auslachend und.... hach!!
Th.: sag’s ihr direkt, guck sie an!
Kl.: du nimmst mich nicht ernst, du sagst mir: --- ahmt wieder die Stimme nach----‚so
einen Scheiß habe ich nur selten gehört! hach Gottchen ne, solche Gemütsbewegungen,
soo...’
Th.: wie ist das für Dich, so etwas zu hören: ‚solche Gemütsbewegungen’
Kl.: ja, das ärgert mich
Th.: ja genau, sag’s ihr, du ärgerst mich!
Kl.: Du ärgerst mich, das finde ich auch gemein, dass Du mich so abwertest
und Dich da überhaupt nicht mal bemühst zu verstehen, was ich eigentlich
meine
Th.: wie reagiert sie darauf, wenn Du das sagst
Kl.: ---ruft:--- dieses Gesicht! ---Empörung in der Stimme---
Th.: jaa.... ja, was macht das Gesicht?
Kl.: das bleibt, das sollte mich eigentlich noch mehr auf die Palme bringen
Th.: spür doch mal was es mit Dir macht, dieses Gesicht!
Kl.: grrrr ---sie wird wütend und greift nach dem Schlagstock---
Th.: ja genau! Probier’s mal! ---sie schlägt auf den Boden--- ja guck
hin,--- sie schlägt weiter und gibt wütende Geräusche von sich---
ja genau!!
Die Klientin schlägt kräftig und ausdauernd unter lauten Tönen
auf den Boden. Die Th. unterstützt sie dabei durch Worte und hält sie
dazu an hinzuschauen. Die Kl. schlägt weiter und macht wütende Geräusche---
dann verschwimmt das Gesicht vor ihren Augen und sie stellt fest, dass es nichts
bringt: das Raushauen---
Th.: ja, was ist Dein Impuls, was wäre besser, spür mal rein, wie ist
das, wenn’s verschwindet, dieses Gesicht? ---der Prozess stockt, woraufhin
die Th. einen Ebenenwechsel einleitet. ----
Th.: spür mal, was ist jetzt in Deinem Körper?
Kl.: so eine gewisse Entspannung
(Hier zeigt sich, dass bereits etwas geschehen ist. Zuvor waren die Aussagen Reflektion,
aber nun spürt sie Entspannung im Körper, d. h. eine gewisse Entladung
auf der Körperebene hat bereits stattgefunden.)
Th.: ja, atme einfach mal tief ein!...Spür mal rein in Deinen Körper,
wo sitzt noch was?
Kl.: in den Beinen
Th.: ja genau
Kl.: das kann aber auch vom Sitzen kommen
Th.: komm mal hoch, kannst auch mal auf die Knie gehen!.... Spür mal, was
würdest Du Deinen Beinen am liebsten antun wollen: aufstehen, sich bewegen...
Kl.: anspannen, entspannen
Th.: ja, spür einmal wie es mit den Beinen ist,---- die Kl. steht kurz auf
und legt sich wieder hin und entspannt die Beine auf denen sie die ganze Zeit
gehockt hat--- genau! .... Wie sieht Deine Mutter aus? Hol mal Deine Mutter her
und Deinen Vater auch und zeig’s ihnen mal, wie Du Dich hier abmühen
musst, was mit Dir ist, nur weil immer dieses blöde Gesicht kam
(Die erneute Konfrontation kann nun nach dem Ebenenwechsel schon anders sein.)
Kl.: ja, wieso müh ich mich hier ab? Das ist euer Bier! ....Ich weiß
es nun doch schon endlos lange, dass es nicht meine Sache ist, euch das abzunehmen!!!
Th.: --- unterstützt durch zureden --- willst du es ihnen zurückgeben?
Kl.: Das ist zum Kotzen! Wieso bin ich so dämlich und lass diesen ganzen
Ärger, den ihr wegen mir hattet, weil ich kam, wo es euch nicht gepasst hat...
oder was weiß ich,... oder weil ich ein Mädchen war,...Warum lass ich
das nicht bei Euch? .... und nehm ich Euch das ab, das kann mich doch dumm ärgern!!?!
--- sie bekommt eine vehementere Stimme---
(Hier zeigt sich noch ein anderer Zusammenhang. Die Kl. kommt noch eine Ebene
tiefer in Richtung Prägungsebene.)
Th.: ja genau, spür das mal!
Kl.: und das diese fünfzig Jahre lang!!
Th.: willst du das?
Kl.: ---schimpft laut--- nein, ich will das loswerden endlich!
Th.: dann werd’s doch mal los
Kl.: ich habe das Gefühl, die Haut engt mich ein und das geht alles hier
hoch --- sie beschreibt mit den Armen, die Enge und das Gefühl am Hals und
Nacken---
Th.: ja genau spür das mal
Kl.: und das wird immer mehr und nur weil ihr Deppen da mit Euerm Scheiß
nicht zurecht gekommen seid! Seit 50 Jahren und über die ganze Lebensspanne
im Prinzip nicht und ich zieh mir diese Haut an, die mich gar nichts angeht! Ich
lass das bei Euch da mit dem Scheiß! Du kannst das mit ins Grab nehmen ---
war in Richtung Mutter gesprochen--- oder hast es schon --- in Richtung Vater
gesprochen--- und Du --- Mutter--- nimmst es hin, wo immer Du auch willst, aber
lasst mich in Ruhe damit! --- sie wird immer verzweifelter und lauter mit der
Zeit---
Th.: genau, ganz genau
Kl.: ach manno!
Th.: und guck mal hin, nehmen sie es an?
Kl.: nehmen sie es an, wie sehen sie denn aus?---Pause-- ein bisschen betrippelt.
Th.: wie ist das für Dich, wenn sie so bedribbelt aussehen?
Kl.: ja vielleicht... kapiern se jetzt endlich mal was?!
Th.: frag sie!
(So geben die inneren Energiebilder und –Personen Antwort und nicht so sehr
der Verstand.)
Kl.: kapiert ihr das jetzt endlich mal, was ihr mir da oder was ich mir da angezogen
habe für Euch? Ich will ja noch nicht mal sagen, dass ihr es mir bewusst
gegeben habt! Ich hab’s halt angenommen und ich will den Scheiß nicht
haben! Ich will dass ihr ihn selbst behaltet und euch alleine kratzt!!! --- dabei
juckt es sie und sie fuchtelt wild mit den Armen und versucht sich zu kratzen
---
Th.: und spür mal was in Deinem Körper vorgeht, wie Du Dich verhältst,
.... genau, spür mal: Du kannst es einfach mal ausprobieren, das mit dem
Schlagen rauszulassen!
(Da die Energie noch nicht abgeflossen war und die Stimmlage noch Ladung verrät,
schiebt die Th. ihr erneut den Schlagstock zu.)
Kl.: murmelt und schlägt
Th.: probiers einfach mal, genau!!!
Kl.: schlägt
Th.: sag denen mal direkt: ich bin es leid, ich will es loswerden, ich habe diese
Haut satt
Kl.: Mist, euretwegen wird diese Scheißhaut, die mich quält, die mich
nach dem Baden zwickt ---schlägt währenddessen---
Th.: ja genau und sie solln es sich angucken
Kl.: schimpft unverständlich und schlägt---es ist euer Scheiß
Th.: genau und guck sie an, wie reagieren sie?
Kl.: bisschen schockiert, ---schlägt weiter---
Th.: genau
Kl.: und ich kann da auch noch einen draufhauen und ich will, dass ihr das jetzt
mitnehmt ---schlägt ---
Th.: ja, genau
Kl.: und mich in Frieden lasst
Th.: sag es ihnen direkt, lasst mich in Frieden
Kl.: lasst –schlägt-- mich –schlägt-- in ---schlägt---
Frieden –schlägt-- mit euerm ganz persönlichen (--unverständlich--)
mit eurem Zank und Streit und eurer Unzufriedenheit ---schlägt---
Th.: genau und guck hin, wie reagieren sie, immer noch entsetzt?
Kl.: weiß nicht so, irgendwo sind sie noch, aber nicht so direkt
Th.: einfach abgehauen, aha, war ihnen das zu heftig oder wie?
Kl.: nein irgendwo sind sie, aber ich kann nicht orten wie sie aussehen oder wie
sie mich angucken
Th.: wie ist das für Dich
Kl.: die gucken sich gegenseitig an, so nicht mir zugewandt
Th.: so nach dem Motto was ist denn mit der?
Kl.: ich bin sauer ---schlägt--- falls ihr das noch nicht kapiert habt (und
man sieht und hört sie heftig schlagen, so dass sie mit der Musik und dem
Geräusch nicht immer verständlich ist.)
(Für den synergetischen Prozess ist aber auch wichtiger, dass das Gefühl
zum Ausdruck gebracht wird und die Spannung abfließen kann. Der genaue Wortlaut
ist hier nun weniger wichtig.)
Th.: unterstützt--- ja genau, spür mal, was sitzt da noch?
Kl.: (--unverständlich--)
Th.: dann sag ihr mal sie soll mal hergucken
Kl.: ich will jetzt, dass ihr euch endlich das mal anhört ---schlägt
laut und heftig--- dass ich keine Lust mehr hab immer mit solchen Schuldgefühlen...
---unverständlich--- hab ich euch irgendwas getan??!! ich will mein ----unverständlich---
und lasst euern Kram bei euch!!! ---schlägt---
Th.: was ist denn das? ‚euer Kram’ (je konkreter um so besser)
Kl.: euer Zank, euer Streit und meine Mutter, dass sie im Prinzip mit ihrem Leben
nicht fertig wird ---schlägt und ruft laut und wütend--- Du wirst mit
deinem Kram ja selber nicht fertig, deshalb hast du mich immer damit belastet,
kannst du nicht dies machen, kannst du nicht das machen ----schlägt die ganze
Zeit weiter ---- und deinen Umzug kannst du alleine machen!!!
Th.: sag’s ihr
Kl.: außerdem hast du ja jemanden gefunden, der dir hilft
Th.: und hast du noch Lust ihr zu helfen
Kl.: ihr jetzt noch ?-----nee, ne? ...das einzige ist, dass ich nochmal hinfahren
würde, um von deinem Ort und dem ganzen Umfeld Abschied zu nehmen, aber das
mach ich nicht deinetwegen, sondern das mach ich für mich, um damit die Gesamtära...
damit die Zeit dort abgeschlossen ist.
Th.: genau
Kl.: das ist absolut endgültig: von dem Bereich, in dem ich mal gelebt habe,
und der mir nicht aufrecht gehalten worden ist, aber sonst würde ich nicht
mehr kommen und ich weiß auch noch nicht, ob ich das aus der Ferne tu!!
Th.: sag ihr ruhig mal: ich will nicht mehr kommen oder sag’s mal so, wie
es Dir am ehesten entspricht
Kl.: ich will nicht mehr immer derjenige sein, der für dich das macht, was
du nicht machen willst, weil du Angst hast, dass du irgendwas nicht richtig machst
oder weil’s dir zu viel ist oder...., und ich bin immer auf Deine dumme
Art reingefallen, du machst das immer so schön, du kannst das ja so gut,
ich ---unverständlich--- Mach deinen Scheiß alleine!!! ...immer dieses:
auf andere abwälzen ---schlägt---
Th.: wer vor allem? Andere?
Kl.: ich
Th.: auf mich abwälzen
Kl.: ja mein Bruder hat sich ja fern gehalten, der kommt ja jetzt langsam wieder
auf die Bildfläche
Th.: ja, wie guckt denn deine Mutter jetzt?
Kl.: wie guckt sie, ph, eigentlich gar nicht, ich weiß nicht, hach dieses
hämische Grinsen
Th.: ganz genau
Kl.: es ist immer noch nicht weg!!! Kannst du dir das nicht mal verkneifen?
Th.: befehl ihr doch mal: du grinst jetzt nicht mehr, oder wie ist dein Impuls?
Kl.: du grinst jetzt nicht mehr!!! ---schlägt und läßt noch weitere
Wutäußerungen raus---
Th.: ganz genau
Kl.: ....den ich Dir viel zu lange verschwiegen habe und immer nur, um dieses
blöde Gesicht nicht sehen zu müssen, bin ich auf jeden Mist eingegangen,
der von deiner Seite kam!!! immer Harmonie, Harmonie, Harmonie, ---schlägt
weiterhin kräftig und ausdauernd und steigert sich selbst zunehmend rein---
Th.: wie ist es jetzt, ist jetzt mal Schluss mit der Harmonie?
Kl.: ja, ich habe keine Lust mehr, ich zieh mich daraus zurück, heimlich
still und leise
Th.: guck sie an, ob sie es wahrnimmt, ob sie es hört!
Kl.: ja sie hat’s ja begriffen
Th.: ja sag es ihr
Kl.: du hast es ja offensichtlich begriffen, denn du hast Dir ja schon andere
Leute geholt, die dir mal aus der Patsche helfen
Th.: wie ist das für dich, dass sie sich andere Leute geholt hat
Kl.: ich habe mich darüber erst geärgert, das will ich dir mal sagen!
--- drohende Stimme---
Th.: genau, teils ihr mit
Kl.: weil du mich immer ausgenutzt hast!!! Und in dem Moment, wo du gemerkt hast,
ich spur nicht so wie immer, da hast du dir sofort jemand anderen geholt und...
Th.: wie ist das für dich?
Kl.: da hab ich mich geärgert, ich war eigentlich verletzt und traurig, weil
ich eben nicht wichtig bin als Mensch, sondern nur wichtig bin als Helfer für
Dich, als Funktion, als Fußabtreter, als Putzlappen, als Hampelmann! ---
sie beugt sich vor und sagt trotzig.--- Sooo!
Th.: guck’s Dir an, wie reagiert sie, wie guckt sie, wenn du ihr das sagst?
Kl.: sie guckt weg
Th.: wie ist das, wenn sie weg guckt?
Kl.: wie ist das für mich? bisschen komisch, es erschreckt mich auch ein
bisschen. --- sie wird vorsichtig von der Stimmlage her---
Th.: sag’s ihr, du erschreckst mich
Kl.: du erschreckst mich auch, weil mir im Prinzip jetzt klar wird, wie wenig
Interesse du wirklich an mir hattest
Th.: oder hast, was ist jetzt?
Kl.: hast, weil es interessiert dich ja jetzt schon gar nicht mehr!!
Th.: wie ist das für dich, wenn es sie nicht interessiert?
Kl.: ja verletzend!
Th.: genau
Kl.: --- von selbst wird ihr plötzlich klar: --- das ist echt verletzend,
ich will mich von dir nicht mehr verletzen lassen!! --- ruft laut und schlägt
spontan kräftig weiter--- Schluss damit jetzt! ich habe da keinen Bock mehr
drauf!
Th.: ja ganz genau, sag’s noch mal: ich habe keinen Bock mehr drauf
Kl.: ich habe keinen Bock mehr da drauf,
Th.: ja ganz genau, es reicht jetzt so langsam mal
Kl.: ja es hat schon lange genug gedauert!! --- sie schlägt weiterhin kräftig---
Th.: ja ganz genau
Kl.: ich habe auch eigentlich mehr erwartet, dass du einen mal in den Arm nimmst,
aber das kannst du überhaupt nicht!
(Die Th. hätte hier auch mehrfach die Möglichkeit gehabt mal eine Symbolfigur
auftauchen zu lassen, die der Mutter mal zeigt wie man liebevoll und gefühlvoll
ist, doch die Wahrnehmung dass der ganze Frust und die Verzweiflung aus Anstand
und Erziehung nicht ausgelebt werden, war stärker, insofern hat sich die
Th. zur Provokation entschlossen.)
Th.: wie ist es jetzt das Gesicht?
Kl.: ja es guckt verlegen zurück oder weg
Th.: guck sie mal an und sag ihr mal, sie soll dich mal angucken! Guck mal ob
das geht!
Kl.: --- im Befehlston:---guck mich doch wenigstens mal an, das muss doch mal
möglich sein!
Th.: tut sie es ?
Kl.: ja ein bisschen
Th.: reicht dir das?
Kl.: --verlegen, verduzt-- ph, reicht mir das? soll sie lachen?
Th.: es geht darum, wie es Dir damit geht. Reicht Dir das, wenn sie dich verlegen
anguckt?
Kl.: daraus erkenne ich ein bisschen.... daraus auch so... wie du jetzt guckst,
dass es dir zumindest vielleicht ein wenig klar ist
Th.: frag sie mal, ob es ihr jetzt klar ist!
Kl.: ist es Dir denn jetzt eigentlich klar geworden, was es für mich immer
bedeutet hat? Was ich gar nicht gemerkt habe? Was ich verdrängt habe, nur
weil ich im Prinzip Angst hatte, dass Du mir die Freundschaft kündigst, habe
ich mich verbogen für dich
(Hier hätte man auch noch den Zusammenhang zu ihrer Neurodermitis klarer
machen können.)
Th.: wie reagiert sie?
Kl.: --- ahmt die Stimme der Mutter nach: --- tja
Th.: wie ist das für dich?
Kl.: das bestätigt mir nur das, was ich ja schon lange weiß, dass eben
da, aus welchen Gründen auch immer keine Bindung da ist
Th.: wie ist das für dich, wenn da keine Bindung da ist?
Kl.: ja einerseits bin ich froh, dass mir das jetzt so klar ist, andererseits
muss ich mir nur noch den Befehl geben, dass ich meine Haut in Ordnung bringen
muss, dass es nicht meine Sache ist! Im Prinzip ist mir das ja schon eine Weile
klar. (hier stellt sie selbst den Zusammenhang zur Haut/Neurodermitis her.)
Th.: aber es kommt immer noch
Kl.: ja aber ph
(Die Kl. hat zwar Dampf abgelassen, spürt aber noch nicht ihre Trauer, ihren
Schmerz, kann noch nicht weinen. Klar ist jedoch, dass damit dieses Thema noch
nicht erlöst ist. Da es so nicht in die Erlösung führt, macht die
Th. ihr einen Vorschlag ihr auf der Bildebene das mal zurückzugeben, weil
sie ja auch schon mehrfach betont hat dass es nicht ihres ist. Sie fasst daher
noch mal zusammen:)
Th.: ...die ganzen Schuldgefühle dieses funktionalisiert worden zu sein,
die ganzen Putzlappen und das alles: spür einfach mal rein: Kannst Du das
vielleicht auftauchen lassen und ihr symbolisch zurückgeben oder willst du
einfach mal dieses hässliche Grinsegesicht verbrennen oder spür mal
rein, wie so dein Impuls ist, was würdest Du am liebsten tun, um da raus
zu kommen? (Y-Fragen sind wichtig damit die Kl. selbst entscheiden kann, was sie
tun möchte und die Frage nach den eigenen Impulsen lassen Raum für eigene
Ideen.)
Kl.: ja doch! so der erste Impuls war, dass ich das wie so ein Hemd auszieh, es
gibt doch so Ritterrüstungen oder so... und ihr das einfach so überhängen
kann.
Th.: mach mal, guck mal, ob das geht, probier das mal aus.
Kl.: ja, das ist irgendwie, wie so ein Hemd, das ich ausziehe und eigentlich ihr
überhänge und sage: jetzt kannst Du mal spüren
Th.: hast du’s schon ausgezogen?
(Diese Nachfrage dient der Förderung der Handlungsfähigkeit)
Kl.: ich hab’s jetzt ausgezogen
Th.: ja dann spür es mal so richtig, geh mal rüber und leg’s ihr
mal um
(Die Handlungsfähigkeit wird weiter gefördert.)
Kl.: ich habe es ihr jetzt so übergehängt. Sie guckt ein bisschen boshaft.
Sie guckt so, wie das so ist und dann kann ich so ein bisschen boshaft sein: So
dann gebe ich dir mal diese Haut! Damit du mal spürst, wie das eigentlich
so die letzten 50 Jahre für mich war.
Th.: ja genau, spür mal rein, wie ist das so für dich, wenn du mal so
boshaft sein kannst
Kl.: hach es ist so total nicht meine Art. Aber in dem Fall kann ich ihr das....
eigentlich gar nicht mal so boshaft, sondern einfach aus dem Wunsch des Verstehens:
Th.: Sag’s ihr direkt!
Kl.: Ich möchte dass du diese Zeit auch mal durchmachst, damit du einfach
begreifst, was es für mich bedeutet mit dieser Haut rumzulaufen.
Th.: und guck wie sie reagiert! Nimmt sie’s an? spürt sie was?
Kl.: ja, sie zieht’s an und guckt so: Was ist das denn? Sie hat’s
quasi übernommen sozusagen.
Th.: Und guck mal, wie das für dich ist, ...wie das für sie ist
Kl.: nee im Moment macht sie nichts
Th.: du kannst auch die Zeit einfach mal vorlaufen lassen und schauen wie es dann
ist, wenn sie die Haut eine Zeitlang trägt…
(nettes Handwerkszeug, um den Prozess abzukürzen und in Gang zu halten.)
Kl.: so ein paar Wochen weiter?—Pause --- ja, --- dann steht sie da zwischen
ihren Umzugskartons und kratzt sich.
Th.: muß lachen, kann sich kaum halten--- Ah ja! – Pause-- wie ist
das für Dich?
Kl.: ja das ist nicht unfein --- Lacht noch verhalten ---
(Hier zeigt sich, wie zurückhaltend die Schattenseiten sich äußern
dürfen.)
Th.: lacht mit (Das Mitlachen unterstützt und fördert diese Seiten der
Klientin ebenfalls)
Kl.: ja das ist jetzt mal so richtig gehässig.
Th.: ja! Darf alles mal sein, darfst alles mal, was in dir steckt, rauslassen!
(Gerade, wenn jemand im Außen bestimmte Seiten nicht lebt, ist es wichtig
diese in der Innenwelt mal zum Tragen kommen zu lassen, denn hier kann niemand
wirklich zu Schaden kommen. Die Spannungen können sich so aber leichter lösen.)
Kl.: Ja, das ist echt nicht schlecht.... ja, aber ich seh da so ein Bild vor mir:
Sie da so zwischen den Umzugskartons und sie macht so – sie ahmt ein angeekeltes
Jucken und sich Kratzen mit dem ganzen Körper nach---- uahh
Th.: Spür mal was macht das mit dir, wie ist dein Impuls, was möchtest
du tun oder sagen?
Kl.: Juckt’s dich doll?---- ist unangenehm, gell?
Th.: Wie reagiert sie?
Kl.: --hektische schrille Stimme, mit der sie die Mutter nachahmt und dabei hektische
Kratz- und Unwohlseins-Bewegungen macht:--- „Ha, fies, ha!!! --- ist ja
entsetzlich!!!!!--- ha, mann!!!! Da kommt man ja so schlecht dran!!! ... Kannst
Du da nicht mal kratzen?!?“
Th.: Machst Du das?
Kl.: Ja, kann ich. Hat sie bei mir ja auch gemacht, wenn’s bei mir gejuckt
hat. Das muss ich ja sagen: das hat sie ja immer gemacht. ---zur Mutter hin---
Ja, kann ich ja mal machen, aber ist fies nicht?--- Unangenehm was? Ja, versteh
ich, kenn ich gut das Gefühl!!
Th.: und wie reagiert sie?
Kl.: --- ahmt weiter die Mutterstimme nach--- Och, Mann!!!! Ja, das ist ja eklig!!!
---Ja, Mensch, da kann man ja verrückt werden. Vor allem, wenn man was tun
will!
Th.: Wie ist das für dich?
Kl.: Ja das ist .... ---seufzt und atmet schwer aus-- ganz interessant
(Wiederum vorsichtig zurückhaltend formuliert, was noch eine gewisse Hemmung
zeigt. Es ist halt damit noch nicht gelöst, aber ein Anfang.)
Th.: Was macht das mit dir?
Kl.: Ja, das ist so, dass ich denke, so lernst du deinen Teil auch! ----- Sie
wird zur direkten Ansprache aufgefordert---- ich hoffe, dass du jetzt mal so ein
bisschen nachempfinden kannst, wie es mir immer gegangen ist.
Th.: frag sie mal direkt!
Kl.: kannst du jetzt verstehen, wie es mir die letzten 50 Jahre lang gegangen
ist? Und gerade in den letzten Jahren und als ich klein war. Dazwischen habe ich
es ja immer ausgeblendet. Weißt du wie es mir ergangen ist?
Th.: Wie reagiert sie?
Kl.: -- die Mutter nachahmend--- oh Mann!!!! ist ja echt ekelhaft.
Th.: wie ist das so , wenn sie so reagiert?
Kl.: ja da ist ja echt mal positiv, wenn ich jetzt das Gefühl hab, dass du
das jetzt verstehst.
(Ihr echtes Gefühl ist aber im außen von der Th. noch nicht wahrnehmbar,
also noch nicht so da.)
Ist zwar schade, dass du das jetzt am eigenen Leib spüren musst....
Sie holt ihren Vater dazu, weil sie immer das Gefühl hatte ungebeten, ungewollt
zu sein.
Kl.: Du wolltest ja auch kein Mädchen ---Vater antwortet:--- ach, mir war
das egal.--- Nee, das glaub ich aber nicht!!
Th.: Wie reagiert er?
Kl.: er war eh nicht der schlimme. Vielleicht war’s ihm auch egal.
Th.: sag’s ihm
Kl.: Du hast dich ja eh nie um uns gekümmert, vielleicht war’s dir
ja echt egal, denk ich mal
Th.: frag ihn
Kl.: War es dir egal? .... hm, keine Antwort. ---Pause---
Th.: Schau mal, ob er mit dem Kopf nicken oder schütteln kann
Kl.: war’s schlimm dass ich ein Mädchen geworden bin? --- Pause-- nee,
er schüttelt mit dem Kopf--- Dann war’s für dich egal und nicht
so schlimm? --- er nickt. --- Gut dann haben wir das ja geklärt.
Th.: Wie ist das so für dich?
Kl.: ja, das erleichtert mich ein bisschen. Auf der anderen Seite hatte ich immer
das Gefühl, dass das so der Aufhänger war, damit du dich nicht um mich
kümmern musstest. Das ist dann ja ein bisschen hinfällig.---- Warum
hast du dich denn nicht darum gekümmert, um mich gekümmert? .... weil
dir andere Sachen wichtiger waren.?...
Th.: wie ist das?
Kl.: ich hätte lieber einen Vater gehabt, der... liebevoll für mich
da gewesen wäre. Der mit mir auf Bälle gegangen wäre, oder... und
bei dem ich nicht das Gefühl hätte, dass ich eigentlich gar nicht gerne
mit ihm tanzen möchte... weil mir zu viel Nähe nicht guttut... und für
mich wäre es eigentlich selbstverständlich gewesen , dass du mich an
deinem runden Geburtstag aufgefordert hättest... auf der anderen Seite war
ich froh, das du mich nicht aufgefordert hast!! .... Also wollten wir Nähe
und doch Distanz!!---- Beide!!
Th.: Wie reagiert er?
Kl.: er nickt
Th.: und nimm mal wahr, dass das auf deiner Seite auch so war.
Kl.: Ja, das weiß ich glaub ich schon ne Weile.
Th.: und spür mal, wie es jetzt ist!
Kl.: es ist mir mit dir gar nicht so schlimm.
Sie schließt das mit ihrem Vater ab. Es ist in Ordnung so.
Th.: Und schau mal, wie es jetzt mit deiner Mutter ist!
(Da hier ja die meiste Ladung ist dient dies der Überprüfung wie viel
Spannung noch vorhanden ist.
Kl.: Huch, ja, wo hab ich die denn jetzt verloren? –--sie lacht, die Th.
lacht mit---Ja, die muss ich jetzt mal eben wiederholen.-- Ja, die steht da immer
noch und kratzt sich.---- ja wie ist das denn da? Da kann ich eigentlich ganz
gut von außen angucken, wie sie sich da kratzt.
Th.: Ja, genau, guck dir das mal an!
Kl.: und ich kann eigentlich sagen: weißte was, eigentlich gönn ich
dir das noch ein bisschen.... dass du mal merkst, was ich die ganzen Jahre da
mit mir rumgetragen habe. Und dabei möchte ich es jetzt eigentlich belassen:
Du darfst dich jetzt da weiter kratzen für mich. Das möchte ich gerne.
Th.: und guck, wie sie reagiert
Kl.: buh, da ist sie natürlich nicht begeistert. Macht ein ziemlich dummes
Gesicht --- du guckst mich ziemlich schmalspurig an. Bist du nicht begeistert,
dass ich dir das jetzt überlasse. –Pause--- ne!!! ganz und gar nicht!!!
---Pause---—ja, aber ich tu’s eigentlich gerne.
Sie amüsiert sich noch über ihr verdrießliches Gesicht und wie
die Mutter schnaubt und ahmt sie noch ne Weile nach. Sie kann es sich jetzt auch
locker ansehen und fühlt sich nicht mehr belastet.
(Die Spannung ist damit zunächst einmal zu einem Großteil abgeflossen.)
Kl.: Ich fühl mich auch nicht getroffen. Ich fühl mich auch nicht verpflichtet
etwas dagegen zu tun. Muss ich ehrlich sagen.
Th.: Sag’s ihr
Kl.: Ja, ich … ich denke ich kann es gut bei dir belassen und es macht mir
kein Kopfzerbrechen und keinen Herzschmerz und Schuldgefühle. ... weil es
glaub ich an der Zeit war, es an dich zu übergeben. (Sie zieht von selbst
die eigenen Schlüsse und kommentiert sich selbst.)
Th.: Dann spür das mal: wo in deinem Körper kannst du das wahrnehmen,
dass du es übergeben hast...
(Der Ebenenwechsel ist erneut wichtig um es nicht nur auf der Bildebene sichtbar
und Gefühlsebene fühlbar, sondern auch auf der Körperebene spürbar
zu machen.)
Kl.: --schnaufen, tiefes Durchatmen --–hm --Pause—Eigentlich überall....
wenn ich so sitz tut mir schon ein bisschen mein Rücken weh....
Th.: du kannst dich auch noch mal hinlegen und mal spüren wie’s da
ist
Kl.: ----Entschlossenheit und Erleichterung in der Stimme: ---JA! Kann ich ja
mal machen, aber ich spür mich irgendwie doch lockerer, also ---- puh so
ein bisschen... puh --- und sie atmet schwer und tief durch und die Th, fordert
sie auf, weiterhin tief durchzuatmen und reinzuspüren in ihren Körper
während sie sich wieder hinlegt.---
(Auch im Körper ist also die Spannungsreduktion spürbar.)
Kl.: ja so ein bisschen wie nach dem Joggen, als ob ich meine Körper durchgearbeitet
hätte ....so ganz wohlig --- alles lockerer .... leichter
Th.: und spür mal rein, ob noch was fehlt…. Was mit dem Ballast ist....
was mit deiner Mutter ist...
Kl.: ---lacht und kichert--: Wen es juckt, der kratze sich! ----kichert, die Th
steigt mit ein---
Th.: und spür mal rein, ob du ihr noch was mitteilen willst
Kl.: ja, dass mir das jetzt leid tut, dass sie sich jetzt kratzen muss. Hätten
wir es nicht vermeiden können? das Jucken und Kratzen überhaupt? Das
hätte ich mir gewünscht. Ich hätte es lieber gehabt, wenn wir diese
Themen gar nicht gehabt hätten.
Sie sagt es ihr direkt.
Th.: Wie reagiert sie?
Kl.: tja, sie zuckt mit den Schultern
(Daran merkt man, dass das Thema noch nicht vollkommen erlöst ist, aber immerhin
ist ein erster Schritt getan: die Mutter reagiert und erträgt das, was die
Kl. mit ihr macht. Weitere Lösungsarbeit ist aber vonnöten, um auch
das Energiebild der Mutter zu lockern und in der Innenwelt freundlich und unterstützend
zu erleben.)
Th.: wie ist das für dich, wenn sie so reagiert?
Kl.: ja, wie ist das? Tja, wir können es halt nicht mehr ändern, sie
zuckt mehrfach mit den Schultern und hebt die Arme.
Th.: Spür mal rein, vielleicht hat sie ja jetzt eigene neue Erfahrungen gemacht
und du kannst es jetzt in der Innenwelt mal ausprobieren, ob es jetzt anders ist.
Nimm einfach mal eine Situation.
Kl.: ne zukünftige oder ne vergangene?
Th.: ist egal
Kl.: ja, wenn sie dann immer sagte: kratz dich nicht so!--- ja, dann kann ich
jetzt nur sagen: du weißt ja nun wie das ist.... das man diesem Drang auch
einfach nicht wiederstehen kann, wenn’s einen dann einfach so juckt. Und
dass es einem nichts nützt, wenn einem einer dann so was sagt.
Th.: sei mal drin in der Situation, guck mal ob sie nun immer noch so reagiert...
(Eine Überprüfung, in wie weit schon Veränderung eingetreten ist,
um zu sehen, wie viel Spannung noch vorhanden ist.)
Kl.: Pause--- plötzlich lautes überraschtes, freudiges Aufschreien:
-- Neee!!! Sie streicht mir jetzt über’n Kopf ....und nimmt meine Hand
und hält sie fest...
Th.: wie ist das für dich?
Kl.: lacht schrill und ungläubig —hä hä, könnt ich mich
totlachen. --- lacht herzhafter aber ist noch immer ungläubig:-- nee,...
oh Gott..... also....Was ist das? ---Sie muss wieder lachen und lacht herzlicher---
nee, also so was!--- lacht wieder---
Th.: na, das ist ja fast unglaublich?!
Kl.: nee, also wirklich!!—Pause --- Wieso streichst du mir über den
Kopf?.. und nimmst meine Hand und streichelst sie?..... Das haut mich vom Hocker....
(Die Klientin ist völlig perplex und ungläubig. Hier zeigt sich das
Prinzip der Selbstorgani-sation: Diese Wandlung des Bildes der Mutter, dieses
inneren Energiebildes, geschah ganz von selbst. Das hat die Klientin nicht „gemacht“,
sondern durch den Abfluss der Ladung, der inneren Spannung in Bezug auf das Thema
„ Mutter“, war der Weg zur Neubildung /Umstrukturierung/ Neuorganisation
frei: ein buchstäblich ent--spanntes, positives, mütterliches Bild ist
durch Selbstorganisation in der Innenwelt entstanden. Dies ist die synergetische
Wirkung. Durch energetische Wechselwirkungen besteht nun auch eine Chance, dass
es in der realen Außenwelt zum Tragen kommt.)
Th.: und spür das mal
Kl.: --ruft freudig-- Aber es ist angenehm!!!
Th.: und spür’s einfach mal, wie sie dir übern Kopf streicht....
(Wiederholung als Mittel der stärkeren Bewusstwerdung.)
---entspannende Musik wird eingespielt (Ankerung)---
Kl.: puh--- atmet schwer durch, Rührung kommt hoch, belegte Stimme --- Ja,
das ist .... das ist lieb!--- Aufforderung es ihr direkt zu sagen --- ..... das
ist lieb von dir, dass du das machst! Ich bin nur etwas verblüfft! Das haben
wir ja noch nie gehabt, aber.... ja das ist schön!!!
Th.: Wie ist das und spür mal dieses Neue dieses Noch-nie-da-gewesene...
Kl.: Ja, das ist angenehm... auch so im Körper, wie wenn ich nach dem Laufen
so zur Ruhe komme und das Gefühl der Körper ist so schön durchgearbeitet
und entspannt und..... so ein wohliges Gefühl... empfinde ich als ausgesprochen
angenehm!
(Die körperliche Rückkopplung ist wichtig um auch auf der körperlichen
und nicht nur auf der Bildebene dieses Neue, Positive zu verankern.)
Th.: lass das mal auf dich wirken und durch deinen Körper ziehen und spür
wie sich die Herzgegend anfühlt
(Überprüfung des Körpergefühls, weil dort ja am Anfang die
Schmerzen waren.)
Kl.: freier!…. es schmerzt und zieht auch nicht…. ---Sie atmet tief
ein und aus---
Th.: ja genau spür’s einfach mal---- einige Zeit vergeht---- und dann
schau mal wie deine Mutter guckt
Kl.: lieb
Th.: Sag’s ihr mal (auch positives sollte direkt konfrontiert werden)
Kl.: Du guckst lieb. Und das ist so ein wohlwollender Blick der einen da streift,….
Ein lieber und wohlwollender Blick....
Th.: mich (die Ich-Form verstärkt die Wahrnehmung und das Gefühl)
Kl.: ... der mich streift, den du mir hier gibst…. Zeit zum Genießen...
ja, es tut mir unheimlich gut!
Die Th. läßt sie noch ein paar Entspannungslieder lang nachruhen, nachdem
sie mit ihr abgeklärt hat, ob es für sie nun in Ordnung sei. Sie atmet
noch tief entspannt durch. Sie berichtet anschließend, dass die Mama sie
auf den Schoß genommen hat, gelacht hat und freundlich guckt.
Auch hier zeigt sich das Selbstorganisatorische: Das Bild wandelt sich weiterhin
von allein, von selbst. Und das positive Gefühl dazu tritt von selbst prompt
auf:)
Kl.: ja, ich kann jetzt meinen Frieden mit dir machen. Bin dir nicht mehr böse
oder ärgerlich oder... ja ich glaub das ist ne gute Basis für mich,
die ich jetzt dir gegenüber einnehmen kann.
(Jetzt klappt die ich-Anrede schon besser)
Th.: Wie reagiert sie?
Kl.: Ja vom Blick her etwas erleichtert. Ja, ganz zufrieden offensichtlich, trotz
des Juckens.
(Hier zeigt sich dass das Thema noch nicht endgültig erlöst ist, sondern
nur eine erstes Zwischenergebnis darstellt.)
Th.: ja, können wir’s so stehen lassen?
Kl.: ja, war gut, ne?--- aber war wohl auch notwendig.
Die Klientin wird aufgefordert sich dieses neue Gefühl mit der Mutter gut
einzuprägen und nach einer Weile des Einprägens und Nachruhens, verabschiedet
sie sich von ihrer Innenwelt.