3. Sitzung: Das schwarze Loch (ausführliches Wortprotokoll)
Entspannungstext: Lichtatmung.
Th.: „Schau dich einmal um, wo bist du? Was nimmst du wahr?“
Kl.: „Ich erwarte, dass was kommt, und es ist kein Bild vorhanden. Ich möchte
irgendetwas ändern – nichts! Nur diese Hoffnungslosigkeit.“
Sie projeziert ihre Gefühle nicht mehr auf ihre Verwandten, sondern empfindet
sie als ihre eigenen.
Th.: „Ja, nimm sie wahr, und sprich die Hoffnungslosigkeit mal an! Sag ihr:
Hoffnungslosigkeit, du darfst da sein.“
In ihrem inneren Heilungsweg ist es wichtig, dass sie ihre Hoffnungslosigkeit,
Angst und Traurigkeit annimmt und integriert. In dieser Sitzung passiert eine
erste Annäherung. Durch neues Handeln wird die Struktur in der Folgezeit
destabilisiert und durch den dadurch ausgelösten Selbstorganisationsprozess
in eine neue Ordnung überführt.
Kl.: „Da ist ein leeres schwarzes Loch. Ein Fallen in die Tiefe. Ich habe
Angst, nicht da raus zu kommen, mich zu verletzen.“
Es wird ihr nichts geschehen, wenn sie die Bedrohung zulässt. Ich begleite
jeden so weit, wie er gehen kann und will. Ich kann sie ohne Bedenken ermutigen,
den drohenden Abgrund anzusprechen und in ihn zu fallen. Das ist das Sich-Seiner-Seele-Anvertrauen,
die Hingabe an sich selbst.
Th.: „Ja, lass auch diese Angst da sein! Wo spürst du sie?“
Kontakt auf allen Ebenen verschafft vertiefenden Zugang.
Kl.: „Die Angst umkrampft mein Herz. Sie ist hart, es ist wie in einem Panzer,
sie schnürt mich ein, wie eine Spange.“
Das scheinbar bedrohte Herz ist bei inneren Erfahrungen meistens ganz ruhig und
zeigt sein Vertrauen zu dem, was innerlich geschieht.
Th.: „Sprich die Spange mal direkt an. Sie soll dir mal sagen, wie sie entstanden
ist. Oder was ist dein Impuls?“
Y-Frage: Die Entscheidungs- und Handlungskompetenz liegt bei der Klientin.
Die Klientin geht auf die Symbolebene und verschafft sich so Distanz.
Kl.: „Ich sehe eine Blume, die sich jetzt öffnet. Sie ist lila und
hat 5 Kelchblätter. Wie eine Blase formt sie sich. Da ist Herzöffnung.“
Die Zuordnung der Farben zu seelischen Qualitäten ist seit langem etabliert.
Lila ist die Farbe der Spiritualität und Heilung.
Die Realität eines Klienten zeigt sich immer ganz deutlich in seiner Innenwelt,
als reale Bilder, Symbolbilder (hier die lila Blüte), Gefühle und Körperreaktionen.
Alles ist miteinander verbunden, wird von mir miteinander konfrontiert und öffnet
mehr und mehr den Weg, um Blockaden zu lösen.
Th.: „Ja, da geschieht Veränderung. Wie fühlt sich das an?“
Anbindung an die Emotionen.
Kl.: „Die Angst klammert an. Die braucht wieder helles Licht. Jetzt schwebe
ich auf einem Wolkenteppich.“
Ihre spirituelle Anbindung funktioniert. Die Widerstände sind gross. Sie
zieht sich auf eine Metaebene zurück. Es besteht die Gefahr der Flucht.
Th.: „Und wenn du wieder Kontakt mit deinem Herzen aufnimmst?“
Ich lasse sie wieder Kontakt mit der Realitätsebene aufnehmen.
Kl.: „Da ist jetzt eine Wüste. Und in der Ferne ist eine dunkle Schicht,
zähflüssig, eine grosse Blase, dunkel, schalenförmig. Oh –
Klient sichtlich erschrocken – das ist eine Atomblase. Ich muss mich raketenartig
entfernen. Ich habe Angst zu sehen, wie die Dunkelheit entstanden ist.“
Die innere Wüste ist ein beliebtes Ausdrucksbild der Depression.
Th.: „Nimm das wahr und lass die Angst da sein!“
Es ist sehr hilfreich, die Abwehr bewusst anzusprechen und sie mit in die Erfahrung
zu nehmen.
Kl.: „Da ist soviel Traurigkeit im Hals.“
Eine innere Öffnung geschieht: Das dahinter liegende Gefühl wird sichtbar.
Th.: „Lass die Traurigkeit auch da sein. Spür ihr nach und lass dich
mal in eine Situation führen, wo sie dir schon mal begegnet ist.“
Ansteuern der Prägungsebene.
Kl.: „Ich sitze auf einer Treppe, das ist die Kellertreppe in meinem Elternhaus.
Es ist dunkel und kalt. Ich habe schreckliche Angst, es ist nicht zum Aushalten.
Die Angst schnürt mir die Kehle zu. Es ist keiner da. Ich kann mich nicht
mehr bewegen. Ich glaube ich verlier das Bewusststein.“
Sie erreicht eine Situation auf der Prägungsebene ihres Musters.
Lähmung und Starre dienen der Klientin als unbewusster Schutz vor der inneren
Bedrohung, die bis zur Ohnmacht gehen kann.
Th.: „Ja, nimm das wahr – und atme. Versuch mit dem Kind in Kontakt
zu bleiben – und spür dem weiter nach.“
Durch das Atmen bekommt sie wieder Anschluss an den Energiefluss.
Passende Hintergrundmusik (Vangelis A) wird leise eingespielt.
Kl.: „Ich hab so schreckliche Angst, es ist so dunkel und kalt. Meine Tante
hat mich wieder eingeschlossen im Keller. Das hat sie oft gemacht. Ich soll spüren
wie das ist, eine nasse Hose zu haben. Ich fühle jetzt noch dieses Ausgeliefertsein,
es ist keiner da, der mir helfen kann. Ich bin so allein.“
Th.: „Kennst du dieses Gefühl?“
Transfer zur Gegenwart, dient der stärkeren Bewusstwerdung ihres Musters.
Kl.: „Ja! Das begleitet mich schon ein Leben lang.“
Th.: „Das hat sich bis in dein heutiges Leben eingeprägt. Möchtest
du das so stehen lassen? Die Kleine in dir sitzt immer noch in der Kälte
und in der Dunkelheit und fühlt sich verlassen.“
Transparenz in die wirkenden Zusammenhänge.
Die Klientin atmet laut und gepresst. Sie ist stark angespannt.
Th.: „Und atme … Ja, lass es raus! Mach einen Ton, drück´
es aus. “
Gefühlsverstärkende Musik (Vangelis B) wird eingespielt.
Zur Ankerung der Situation und Gefühlsverstärkung.
Die Klientin beginnt zu schreien, ohne Worte und sehr verkrampft.
Ich schlage leicht provozierend mit dem Schlagstock auf den Boden und gebe der
Klientin gleichzeitig einen anderen in die Hand. Sie wird dabei auch mit Worten
von mir unterstützt.
Th.: „Ja, lass es raus! Trau dich!
Sie greift sofort nach dem Schlagstock, kniet sich hin und schlägt unkontrolliert
auf den Boden.
Sie wird dabei von mir durch Anfeuern und Mitschlagen und durch die Musik in ihrer
Prozessarbeit unterstützt.
Die gestaute Energie findet ihren Weg – die so lang aufrecht erhaltene,
starre Kontrolle geht verloren – der Selbstorganisationsprozess kommt in
Fahrt.
Kl.: „Die nehm´ ich mir vor. Ich stürze in die Küche, wo
die Tante und die Grossmutter sitzen. Was geht denn hier vor sich? Jetzt ist aber
Schluss! Ich hau´ auf den Küchentisch, die Bank und den verdammten
Hochstuhl, auf dem ich immer sitzen muss. Und mich sperrt keiner mehr ein!
Th.: - Laut – „Ja, sag´s ihnen, lauter! Jetzt ist Schluss.
Unterstützung des Prozesses.
Die Klientin entlädt weiter die angestaute Energie.
Kl.: „Ich habe Angst, wenn ich da unten im Dunkeln hocke. Ich bin so allein,
da unten. Ich will dann gar nicht mehr da sein, am liebsten immer versteckt sein.“
Die Klientin schluchzt laut auf und legt sich weinend zurück auf die Liege.
Th.: „Ja, lass alles da sein. Lass die Traurigkeit aus deinem Hals abfliessen.“
Die Klientin weint ausdauernd und in Intervallen.
Th.: „Ja, lass alles raus – und atme. Spür die Entlastung.
Kl.: „Mein Gott, ich weine. Ich kann wieder weinen. Das habe ich seit Ewigkeiten
nicht mehr getan. Das tut gut!
Sie fasst sich an den Hals.
Th.: „Wie fühlt der Hals sich an?“
Kl.: - schluckt – „Ganz weich und warm. Mein Gott, ich bin ja so dankbar.“
Wärme ist immer ein Zeichen für fliessende Energie.
Th.: „Danke vor allem dir! Du bist in dem dunklen Abgrund und hast für
dich gesorgt. “
Ich weise auf ihre eigene Handlungskompetenz hin.
Kl.: lächelt -„Ja, das stimmt. Und das hat richtig Luft verschafft.“
Die Klientin atmet tief durch und streicht sich, wie zur Überprüfung,
über den Hals und die Brust.
Th.: „Und wie fühlt es sich jetzt an, dein Herz?“
Kl.: - befreit - „Ganz weich und warm. Die Spange ist gesprengt.
Th.: „Ja, du hast dich frei gesetzt.“
Th.: „Möchtest du noch mal den Kontakt mit deiner Tante und deiner
Grossmutter nachspüren? Sind sie noch da?“
Kl.: „Die schauen mich ganz verwundert und – sie lacht – richtig
hilflos an. So aufgeschreckt.
Th.: „Sag´s ihnen direkt!“
Hinweis auf direkte Ansprache, die Innenweltfiguren werden so miteinander in Verbindung
gebracht und besser konfrontiert.
Kl.: „Schaut nicht so verschreckt. Ihr könnt mir doch nicht erzählen,
dass ihr von meiner Not keine Ahnung hattet.
Th.: „Sie schütteln tatsächlich den Kopf. Meine Tante sagt, dass
sie meiner Erziehung sehr ernst nimmt, das hat sie meiner Mutter versprochen (die
Mutter besucht die Schule in der Stadt und ist wochentags nicht da).“
Kl.: „Du bist weit über das Ziel hinaus geschossen.“
Th.: „Schau ihr mal in die Augen!“
Kl.: „Sie ist traurig. Sie hat es wirklich nicht gemerkt, was mit mir los
war.“
Th.: „Sprich direkt zu ihr – schau ihr in die Augen!“
Kl.: - leise – „Ich sehe deine Traurigkeit und Starre.
Die Klientin hebt ihre Hand in die Höhe, ich reiche ihr meine Hand.
Leise Musik (Song of the Lamp) wird eingespielt zur Ankerung.
Die Klientin weint glücklich und lächelt.
Kl.: „Das sind aber Glückstränen.“
Th.: „Das ist doch schön! Du hast deine Gefühlskanäle geöffnet.
Schau bitte mal nach deiner Grossmutter, ist sie auch noch da?“
Kl.: - lächelt – „Sie ist bei ihrer Lieblingsbeschäftigung.
Sie knetet gerade einen Teig am Küchentisch. Da durfte ich immer mitmischen.
Ich spür jetzt noch das Gefühl des Teiges an meinen bemehlten Fingern.“
Die Klientin bewegt dabei ihre Finger.
Th.: „Tust du das gerade?“
Kl.: „Ja, ich lege meine Hände in die bemehlten Hände meiner Grossmutter.
Ich halte ihr die Hand.
Th.: „Und wenn du ihr in die Augen schaust?“
Kl.: - Tief durchatmend und gerührt – „Da ist ganz viel Liebe
drin.“
Die Musik wird lauter gestellt – lange Pause - .
Ankerungsmöglichkeit des neuen Bildes in der Innenwelt.
Th.: „Und was ist dein Bedürfnis? Möchtest du noch etwas ansprechen?“
Kl.: „Nein, nur spüren. Wir stehen ganz dicht zusammen und strahlen
uns an. “
Th.: „Da ist ganz viel Geborgenheit und Verbindung.“
Die Klientin nickt gerührt.
Th.: „Ja, nimm dieses Gefühl ganz in dich auf und geniesse es.“
- Pause -
Th.: - mit leiser, behutsamer Stimme - „Und wenn du jetzt zu Beginn der
Sitzung zurückschaust, was nimmst du wahr? Was siehst oder empfindest du?“
Rückkopplungseffekt und Überprüfung, ob die neue Struktur stabil
ist.
Kl.: - lacht prustend- „Ich sitze auf dem Wolkenteppich mit meiner Grossmutter
und meiner Tante. Wir fliegen über eine blühende Wiese – huii
– das ist super, so grenzenlos und frei!“
Th.: „Und hast du Lust mal zu landen?“
KL.: „Nein, jetzt gönne ich mir diese schöne Aussicht und dieses
freie Gefühl. Da will ich hin – auf Dauer.“
Th.: „Ok, gönn´ es die in vollen Zügen. Ich lass dich jetzt
für gut 10 Minauten allein und komme dann wieder:“
Nach 10 Minuten kommt die Therapeutin zurück und beginnt die Rückführung.
Th.: - mit kräftiger und bestimmter Stimme - „Lass´ die Bilder
blasser werden, sich in den Hintergrund zurückziehen (an das allmähliche
Verschwinden der Töne der Hintergrundmusik gekoppelt) und mach dir noch einmal
bewusst, dass der Weg in deine Tiefe mit jedem Mal leichter wird, weil sich deine
eigenen Spuren der Bilderwelt mit jedem Mal tiefer einprägen (Selbstsuggestion,
am Ende jeder Sitzung) und dass du alles Erlebte erinnern und dir noch mehr dazu
einfallen wird, wenn du dich weiter mit deinem Thema beschäftigst. Jetzt
wird es langsam Zeit, wieder hierher in Raum und Zeit der äusseren, materiellen
Wirklichkeit zu kommen. Beginne bewusst ein- und auszuatmen und mit jedem ein-
und ausatmen komme in deinem Tempo mehr und mehr hierher zurück … spüre
jetzt deinen Körper … vielleicht kannst du bemerken, dass sich ein
Körperteil bewegen möchte … die Hände vielleicht oder die
Füsse … und mit dem nächsten stärkeren Einatmen verstärkst
du auch die Bewegung … lässt sie übergehen in wohliges Dehnen
und Strecken … mit dem du mehr und mehr zurückkommst. So kommst du
ganz hier an, nimmst die Augenbinde ab ... und vielleicht magst du noch einmal
aneinander reiben, bis sie ganz warm sind, und deine warmen Hände sanft über
deine geschlossenen Augen legen … um deine Augen in die Wärme und das
gedämpfte Licht deiner Hände hinein zu öffnen … und dann
bist du wieder ganz hier.“